Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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5.2 Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen: Besonderheiten der Therapie von Tumorschmerzen

Autor/en: M. Kloke
Letzte Änderung: 25.01.2006

Tumorbedingte chronische Schmerzen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten von nicht tumorbedingten. Diese Besonderheiten zu beachten, ist eine Conditio sine qua non für Effektivität, geringe Toxizität und nachhaltige Wirksamkeit jeder Therapieform.

Symptomhäufung

Der Krebspatient leidet nicht nur unter Schmerzen, sondern unter einer Vielzahl weiterer Beschwerden, wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Atemnot, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Unruhe, Angst, Schwäche etc. Diese Symptome können durch die Gabe von Schmerzmitteln sowohl gebessert als auch verschlechtert werden. Wichtig ist hier die genaue Kenntnis des Gesamtbeschwerdebildes sowie der Wirkprofile der einzelnen Pharmaka, damit dann u.U. so genannte "Nebenwirkungen" gezielt als erwünschte Wirkungen eingesetzt werden können (Beispiele: antitussive, antidyspnoische und anitdiarrhoische Wirkung von Opioiden; anxiolytische, muskelrelaxierende, sedierende und antikonvulsive Wirkung von Benzodiazepinderivaten).

Dynamische Schmerzentwicklung und Komplexität der Schmerzen

Die Mehrzahl der Tumorpatienten haben an mehr als einer Körperstelle Schmerzen, häufig auch unterschiedlicher Pathogenese (nozizeptiv, neuropathisch, gemischt). Darüber hinaus ändern sich Intensität, Lokalisation und Art der Schmerzen oft rasch, in Abhängigkeit von Tumorwachstum und Erfolg spezifischer Therapien. So benötigen in der Terminalphase etwa je ein Drittel der Patienten mehr, gleich viel oder auch weniger Schmerzmittel. Ein Phänomen stellt die im Rahmen einer rasch erforderlich werdenden Dosiseskalation mit oder ohne Tumorprogress auftretende Hyperalgesie dar. Ein weiteres Kennzeichen von Tumorschmerzen ist ihre tageszeitlich gebundene Intensitätsschwankung: So sind bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzen (z.B. durch Knochenmetastasen) häufig tagsüber stärker, während lageabhängige Schmerzen (z.B. durch Infiltration von Nerven, Eingeweiden und Gefäßen) nachts am intensivsten sind. Diese Dynamik erfordert initial eine minimale standardisierte Schmerzerfassung und im Verlauf engmaschige Re-Evaluationen.

Medikamentenhäufung und Begleiterkrankungen

Zur Therapie einer Tumorerkrankung und zur Prophylaxe/Therapie möglicher Nebenwirkungen werden zahlreiche Medikamente verwandt. Darüber hinaus steigt die Inzidenz einer Tumorerkrankung mit dem Lebensalter, sodass bei Krebspatienten häufig noch weitere Begleiterkrankungen (Herz-, Kreislauf-, Stoffwechselerkrankungen) bestehen, die ebenfalls pharmakologisch therapiert werden. Mögliche Wechselwirkungen dieser Pharmaka mit Analgetika sind zu berücksichtigen.

Verschlechterung des Allgemeinzustandes und der Organfunktionen

Mit fortschreitender Erkrankung kommt es zu Funktionseinbußen von Leber und Niere. Diese beeinträchtigen Metabolisierung und Eliminierung der verwendeten Analgetika und erfordern Dosisanpassungen, gelegentlich auch einen Substanzwechsel. Gleiches gilt in besonderem Maße für die Verwendung von Ko-Analgetika.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
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