Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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5.1 Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen: Prävalenz und Pathophysiologie

Autor/en: M. Kloke
Letzte Änderung: 25.01.2006

Auch wenn aktuelle verlässliche Zahlen zur Prävalenz von Tumorschmerzen fehlen, so ist sicher, dass diese bei den "soliden" Tumorarten bei Diagnosestellung 50% und in fortgeschrittenen Stadien 80-90% beträgt. Für die Therapie von Tumorschmerzen ist Diagnose des vorliegenden Schmerztyps unverzichtbar. Bezogen auf die Pathophysiologie handelt es sich zu 60% um nozizeptive Schmerzen, bei denen die Schmerzursache in Knochen und Weichteilen (somatischer Schmerztyp) oder Eingeweiden (viszeraler Schmerztyp) liegt. Hier ist die Schmerzleitung intakt geblieben, erfolgt also physiologisch. Dieser Schmerz lässt sich i.d.R. gut durch Analgetika beherrschen.

Tierexperimentelle Untersuchungen wiesen jedoch darauf hin, dass der Schmerz infolge von Knochenmetastasen eine eigene Entität darstellt, die auch mit hyperalgetischen Zuständen verbunden sein kann. Dies korreliert mit der klinischen Beobachtung, dass Schmerzen infolge eines ossär metastasierten Prostata- oder Mammakarzinoms oft enorm hohe Opioiddosen erfordern und Zustände iatrogener Hyperalgesie nicht selten sind. Eine Schädigung oder Zerstörung von Nervengewebe (periphere Nerven, Nervenwurzeln, Myelon, Zentralnervensystem) führt zum neuropathischen Schmerz, der oft von neurologischen Reiz- (Dys- und Parästhesien, Hyperpathie und -algesie) und Ausfallsymptomen (An-/Hypästhesie, Paresen) begleitet wird. Für die Behandlung neuropathischer Schmerzen werden sowohl im Durchschnitt höhere Opioiddosen als auch ergänzende andere Substanzen, sog. Ko-Analgetika, benötigt. Dieser Schmerztyp liegt jedoch nur bei 10% der Patienten in reiner Form vor, während 30% unter gemischten Schmerzsyndromen leiden.

Schätzungen zur Häufigkeit therapie- oder diagnostikbedingter akuter oder auch protrahierter Schmerzen reichen von 10% bis 25%, wobei die Datenlage hier völlig unzureichend ist. Auch fehlen Untersuchungen, inwieweit diese Beschwerden im weiteren Erkrankungsverlauf Schmerzverarbeitung und -wahrnehmung beeinflussen, sie folglich mit dem Ziel der Prophylaxe von Chronifizierung und Sensibilisierung eine besonders effektive Analgesie erfordern.

Entsprechend der allgemeinen Prävalenz chronischer Schmerzen in der Bevölkerung leiden etwa 3% aller Tumorkranken unter Schmerzen, die unabhängig von der Tumorerkrankung sind (z.B. Migräne, somatoforme Schmerzstörung, chronische Rückenschmerzen).

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
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