Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Vergleichbare Ergebnisse bei Fremdspender- und bei Familienspender-Transplantation hämatopoetischer Stammzellen als Erstlinientherapie für die idiopathische aplastische Anämie in Kindheit und Adoleszenz: Eine kohortenkontrollierte Studie im Namen der Britischen Pädiatrie-Arbeitsgruppe Knochenmarktransplantation, der Arbeitsgruppe pädiatrische Erkrankungen und der Arbeitsgruppe Schwere Aplastische Anämie der EBMT

Titel des Originals:

Similar Outcome of Upfront Unrelated and Matched Sibling Donor Hematopoietic Stem Cell Transplantation in Idiopathic Aplastic Anaemia of Childhood and Adolescence: A Cohort Controlled Study on Behalf of the UK Paediatric BMT WP, of the PD WP and of the SAA WP of the EBMT

Abstract-Nr.:

256

Jahr:

2014

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2014 124: Abstract 256

Autor/en:

Carlo Dufour, MD1, Marta Pillon, MD2*, Elisa Carraro, PHD3*, Neha Bhatnagar4*, Rob Wynn5*, Brenda Gibson6, Ajay J Vora7, Colin G Steward, MD, PhD8, Anna Maria Ewins, MD9*, Rachael E Hough, MD10*, Josu de la Fuente, PhD, FRCP, MRCPCH, FRCPath11, Mark Velangi12*, Paul Veys, FRCP, FRCPath13*, Persis J Amrolia14*, Roderick Skinner, PhD, MBChB, FRCPCH15*, Andrea Bacigalupo, MD16, Antonio M. Risitano, MD, PhD17, Gerard Socie, MD, PhD18, Regis Peffault de Latour, MD, PhD19,20*, Jakob Passweg, MD21, Alicia Rovo22, André Tichelli, MD23, Hubert Schrezenmeier, MD24,25, Britta Hochsmann, MD26*, Peter Bader27, Anja van Biezen28*, Judith C Marsh, MD29, Mahmoud D. Aljurf, MD30 and Sujiith Samarasinghe, MD31*

Institution/en:

1Pediatric Hematology, Giannina Gaslini Children's Hospital, Genova, Italy; 2Pediatric Hematology and Oncology, University of Padova, Padova, Italy; 3University of Padova, Padova, Italy; 4Centre for Haematology, Imperial College London, London, United Kingdom; 5Blood and Marrow Transplant Unit, Royal Manchester Children’s Hospital,, Manchester,, United Kingdom; 6Dept of Paediatric Haematology, Royal Hospital for Sick Children, Glasgow, United Kingdom; 7Dept. of Pediatric Hematology, The Children's Hospital, Sheffield, United Kingdom; 8BMT Unit, Royal Hospital for Children, Bristol, United Kingdom; 9Department of Paediatric Haematology, Royal Hospital for Sick Children, Yorkhill,, Glasgow, United Kingdom; 10University College London Hospital, London, United Kingdom; 11Division of Paediatrics, Imperial College Healthcare NHS Trust, London, United Kingdom; 12Birmingham Childrens Hospital, Birmingham, United Kingdom; 13Department of Bone Marrow Transplantation, Great Ormond Street Hospital, London,, United Kingdom; 14Bone Marrow Transplantation Department, Great Ormond Street Hospital, London, United Kingdom; 15Department of Paediatric and Adolescent Oncology and BMT, Great North Children’s Hospital,, Northern Institute for Cancer Research, Newcastle upon Tyne, United Kingdom; 16Hematology and Oncology Department, IRCCS A.O.U. San Martino Hospital, IST, Genoa, Italy; 17Hematology, Federico II, Naples, Italy; 18Hôpital Saint-Louis, Paris, France; 19Hematology - Bone Marrow Transplantation, Saint-Louis Hospital, Paris, France; 20Hematology-Bone Marrow Transplantation, Saint-Louis Hospital, Paris, France; 21Stem Cell Transplant Team, Division of Hematology, University Hospital Basel, Basel, Switzerland; 22Hematology, University Hospital of Basel, Basel, Switzerland; 23University Hospital of Basel, Basel, Switzerland; 24Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm, DRK Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen, gGmbH und Institut für Transfusionsmedizin, Universität Ulm, Ulm, Germany; 25Institute of Transfusion Medicine, University of Ulm, Ulm, Germany; 26university of ilm, Institut for Clinical Transfusion Medicine and Immungenetics, and Department of Transfusion Medicine, ulm, Germany; 27Division for Stem Cell Transplantation and Immunology, Hospital for Children and Adolescents, University Hospital Frankfurt, Goethe University, Frankfurt am Main, Germany; 28EBMT Data Office, University Medical Centre, Leiden, Leiden, Netherlands; 29Department of Haematological Medicine, King's College Hospital, NHS Foundation Trust, London, United Kingdom; 30Adult Hematology/HSCT Oncology Center, King Faisal Specialist Hospital and Research Centre, Riyadh, Saudi Arabia; 31Department of Haematology/Bone Marrow Transplantation, Great Ormond Street Hospital,, London,, United Kingdom

