Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Radioimmuntherapie: Rationale und klinische Applikation

Abstract | Bild-(Ton-)Präsentation siehe hier
Autor/en: Prof. Dr. Lorenz Trümper, Abt. Hämatologie und Onkologie, Zentrum Innere Medizin, Georg-August-Universität Göttingen
Letzte Änderung: 07.05.2004

Maligne Lymphome sind klonale Proliferationen lymphatischer Zellen, die auf verschiedenen Reifungsstufen entarten können. Lymphomzellen sind immunologisch, genetisch und morphologisch eng mit ihren "gesunden" Partnerzellen verwandt. Histologisch erfolgt ihre Klassifikation nach der im Jahr 2000 erschienenen neuen Klassifikation der WHO. Klinisch werden langsam wachsende, so genannte indolente, von rasch wachsenden aggressiven Lymphomen unterschieden. Die Histologie, Prognose und der Allgemeinzustand des Patienten bestimmen die heutzutage differenzierte Therapie. Da Lymphome strahlen- und chemotherapiesensibel sind, werden bei den meisten Lymphomen diese Therapieformen eingesetzt. In den letzten Jahren sind monoklonale Antikörper, die gegen das Oberflächenantigen der Lymphome gerichtet sind, mit großem Erfolg in die Behandlung dieser Erkrankungen eingeführt worden. Sowohl bei indolenten wie bei aggressiven Lymphomen konnten durch diese Antikörper bedeutsame Verbesserungen der Heilungsraten erzielt werden. Antikörper "docken" an der Oberfläche der Lymphomzellen an und aktivieren das körpereigene Immunsystem gegen diese Zellen.

Antikörper werden bei der Radioimmuntherapie als Träger benutzt, die radioaktive Nuklide an die Lymphomzellen bringen und diese durch die örtlich eingesetzte Strahlung vernichten. Mit dieser Therapie können die Vorteile der Immun- mit denen der Strahlentherapie kombiniert werden. Durch die hochspezifische Applikation der Strahlung unter größtmöglicher Schonung gesunder Gewebe können durch die Radioimmuntherapie sonst nicht erreichbare Strahlendosen direkt am Tumor eingesetzt werden. Derzeit werden der Beta/Gammastrahler Jod-131 und der reine Betastrahler Yttrium-90, gekoppelt an einen B-Zell-Antikörper, in der Radioimmuntherapie eingesetzt. Mit dem durch den Chelator Tiuxetan mit Yttrium-90 gekoppelten B-Zell-Antikörper Ibritumomab steht seit April 2004 in Deutschland erstmals ein kommerziell erhältliches Radioimmuntherapiepräparat (Ibritumomab-Tiuxetan) zur Verfügung. Der Vorteil der langen Reichweite im Tumor, verbunden mit reiner Beta-Strahlung - also keiner externen Strahlung wie bei Gamma-Strahlern - wird die klinische Anwendung dieses Präparates zur Therapie von Patienten mit B-Zell-Lymphomen wesentlich erleichtern.

Klinische Studien in den USA haben gezeigt, dass dieses Präparat auch nach Versagen der Chemotherapie oder auch der Immuntherapie mit humanisierten Antikörpern noch Remissionen erzielen kann. In der Kombination mit hochdosierter Chemotherapie und einer Stammzelltrans-plantation sind Heilungen, auch bei refraktären Lymphomen, möglich. Studien, die in Deutschland bereits durchgeführt oder geplant werden, werden den genauen Stellenwert dieses Präparates in der Lymphomtherapie erkennen lassen.

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