Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Fallbeispiel: Ibritumomab-Tiuxetan beim follikulären Lymphom

Abstract | Bild-(Ton-)Präsentation siehe hier
Autor/en: Dr. Christoph von Schilling, III. Medizinische Klinik und Poliklinik der TU München, Klinikum rechts der Isar
Letzte Änderung: 07.05.2004

Die Anwendung von Ibritumomab-Tiuxetan beschränkt sich derzeit auf die Indikation "Behandlung von erwachsenen Patienten mit einem nach einer Behandlung mit Rituximab rezidivierenden oder refraktären CD20-positiven follikulären Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) vom B-Zell-Typ". Unter Berücksichtigung der nunmehr sehr breiten Anwendung von Rituximab ist in Zukunft häufig schon früh im Krankheitsverlauf mit dem Eintreten dieses Falles zu rechnen.

Ungeachtet der logistischen und erstattungstechnischen Fragen steht jetzt die sinnvolle Einordnung dieser Behandlungsoption im Vordergrund. Ansprechraten und -dauer sind, wenn Ibritumomab-Tiuxetan nicht erst sehr spät eingesetzt wird, eher günstiger als die in der gleichen Situation bisher eingesetzten Chemotherapieprotokolle. Die wichtigsten Einschränkungen zum Einsatz der Behandlung sind eine sich erschöpfende Knochenmarkreserve (Thrombozyten <100/nl, ausgedehnte Vorbehandlung inkl. Bestrahlung von hämatopoetisch aktiven Skelettabschnitten) und eine ausgeprägte Knochenmarkinfiltration. Daneben muss als wahrscheinlich angesehen werden, dass Patienten mit rascher Progression oder mehr als 3 systemischen Vortherapien mit geringerer Wahrscheinlichkeit ein Ansprechen erzielen werden.

Ansonsten zeichnet sich Ibritumomab-Tiuxetan durch seinen günstigen therapeutischen Index aus, also hinsichtlich der Relation zwischen Aufwand für den Patienten und Toxizität einerseits, und Ansprechraten/ -dauer andererseits. Insbesondere für Patienten, für die die Risiken und der Aufwand einer sich über mehrere Zyklen erstreckenden myelosuppressiven Therapie inakzeptabel sind, bietet sich hier eine Behandlungsoption, die sich in jeder Hinsicht von einer Standard-Chemoimmuntherapie im Rezidiv positiv unterscheidet.

Dies zeigt der im Vortrag vorgestellte Fall eines 81-jährigen Patienten mit Rezidiv eines follikulären Lymphoms 30 Monate nach Primärmanifestation und Behandlung mit Rituximab-haltiger Chemo-immuntherapie. Hier kam aufgrund der Komorbidität (Alzheimer-Demenz vom Spättyp) und des Verdachtes auf eine hochmaligne Transformation keine andere Behandlungsmöglichkeit in Betracht. Die Behandlung wurde ohne subjektive Nebenwirkungen toleriert, in der FDG-PET-Kontrolle nach 4 Wochen fand sich kein stoffwechselaktives Lymphomgewebe mehr. Die erreichte Vollremission dauert bis dato an. Der Thrombozyten-Nadir wurde nach 6 Wochen erreicht und betrug 128.000/µl, der ANC betrug minimal (5 Wochen nach Therapie) 2.200/µl.

Bei Patienten, die eine Vollremission erreichen, beträgt das mediane progressionsfreie Intervall >2 Jahre. Bei den anderen Patienten zeichnet sich die Möglichkeit ab, das Behandlungsergebnis durch eine Erhaltungstherapie mit Rituximab für längere Dauer abzusichern.

Wie auch bei Rituximab ist für Ibritumomab-Tiuxetan zu erwarten, dass mittels kontrollierter prospektiver Studien weitere Indikationen erarbeitet werden können. Dies betrifft insbesondere den Einsatz bei anderen histologischen Subtypen CD20-positiver Non-Hodgkin-Lymphome, die Anwendung als Konsolidierungstherapie nach Chemo(immun)therapie und die Integration in kurativ intentionierte, myeloablative Konzepte.

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