Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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5.7 Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen: Methoden der invasiven Schmerztherapie

Autor/en: M. Kloke
Letzte Änderung: 25.01.2006

Parenterale Therapie

Schluckunfähigkeit, therapierefraktäres Erbrechen, enterale Obstruktion und fehlende intestinale Resorptionsflächen stellen sichere Indikationen zur parenteralen Gabe von Analgetika dar. Ist ein stabiler venöser Zugang (z.B. Port) vorhanden, so wird dieser zur systemischen parenteralen Gabe benutzt, ansonsten ist der Applikationsweg der Wahl der subkutane. Hierzu wird eine Spezial-, Venenverweil- oder Schmetterlingskanüle möglichst thorakal mit einem Transparentverband fixiert. Über diese kann dann das Analgetikum (zur Verwendung von palliativmedizinisch häufig verwendeten Mischungen s. einschlägige Literatur) entweder in Form von Einzelgaben oder kontinuierlich mittels externer Pumpen appliziert werden. Kontraindikationen sind eine Pyodermie und schwere Gerinnungsstörungen. Beim Wechsel des Applikationsweges müssen die u.U. individuell veränderten Bioverfügbarkeiten beachtet werden.

Rückenmarknahe Verfahren

Trotz aller Fortschritte des systemischen Schmerzbehandlung kann bei 1(-3)% der Tumorpatienten eine suffiziente Schmerzlinderung nur mittels periduraler oder intrathekaler (synonym: spinaler) Therapie erreicht werden. Die ausschließliche Gabe von Opioiden setzt den prinzipiell opioidsensiblen Schmerz voraus, Vorteil ist ihre maximale Konzentration in Höhe des Applikationssegments, wobei die rostrale Abflutung besonders bei hydrophilen Opioiden Ursache einer verspäteten Atemdepression sein kann. Pruritus und Harnverhalt treten bei rückenmarknaher Gabe häufiger, eine Obstipation seltener auf als bei systemischer Applikation. Ebenfalls zugelassen sind Lokalanästhetika, deren Bedeutung seit Kenntnis der spinalen Mechanismen der Sensibilisierung und Toleranzentwicklung zugenommen hat. Hier ist die Gratwanderung zwischen der Verstärkung einer zuvor klinisch noch nicht apparenten Muskelfunktionseinbuße und der suffizienten Analgesie u.U. schwierig. Technische Komplikationen sind Katheterdislokation und -bruch. Periduralabzesse bis hin zur Meningitis/Enzephalitis entstehen häufiger hämatogen, seltener per continuitatem. Somit sind deutliche Gerinnungsstörungen und septische Zustände absolute Kontraindikationen, ebenso wie die Nichtgewährleistung einer fachkundigen Weiterbetreuung. Bis zu einer Liegedauer im Bereich weniger Wochen sind untertunnelte Katheter ausreichend, danach sollte ein Port oder selten auch implantierbare Pumpen verwendet werden.

Blockaden

Bei auf den Versorgungsbereich des Ganglion coeliacum beschränkten viszeralen Schmerzen (z.B. frühe Stadien des Pankreaskarzinoms) kann ein Neurolyse des Ganglions durchgeführt werden. Mit schwerwiegenden Komplikationen ist mit einer Häufigkeit von 1-3% zu rechnen. Daneben sind im Einzelfall noch Neurolysen von Interkostalnerven sowie im Ausnahmefall bei perinealen Schmerzen der neurolytische Sattelblock (Blasendauerkatheter und Anus praeter naturalis sollten vorhanden sein) indiziert. Zu Einzelheiten wird auf Lehrbücher der Schmerztherapie verwiesen.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
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