Zusammenfassung des Berichts

Die vorliegende Studie zeigt erstmals, dass die Familien- und allogene Fremdspender-Transplantation bei Patienten mit schwerer aplastischer Anämie hinsichtlich ereignisfreien und Gesamtüberlebens keine signifikanten Unterschiede ergibt.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Bei vor allem jüngeren Patienten mit schwerer aplastischer Anämie ist es nach der größeren Studie aus Seattle heute Standard, vor Einleitung der Erstlinientherapie nach einem passenden Familienspender für die allogene Transplantation zu suchen. Liegt ein solcher Familienspender nicht vor, wird in der Erstlinie eine immunsuppressive Therapie bestehend aus Anti-Thymozytenglobulin vom Pferd in Kombination mit Cyclosporin eingesetzt. Da bei dieser immunsuppressiven Therapie Rezidive oder gar Therapierefrakterität keine Seltenheit sind, ist es vor allem für Patienten im Kindes- und Adoleszentenalter von Interesse, bei fehlendem Familienspender für den einzelnen Patienten aus Gründen der persönlichen Lebensqualität zu testen, ob auch die fremdallogene Transplantation vergleichbar gute Ergebnisse mit sich bringt.

Fragestellung der Studie

Bei dieser Studie werden zwei Kohorten, bei denen familien-allogen bzw. fremd-allogen transplantiert worden ist, miteinander verglichen. Die Endpunkte dieser Studie waren ereignisfreies Überleben sowie Gesamtüberleben nach 2 Jahren.

Art der Studie

Alters- und geschlechtsgematchte kohortenkontrollierte klinische Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

29 auf einander folgende Patienten wurden in 9 britischen Transplantationszentren als Erstlinientherapie ohne vorangegangene Immunsuppression fremdallogen transplantiert. Bei 24 Patienten war ein 10/10 passender Fremspender (MUD) hinsichtlich HLA-A/B/C, HLA-DR und DQ verfügbar. 5 Patienten erhielten ein Einzelantigen/Allel-Mismatch(MMUD)-Transplantat.
Die Konditionierung wurde mittels Fludarabin, Cyclosphosphamid und Alemtuzumab durchgeführt. Für die MMUD-Empfänger wurde eine niedrig dosierte Ganzkörperbestrahlung mit 3 GY hinzugefügt. Die Graft-versus-Host-Disease(GvHD)-Prophylaxe bestand aus Cyclosporin und Mycophenolat Mofetil.

Zu jedem der 29 Patienten wurden aus dem gleichen Zeitraum aus der SAA-WP-Datenbank der EBMT jeweils 3 Patienten verglichen, die eine familien-allogene Transplantation (MSD) erhalten hatten. Definierte Ereignisse waren Tod, Krankheitsrezidiv, zweite allogene Transplantation, klinische PNH oder maligne Posttransplantations-Erkrankungen.
Die 87 Patienten aus der EBMT-Datenbank wurden im Verhältnis 1:3 gematcht hinsichtlich Alter, Geschlecht, Zeit seit der Diagnosestellung sowie der Quelle der Stammzellen (Knochenmark oder periphere Stammzellen).

