Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Optimale Schmerzkontrolle als Voraussetzung für eine moderne Tumortherapie

Autor/en: Dr. Uwe Junker, SANA Klinikum Remscheid
Letzte Änderung: 30.03.2006

Der Wunsch nach Schmerzfreiheit spielt für Tumorpatienten eine zentrale Rolle.
Allerdings impliziert die Diagnose "Krebs" neben Schmerzen für viele Menschen auch eine ganze Reihe psychosozialer Probleme, die sie nur bewältigen können, wenn die Schmerztherapie einerseits möglichst effektiv ist, andererseits nicht zu Nebenwirkungen führt, die die ohnehin oft begrenzten persönlichen Aktivitäten noch weiter einschränken. Wichtig ist also eine an den individuellen Tagesrhythmus angepasste "chronobiologische" Schmerztherapie.

Diese findet allerdings in Deutschland gegenwärtig nicht statt. So hoch wie nirgendwo sonst in der zivilisierten Welt ist in unserem Land der Anteil von transdermalem Fentanyl - 78 % der verordneten starken Opioide. Der bei Tag und Nacht konstante Plasmaspiegel dieser Applikationsform entspricht allerdings keinesfalls den tatsächlichen Bedürfnissen von Krebspatienten. Denn zahlreiche Studien belegen, dass diese ihren höchsten Opioidbedarf etwa in der Zeit von 10:00 bis 22:00 haben - also dem Zeitraum größter körperlicher Aktivität. Mithin sind "Pflaster-Patienten" nachts oft relativ überdosiert (sediert), insbesondere bei eingeschränkter Funktion der Eliminationsorgane Leber und Niere, benötigen dagegen aber tagsüber signifikant häufiger eine analgetische Bedarfsmedikation als Patienten unter Therapie mit einem modernen oralen Retardopioid wie z. B. Hydromorphon.

Auf Grund seiner vom Cytochrom P450-Enzymsystem unabhängigen Metabolisierung und geringen Plasmaeiweißbindung, die Gefahr von Interaktionen minimiert, sollten heute retardiertes und schnell wirkendes Hydromorphon als Opioide der ersten Wahl beim Tumorpatienten eingesetzt werden. Ist beispielsweise bei Knochenmetastasen eine stärkere antiphlogistische Komponente erforderlich, sollte vorzugsweise mit Cox-2-Hemmern kombiniert werden, bei neuropathischen Schmerzen, z. B. durch Einwachsen von Tumormasse in Nervengewebe, mit modernen Antiepileptika vom Typ des Pregabalin.

Krebsschmerz ist keine exakte schmerztherapeutisch relevante Diagnose. Erst die Differenzierung in tumorbedingten, - assoziierten oder therapiebedingten Schmerz führt zur richtigen Kombinationstherapie, die ein Retardopioid als Basisanalgetikum und / oder ein Nichtopioid bzw. Koanalgetikum einschließt. Invasive Therapieverfahren sind heute nur noch in Einzelfällen (z.B. Pankreaskarzinom oder nicht opioidsensitive Schmerzkomponente) notwendig, aber bei gesicherter Indikation für den einzelnen Patienten durchaus hilfreich und sollten dann auch konsequent eingesetzt werden.

Bei opioidnaiven Krebspatienten, denen in aller Regel eine Langzeittherapie mit Opioiden im mittleren oder hohen Dosisbereich bevorsteht, sollte heute auf schwache Opioide verzichtet werden und gleich mit solchen der WHO-Stufe III in niedriger Dosis begonnen werden. Bei diesem Patientenkollektiv birgt das starre Festhalten am Stufenschema der WHO aus dem Jahre 1986 die Gefahr, den richtigen Zeitpunkt des Therapiewechsels zu verpassen unter Inkaufnahme schwerwiegender Nebenwirkungen beispielsweise durch andauernde Gabe von Nichtopioidanalgetika in Maximaldosis. Hydromorphon in retardierter und schnell freisetzender Galenik ist nach heutigem Kenntnisstand das Opioid, das in idealer Weise die Anforderungen moderner Tumorschmerztherapie erfüllt.

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PDF-File Vortrag: Optimale Schmerzkontrolle als Voraussetzung für eine moderne Tumortherapie (4.8 MB)