Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Strahlenexposition bei Ibritumomab-Tiuxetan

Abstract | Bild-(Ton-)Präsentation siehe hier
Autor/en: Dr. Lilli Geworski, Klinik für Nuklearmedizin, Campus Charité Mitte, Universitätsmedizin Berlin
Letzte Änderung: 07.05.2004

Bei der Anwendung von 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan im Rahmen der Radioimmuntherapie sind für die Ermittlung der Strahlenexposition des Patienten, seiner Angehörigen und des medizinischen Personals die ß--Strahlung und daraus resultierende Bremsstrahlung relevant.

90Y ist ein reiner ß--Strahler mit einer maximalen Energie von 2280 keV (mittlere Energie 930 keV) und einer Halbwertszeit von 64,1 h. Die maximale Reichweite der Elektronen in Gewebe beträgt 11 mm, die mittlere Reichweite liegt bei 2,5 mm. 90 % der Elektronen werden innerhalb einer Kugel von 5,3 mm Radius absorbiert.

Die beim ß--Zerfall emittierten Elektronen werden in den Kernfeldern der Atome des Gewebes abgebremst. Die Energie, die das Elektron dabei verliert, wird in Form von Quantenstrahlung (Bremsstrahlung) abgegeben und ist proportional zum Quadrat der Ordnungszahl des Absorbers. Sie liegt bei dem leichtatomigen Material des menschlichen Gewebes bei wenigen keV. Die von uns am Patienten gemessenen Dosisleistungen (gemessen in 1 m Abstand sofort nach Injektion bis zu 1,2 GBq 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan) lagen unter 40 µSv/h. Diese Werte stimmen mit den Angaben aus der Literatur überein. Weiterhin sind im Schrifttum folgende Werte angegeben: bei den Angehörigen der Patienten lagen die effektiven Dosen innerhalb von 7 Tagen nach Applikation im Bereich von 14 bis 79 µSv und die gemessenen Werte für die Urinausscheidungen des Patienten betrugen im gleichen Zeitintervall ca. 85 MBq. Damit sind keine weitergehenden Strahlenschutzmaßnahmen für die Angehörigen des Patienten und das medizinische Personal (z.B. Stationsschwester, falls der Patient wegen der medizinischen Indikation stationär aufgenommen werden muss) über die sonst bei nuklearmedizinischen Untersuchungen angewendeten hinaus erforderlich. Der Umgang mit den kontaminierten körpereigenen Ausscheidungen sollte allerdings besonders sorgfältig erfolgen.

Um die Strahlenexposition zu reduzieren, muss eine Spritzen- bzw. Fläschchenabschirmung benutzt werden. Zu empfehlen sind Abschirmvorrichtungen aus Plastikmaterialien mit kleinen Ordnungs-zahlen. Die Strahlenexposition wird z.B. bei der Verwendung einer Spritzenabschirmung mit 5 mm PMMA um ca. den Faktor 300, mit 10 mm PMMA um ca. den Faktor 2500 reduziert. Bleiabschirmungen sind wegen der Entstehung von Bremsstrahlung höherer Energien im Blei, die wiederum eine dickere Abschirmung erforderlich machen würde, nicht zu empfehlen.

Bei der Therapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan mit Aktivitäten von 15 MBq/kg bis zu einer maximalen Gabe von 1,2 GBq ist aus der Sicht des Strahlenschutzes kein stationärer Aufenthalt erforderlich.

Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Coulot et al. J Nucl Med 2003; Abstract PS1169


  • Wagner HN Jr, Wiseman GA, Marcus CS, Nabi HA, Nagle CE, Fink-Bennett DM, Lamonica DM, Conti PS.
    Administration guidelines for radioimmunotherapy of non-Hodgkin's lymphoma with (90)Y-labeled anti-CD20 monoclonal antibody.
    J Nucl Med. 2002 Feb;43(2):267-72. PM:11850494
    [Medline]


  • Wiseman et al. Eur J Nucl Med 2000;28. Abstract PS479


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