Ergebnisse, Toxizität

In der MUD/MMUD-Kohorte waren 12 männliche (41%) und 17 weibliche (48%) Patienten. Das mittlere Alter betrug 8,46 (1,73 bis 19,11) Jahre. 72% der Patienten waren unter, 28% über 12 Lebensjahre. Die mittlere Zeit von der Diagnosestellung bis zur Transplantation betrug 0,39 (0,19 bis 1,35) Jahre. 72% der Patienten erhielten Knochenmark, 28% periphere Stammzellen. Die Zeit der mittleren Nachverfolgung betrug 1,7 (0,19 bis 8,49) Jahre.

Die mittlere Zeit bis zur Regeneration der Neutrophilen (>0,5 Gpt/l) war 19 (10 bis 40) Tage. Die kumulative Inzidenz der akuten GvHD Grad II bis IV innerhalb von 100 Tagen betrug 10 ± 6%, wobei dabei nur ein Fall einer akuten GvHD Grad III erfasst wurde. Die kumulative Inzidenz der chronischen GvHD innerhalb des ersten Jahres nach Transplantation war 19 ± 8%. Dabei traten 4 Fälle in der MUD- und ein Fall in der MMUD-Gruppe auf. Alle Fälle der chronischen GvHD waren auf die Haut begrenzt.
Es sind nur 2 Ereignisse in der MUD/MMUD-Kohorte aufgetreten. Bei einem der beiden Fälle kam es zu einem primären Transplantatversagen. Dieser Patient konnte mittlerweile erfolgreich ein zweites Mal transplantiert werden. Beim zweiten Ereignis kam es zum Tod durch idiopathische Pneumonie. Keine weiteren Ereignisse sind aufgetreten. Die übrigen 27 Patienten befinden sich bei der letzten Untersuchung in kompletter Remission.

Im Vergleich zur Kohorte, die im Register der EBMT familien-allogen transplantiert wurde, ergaben sich hinsichtlich der Zeit bis zur Neutrophilenregeneration in der MUD/MMUD-Kohorte 0,39 (0,19 bis 1,35) Jahre. Das Gesamtüberleben nach 2 Jahren betrug 96 ± 3% in der MUD/MMUD-Kohorte, dagegen 91 ± 4% in der MSD-Kohorte (p=0,30). Das ereignisfreie Überleben nach 2 Jahren betrug 92 ± 5% in der MUD/MMUD-, dagegen 87 ± 4% in der MSD-Kohorte (p=0,37). Die kumulative Inzidenz der Abstoßung betrugt in der MUD/MMUD-Kohorte 4 ± 4%, in der MSD-Kohorte 1 ± 1% (p=0,48).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Diese Studie zeigt als erste Studie, dass die Ergebnisse hinsichtlich ereignisfreien und Gesamtüberlebens bei Patienten mit schwerer aplastischer Anämie im Kindes- und Jugendalter hinsichtlich familien-allogener und fremd-allogener Transplantation gleich sind. Die Autoren ziehen den vorsichtigen Schluss, dass selbst bei fehlendem Familienspender und verfügbarem passenden Fremdspender im Kindes- und Jugendalter diese allogene Transplantation durchgeführt werden kann.

Kommentar / Beurteilung

Die vorliegenden Daten zeigen eine Gleichwertigkeit der allogenen Transplantation vom Familien- bzw. Fremdspender für Patienten mit schwerer aplastischer Anämie. Wichtig ist jedoch zu sehen, dass es sich bei dieser klinischen Studie aufgrund der unterschiedlichen Verfügbarkeiten nicht um eine randomisierte Phase-III-Studie handeln kann. Ebenso ist zu beachten, dass die hier erhobenen Daten nicht einfach auf die Erwachsenen übertragen werden können. Dennoch kann es sich hierbei um Daten handeln, die die Planung der Erstlinientherapie bei Patienten mit schwerer aplastischer Anämie nachhaltig ändern könnten.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Medizinische Klinik II, Elblandklinikum Riesa, Weinbergstraße 8, 01589 Riesa

Letzte Änderung:

02.01.2015