Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Die Auswirkungen der Qualität des Ansprechens auf das Überleben bei neu diagnostizierten Patienten mit multiplem Myelom, die für eine Transplantation nicht geeignet sind: Ergebnisse der FIRST-Studie

Titel des Originals:

Impact of Response Quality on Survival Outcomes in Transplant-Ineligible Newly Diagnosed Multiple Myeloma (NDMM) Patients (Pts): Results from the First Trial.

Abstract-Nr.:

3458

Jahr:

2014

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2014 124: Abstract 3458

Autor/en:

Nizar J Bahlis, MD1, Alessandro Corso2*, Lars-Olof Mugge3*, Zhi-Xiang Shen4*, Pierre Desjardins5, Anne-Marie Stoppa, MD6, Olivier Decaux7*, Thierry De Revel8, Miquel Granell9*, Gerald Marit10*, Hareth Nahi11*, Hilde Demuynck12, Shang-Yi Huang13*, Supratik Basu14, Troy H. Guthrie15*, Annette Ervin-Haynes16, Nicolas Leupin16, Jennifer Marek16*, Guang Chen16* and Thierry Facon17

Institution/en:

1Tom Baker Cancer Center - University of Calgary, Calgary, AB, Canada; 2Hematology, Fondazione IRCCS Policlinico San Matteo, Pavia, Italy; 3Universitätsklinikum Jena Klinik für Innere Medizin II - Hämatologie / Onkologie, Jena, Germany; 4Shanghai Ruijin Hospital, Shanghai, China; 5Hôpital Charles LeMoyne, Quebec, Canada; 6Hematology, Institut Paoli Calmettes, Marseille, France; 7Hematology, CHU Rennes, Rennes, France; 8Department of Hematology, Military Medical Centre Percy, Clamart, France; 9Hospital de la Santa Creu i Sant Pau, Barcelona, Spain, Barcelona, Spain; 10Service d'Hématologie et de Thérapie Cellulaire, University Hospital of Bordeaux, Pessac, France; 11Karolinska Institutet/Karolinska University Hospital Huddinge, Stockholm, Sweden; 12H. Hart Ziekenhuis Roeselare-Menen vzw campus Wilgenstraat, Roeselare, Belgium; 13Division of Hematology, Department of Internal Medicine, National Taiwan University Hospital, College of Medicine, National Taiwan University, Taipei, Taiwan; 14New Cross Hospital, Wolverhampton, United Kingdom; 15Baptist Cancer Inst., Jacksonville, FL; 16Celgene Corporation, Summit, NJ; 17Service des Maladies du Sang, Hopital Claude Huriez, Lille, France

Zusammenfassung des Berichts

Diese Studie zeigte, dass eine Fortsetzung der Behandlung mit Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason nach dem besten Ansprechen auf die Therapie zu einer besseren Krankheitskontrolle und längerem progressionsfreien Überleben führt, wobei der Vorteil mit der Qualität des Ansprechens korreliert. Somit war der Vorteil bei Patienten mit kompletter Remission am größten.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Nachdem zwei Behandlungsphilosophien, nämlich risikoadaptierte Behandlung versus bestmögliche Behandlung aller Patienten unabhängig vom individuellen Risiko, diskutiert werden, stellt sich die Frage, welche Patienten von einer erfolgreichen Behandlung am meisten profitieren.

Fragestellung der Studie

In dieser Studie wird untersucht, ob und falls ja inwieweit der Behandlungserfolg mit der Qualität des Ansprechens im Zusammenhang steht.

Art der Studie

Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Die Patienten wurden in 3 Arme randomisiert, in einen Arm mit kontinuierlichem Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason, eine Gruppe, die Lenalidomid mit niedrig dosiertem Dexamethason über 18 Zyklen (72 Wochen) erhielt und eine Gruppe, die mit Melphalan-Prednison-Thalidomid über 12 Zyklen (72 Wochen) behandelt wurde. Der primäre Endpunkt war der Vergleich des progressionsfreien Überlebens zwischen kontinuierlichem Lenalidomid mit niedrig dosiertem Dexamethason und Melphalan-Prednison-Thalidomid. Die sekundären Endpunkte betrafen: Gesamtüberleben, Ansprechrate, Zeit bis zum Ansprechen, Dauer des Ansprechens, Zeit bis zum Versagen der Therapie, Zeit bis zur nächsten Anti-Myelom-Behandlung, die Lebensqualität und die Toxizität. Die Dauer der Nachbeobachtung zum Zeitpunkt der Analyse betrug im Median 37,0 Monate.

Ergebnisse, Toxizität

Die kontinuierliche Behandlung mit Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason führte im Vergleich zu einer zeitlich begrenzten Therapie (72 Wochen) mit Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason und mit Melphalan-Prednison-Thalidomid zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens. Der größte Vorteil der kontinuierlichen Behandlung wurde bei Patienten mit dem besten Therapieansprechen beobachtet. Mit zunehmender Abnahme der Tiefe des Ansprechens kam es zu einer zunehmenden Reduktion des Vorteils einer kontinuierlichen Behandlung. Detaillierte Ergebnisse sind in Tabelle 1 des Abstracts angeführt. Melphalan-Prednison-Thalidomid führte zu mehr Neutropenien Grad 3 und kontinuierliches Lenalidomid mit niedrig dosiertem Dexamethason zu etwas mehr (alle Grade) Infektionen und einer erhöhten Rate an Glaukom.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Ergebnisse zeigen eine klare Korrelation zwischen Ansprechtiefe und Nutzen einer prolongierten Therapie mit Lenalidomid mit niedrig dosiertem Dexamethason und falsifizieren somit das M-Smart-Konzept, welches eine risikoadaptierte Behandlung empfiehlt. Im Gegensatz zu dieser Empfehlung sollten gerade Patienten mit günstiger Prognose, wie die Daten der FIRST-Studie zeigen, intensiv behandelt werden, da sie am meisten von einer derartigen Therapiestrategie profitieren.

Kommentar / Beurteilung

Mit diesen Ergebnissen wird das Konzept der risikoadaptierten Therapie (mit den derzeit verfügbaren Substanzen) beim multiplen Myelom falsifiziert, da der größte Nutzen einer kontinuierlichen Therapie mit Lenalidomid-Dexamethason bei Patienten mit gutem Ansprechen und günstiger Prognose erzielt wird.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. Heinz Ludwig

Institution:

Wilhelminen Krebsforschungsinstitut, c/o 1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin, Wilhelminenspital, Montleartstraße 37, 1160 Wien, Österreich

Letzte Änderung:

12.02.2015