Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


24 Osteoporose in der Onkologie: Definition und Diagnostik der tumorassoziierten Osteoporose

Autor/en: R. Bartl
Letzte Änderung: 25.01.2006

Die Belastbarkeit eines individuellen Knochens (und auch des gesamten Skeletts) hängt v.a. von seiner Masse, seiner Form und seiner Strukturqualität ab. Zahlreiche große Studien haben den Zusammenhang zwischen Knochendichte, Belastbarkeit und Frakturrisiko aufgezeigt. Die Knochendichte ist für 60-90% der Festigkeit des Knochens verantwortlich. Eine niedrige Knochenmasse erwies sich als wichtigster und unabhängiger prognostischer Faktor für das Frakturrisiko: Je niedriger die Knochenmasse, desto schwächer der Knochen, und desto leichter bricht der Knochen. Deshalb wurde die Osteoporose der postmenopausalen Frau von der WHO pragmatisch nach der Knochendichte definiert und beruht auf dem Vergleich der Messung der Knochendichte der Patientin mit der maximalen Knochendichte junger erwachsener Frauen: "Osteoporose liegt vor, wenn die Knochenmasse um mehr als 2,5 Standardabweichungen (SD) unter der gesunder prämenopausaler erwachsener Frauen liegt, der T-Score."

Es muss betont werden, dass es sich dabei um eine messtechnische Definition handelt, um frakturgefährdete Risikopatientinnen rechtzeitig einer effektiven Therapie zuzuführen und Frakturen zu vermeiden. Die klinische Definition der Osteoporose beinhaltet neben der Knochendichtemessung selbstverständlich auch noch die Befunde der körperlichen Untersuchung, eine Analyse der Risikofaktoren und ggf. weitere Laborwerte.

Für die Messung der Knochendichte und damit für die Bestimmung des T-Scores ist die DXA-Methode mit Messung an der Hüfte und/oder an der Lendenwirbelsäule als Standard weltweit und als Richtlinie von der DVO (Dachverband Osteologie) vorgeschrieben. Der "Cutoff-point" von 2,5 SD unter der maximalen Knochendichte beruht auf epidemiologischen Daten, gewonnen an einer Population postmenopausaler kaukasischer Frauen, wobei 50% dieser Frauen bereits eine osteoporoseassoziierte Fraktur erlitten hatten. Diese Kriterien der WHO waren nicht vorgesehen für gesunde prämenopausale Frauen, Frauen anderer Rassen, junge Männer oder Kinder. Trotzdem konnte gezeigt werden, dass bei allen Menschen die Knochenmasse den wichtigsten prognostischen Faktor für das Frakturrisiko darstellt. Gerade bei Tumorpatienten ist die Messung im axialen Skelett besonders wichtig. Die Definition der Osteoporose, erarbeitet an postmenopausalen Frauen, kann problemlos und mit der gleichen Frakturvoraussage auch auf alle Tumorpatienten, unabhängig von Alter und Geschlecht, übertragen werden. Bei Kindern ist bereits ein großes und repräsentatives Vergleichskollektiv für die DXA-Messung erstellt worden. Die DXA-Messung als "Goldstandard" kann in Einzelfällen zur weiteren Charakterisierung um eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Beurteilung des angrenzenden Knochenmarks ergänzt werden.

"Osteopenie" ist ein messtechnischer Begriff und stellt eine "Grauzone" (Borderline) zwischen normaler und "osteoporotischer" Knochendichte dar. Sie ist definiert als T-Score von -1,0 bis -2,5 SD.

Tumorpatienten mit Osteopenie und relevanten Risikofaktoren sollten früh mit effektiven Medikamenten behandelt werden, um osteoporoseassoziierte Frakturen sicher zu vermeiden.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"
Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag
[Mehr]