Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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7.1 Supportive Therapie mit Blut und Blutkomponenten - Erythrozyten: Erythrozytenantigene und Antikörper

Autor/en: N. Ahrens, A. Salama
Letzte Änderung: 25.01.2006

Erythrozyten exprimieren Blutgruppenantigene. Das wichtigste und bekannteste Blutgruppensystem ist das ABO-System mit den Hauptantigenen A, B, AB und O, die durch Enzyme (A- bzw. B-Glykosyltransferase) gebildet werden. Bei jedem Immunkompetenten sind die korrespondierenden Isoagglutinine nachweisbar. Personen mit der Blutgruppe O exprimieren kein A- und kein B-Antigen und bilden Antikörper gegen A- und B-Substanz. Personen mit der Blutgruppe A bilden Anti-B, Personen mit der Blutgruppe B Anti-A, und Personen mit der Blutgruppe AB bilden keine Isoagglutinine.

Andere Erythrozytenantikörper sind i.d.R. nicht nachweisbar und werden daher als "irreguläre Antikörper" bezeichnet. Insgesamt sind etwa 280 verschiedene Blutgruppenantigene auf Erythrozyten definiert. Die meist relevanten sind das Rhesus-, das Kell-, das Duffy- und das Kidd-System [Daniels G 2002]. Bei antigeninkompatibler Transfusion können die Empfänger gelegentlich Antikörper gegen Merkmale dieser Blutgruppensysteme bilden. Diese Systeme sind im Gegensatz zu den Kohlenhydratantigenen des ABO-Systems auf bestimmten Proteinen lokalisiert. Rhesuspositive Personen - etwa 72% der Bevölkerung - exprimieren das RhD-Protein.
Rhesusnegative Personen exprimieren kein RhD-Protein und werden in der Blutgruppennotation mit "dd" gekennzeichnet. Bei etwa 1% der Bevölkerung ist das RhD-Protein verändert und liegt als D-weak oder D-partial vor. D-weak bezeichnet RhD-Proteine, die schwächer nachweisbar und auf denen alle immunogenen Teile des Antigens D vorhanden sind. Die Merkmalträger von D-weak gelten als rhesuspositiv. D-partial bezeichnet demgegenüber die Expression eines Teiles des RhD-Proteins. Die D-partial-Merkmalträger können Antikörper gegen die bei ihnen fehlenden Teile des D-Antigens bilden. Als Patienten gelten sie daher als rhesusnegativ, als Spender dagegen als rhesuspositiv. Auf dem RhCE-Protein sind die Antigene C/c sowie E/e lokalisiert. Sie sind weit weniger immunogen als D.

Das Kell-System mit den wesentlichen Antigenen K und k wird auf dem Kell-Glykoprotein exprimiert. Antikörper gegen die erwähnten Merkmale des Rhesus- und des Kell-Systems können massive hämolytische Transfusionsreaktionen verursachen; zu transfundierende Erythrozytenkonzentrate müssen daher danach ausgewählt werden, dass sie negativ für die betreffenden Antigene sind. Die Relevanz bleibt auch nach Abklingen der Reaktivität bestehen, da wegen einer raschen Boosterung verzögerte hämolytische Transfusionsreaktionen möglich sind.

Gegen die Merkmale der weiteren Blutgruppensysteme werden seltener Antikörper gebildet [Winters JL 2001].

Literaturreferenzen:

  • Daniels G, Poole J, de Silva M, Callaghan T, MacLennan S, Smith N.
    The clinical significance of blood group antibodies.
    Transfus Med 2002;12:287-295. PM:12383334
    [Medline]


  • Winters JL, Pineda AA, Gorden LD, Bryant SC, Melton LJ 3rd, Vamvakas EC, Moore SB.
    RBC alloantibody specificity and antigen potency in Olmsted County, Minnesota. Transfusion 2001;41:1413-1420. PM:11724988
    [Medline]


Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
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