Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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7.2 Supportive Therapie mit Blut und Blutkomponenten - Thrombozyten: Thrombopenie bei malignen Erkrankungen

Autor/en: N. Ahrens, A. Salama
Letzte Änderung: 25.01.2006

Die häufigsten Ursachen einer behandlungsbedürftigen Thrombopenie sind die Knochenmarkinsuffizienz (s. oben), v.a. nach myelosuppressiver Chemotherapie, und ausgedehnte Blutungen.

Transfundierte Thrombozyten verteilen sich in Blut und Milz, sodass die Wiederfindungsrate (Recovery) im peripheren Blut bei 60-70% liegt. Da der absolute Thrombozytenanstieg (Inkrement) neben der Geschwindigkeit des Abbaus vom Blutvolumen des Patienten und von der Menge der transfundierten Thrombozyten abhängt, wird zur Beurteilung der Wirksamkeit das korrigierte Inkrement verwendet (s. Abb. 7.1).

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Abb. 7.1: Berechnung der Wirksamkeit transfundierter Thrombozyten

Das korrigierte Inkrement wird eine Stunde und 20-24 Stunden nach Transfusion des Thrombozytenkonzentrats gemessen und sollte bei frisch hergestellten Thrombozytenkonzentraten bei >10 liegen. Gelagerte Thrombozytenkonzentrate können zu einem um bis zu 30% niedrigeren Inkrement führen. Ein wiederholt niedriges korrigiertes Inkrement (<5) bezeichnet man als Refraktärzustand.

Einen nicht immunologisch bedingten Refraktärzustand kann man finden bei Patienten mit:

  • Fieber
  • Sepsis
  • antibiotischer Therapie
  • disseminierter intravasaler Gerinnung
  • Splenomegalie

Ein immunologisch bedingter Refraktärzustand ist Folge der Bildung von Alloantikörpern gegen:

  • HLA-Merkmale der Klasse I (häufiger) oder
  • plättchenspezifische Antigene (seltener)

Auch Isoagglutinine (Anti-A, Anti-B) können in seltenen Fällen bei majorinkompatibler Transfusion zu einem verminderten Anstieg der Thrombozytenzahl führen. Die größte klinische Bedeutung haben HLA-Antikörper. Die primäre Immunisierung ist von der Zahl transfundierter Leukozyten abhängig. Die alleinige Gabe von Thrombozyten verursacht trotz der auf den Blutplättchen vorhandenen HLA-Antigene i.d.R. keine Immunisierung. Bei vorhandener Immunisierung können Thrombozyten jedoch eine Boosterung bewirken.

Liegt ein immunologisch bedingter Refraktärzustand vor, müssen HLA- bzw. HPA-identische Thrombozytenspender (HPA: humane Plättchenantigene) gefunden werden. Findet sich kein passender Spender, kann die Suche auf nahe Verwandte des Patienten erweitert werden oder ggf. sind Spender überregional zu suchen.

Bei immunologisch bedingtem Refraktärzustand und bei trotz HLA-/HPA-konform ausgewählten Thrombozytenkonzentraten anhaltender Refraktärität können Spender durch eine Verträglichkeitsuntersuchung (Crossmatch) von Patientenserum/-plasma und Thrombozyten des Empfängers ermittelt werden.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
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