Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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8 Prophylaxe und Therapie von Infektionen: Klinische Diagnostik

Autor/en: H. Link
Letzte Änderung: 25.01.2006

Bei Infektionsbeginn

Klinische und mikrobiologische Infektionsdiagnostik

  • Sorgfältige Befragung nach Beschwerden und klinische Untersuchung
  • Haut- und Schleimhautveränderungen
  • Eintrittstellen zentraler oder peripherer Venenzugänge, Kathetertunnel
  • Punktionsstellen von Blutgefäßen und anderen Stellen
  • Obere und tiefe Atemwege, Nasennebenhöhlen
  • Axillen und Leisten
  • Abdomen und Perianalregion
  • Urogenitalregion
  • Messung von Blutdruck sowie Puls- und Atemfrequenz
  • Gegebenenfalls Augenhintergrunduntersuchung bei Verdacht auf Pilzinfektion oder Zytomegalievirus-(CMV-)Infektion
  • Röntgenaufnahme der Thoraxorgane in 2 Ebenen
  • Vergleich mit dem Ausgangsbefund bei der stationären Aufnahme
  • Bei entsprechender Symptomatik: weitere gezielte Aufnahmen, beispielsweise der Nasennebenhöhlen mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)

Mikrobiologische Initialdiagnostik

  • Mindestens 2 separate venöse Blutkulturen aus peripherem Blut für die kulturelle Untersuchung (aerob/anerob) innerhalb von 30-60 min gewinnen, bei liegendem Venenkatheter 2 weitere Blutproben aus dem Katheter (bei mehrlumigen Kathetern reicht eine Kultur)
  • Urinkultur
  • Weitere mikrobiologische Diagnostik bei entsprechender Infektionssymptomatik
  • Stuhlkultur einschließlich Nachweis von Clostridium-difficile-Enterotoxin bei Durchfällen oder Verdacht auf Enteritis oder Kolitis
  • Wundabstrich (ggf. Nasopharynx, Analregion)
  • Liquorkultur (Bakterien, Pilze)
  • Untersuchung von Punktionsmaterial
  • Bei Nachweis von Mikroorganismen in Blut-, Urin- oder Liquorkultur sollte auch bei klinischem Behandlungserfolg das gleiche Untersuchungsmaterial nochmals entnommen werden, um eine Kontrollkultur zur Sicherung der mikrobiologischen Wirksamkeit anzulegen
  • Obligate Empfindlichkeitstestung gegen die eingesetzten Medikamente bei allen Kulturen

Klinisch-chemische Diagnostik

Die minimal benötigte Diagnostik vor und während der Therapie erfordert mindestens 2-mal wöchentlich die Untersuchung von:

  • Leukozytenzahl und Differenzialblutbild
  • Hämoglobinwert
  • Thrombozytenzahl
  • Aktivität von GOT, GPT, LDH, alkalischer Phosphatase und γ-GT
  • Bilirubin-, Harnsäure-, Kreatinin-, Natrium- und Kaliumkonzentration
  • Quick-Wert, partielle Thromboplastinzeit
  • Konzentration des C-reaktiven Proteins (CRP)

Bei Hinweisen auf eine Sepsis ist die regelmäßige Laktatspiegelbestimmung erforderlich.

Bei Patienten, die mit Aminoglykosiden behandelt werden, wird mindestens 2-mal pro Woche die Bestimmung des Plasmatalspiegels des Medikaments unmittelbar vor erneuter Gabe des Aminoglykosids empfohlen (ggf. auch häufiger). Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, insbesondere unter gleichzeitiger Behandlung mit anderen potenziell nephrotoxischen Substanzen, sind die Intervalle zur Bestimmung des Plasmaspiegels entsprechend kürzer zu wählen oder Aminoglykoside zu vermeiden. Bei Therapiebeginn ist es zur Festlegung der Dosierungen und wegen der potenziellen Nephrotoxizität sinnvoll, die endogene Kreatinin-Clearance zu bestimmen, falls noch nicht vorher geschehen.

Diagnostik bei fehlendem Ansprechen auf die Therapie nach 72-96 Stunden

Folgende Gründe können persistierendes Fieber erklären:

  • nicht bakterielle Infektion
  • bakterielle Infektion mit Resistenz gegenüber den verwendeten Antibiotika
  • neu aufgetretene Zweitinfektion
  • unzureichende Serum- und Gewebespiegel der Antibiotika
  • Medikamentenfieber oder Infektionen an nicht ausreichend vaskularisierten Stellen (Katheter, Abszesse)

Es erfolgt die Wiederholung der diagnostischen Maßnahmen, die zu Therapiebeginn durchgeführt wurden (s. oben). Der Laktatspiegel kann zur Definition einer Verschlechterung bestimmt werden. Da ein septischer Schock entstehen kann, sind regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen erforderlich.

Weiterhin werden durchgeführt:

  • Untersuchung des Augenhintergrundes
  • Sonographie der Abdominalorgane
  • bei negativem Röntgenbefund der Lunge: hochauflösende CT der Lungen zum Nachweis diskreter Pilzinfiltrate, Sonographie der Abdominalorgane (alternativ CT des Oberbauchs mit Kontrastmittel)

Bei Nachweis neuer Lungeninfiltrate kann eine fiberoptische Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage durchgeführt werden. Außer der Routinediagnostik sollten Untersuchungen auf Pilze, Pneumocystis jiroveci (carinii), Legionella spp. und Zytomegalievirus erfolgen. Zudem erfolgt die Bestimmung von Legionellaantigen im Urin.

Es muss kritisch geprüft werden, ob die nachgewiesenen Erreger relevant oder nur kontaminierend sind.

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Die Publikation dieses Artikels wird gefördert durch:
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