Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Vergleich der Effizienz einer autologen Doppel-Transplantation mit konventioneller Lenalidomid-basierter Chemotherapie bei neu diagnostizierten Patienten mit multiplen Myelom: Ergebnisse einer Analyse von zwei Phase-III-Studien

Titel des Originals:

Impact of Autologous Transplantation Vs. Chemotherapy Plus Lenalidomide in Newly Diagnosed Myeloma According to Patient Prognosis: Results of a Pooled Analysis of 2 Phase III Trials.

Abstract-Nr.:

198

Jahr:

2014

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2014 124: Abstract 198

Autor/en:

Francesca Gay, MD1, Chiara Cerrato, MD1*, Roman Hajek2, Francesco Di Raimondo, MD3, Tommaso Caravita, MD3*, Antonietta Pia Falcone, MD3*, Francesca Patriarca, MD3*, Stefano Pulini3*, Paola Finsinger, MD3*, Giovannino Ciccone4*, Paolo Corradini, MD3, Agostina Siniscalchi, MD3*, Francesca Donato1*, Dina Ben Yehuda5*, Massimo Offidani, MD3, Jiri Minarik, MD, PhD6, Roberto Ria, MD3*, Federica Cavallo, MD1*, Lucio Catalano, MD3*, Maide Cavalli, MD3*, Ludek Pour, Doc, MD, PhD7*, Maria Teresa Petrucci, MD3, Izhar Hardan, MD8*, Mario Boccadoro, MD1, Andrew Spencer, MD9 and Antonio Palumbo, MD1

Institution/en:

1Myeloma Unit, Division of Hematology, University of Torino, Torino, Italy; 2Dept. of Hematooncology, University Hospital Ostrava and Faculty of Medicine, University of Ostrava, Ostrava, Czech Republic; 3Italian Multiple Myeloma Network, GIMEMA, Italy; 4Unit of Clinical Epidemiology, A.O.U. Città della Salute e della Scienza di Torino, Torino, Italy; 5Hadassah Medical Center, Jerusalem, Israel; 6Department of Hematooncology, University Hospital and Palacky University Olomouc, Olomouc, Czech Republic; 7Department of Internal Medicine, Hematology and Oncology, University Hospital Brno, Brno, Czech Republic; 8Hematology Division, Meir Medical Center, Kfar-Saba, Israel; 9Alfred Health-Monash University, Melbourne, Australia

Zusammenfassung des Berichts

Eine Tandem-Transplantation mit Melphalan 200 mg/m2 führte im Vergleich zu einer Lenalidomid-basierten konventionellen Chemotherapie zu einer signifikanten Verbesserung der 4-Jahres-Rate an progressionsfreiem und Gesamtüberleben. Patienten mit günstigen Risikofaktoren sowie jenen, die nach Induktionstherapie eine sehr gute partielle Remission oder ein besseres Ansprechen erzielten, profitierten am meisten von der aggressiven Therapie, während bei den Hochrisiko-Patienten kein signifikanter Vorteil zu beobachten war.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Nachdem die modernen Medikamente beim multiplen Myelom über beträchtliche Wirksamkeit verfügen, stellt sich zunehmend die Frage, ob die autologe Transplantation durch neue Medikamentenkombinationen abgelöst werden kann.

Fragestellung der Studie

Es wurde das progressionsfreie und das Gesamtüberleben unter autologer Tandem-Transplantation mit den Ergebnissen, die mit konventioneller Lenalidomid-basierter Therapie erzielt wurden, verglichen. Studienendpunkte waren progressionsfreies und Gesamtüberleben sowie die Ansprechrate.

Art der Studie

Analyse zweier randomisierten, multizentrischen Phase-III-Studien

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten, die in zwei multizentrischen randomisierten Phase-III-Studien behandelt wurden, erhielten eine Lenalidomid/Dexamethason-Induktionstherapie über 4 Zyklen sowie eine Stammzellmobilisierung und Stammzellsammlung. Danach wurden die Patienten in eine Gruppe mit Doppeltransplantation (200 mg/m2 Melphalan) oder in eine Gruppe mit konventioneller Chemotherapie randomisiert.

Als konventionelle Chemotherapie wurde in der ersten Studie Melphalan/Prednison/Lenalidomid und in der zweiten Studie Cyclophosphamid/Dexamethason/Lenalidomid verabreicht.

Die Überlebensdaten wurden mit Hilfe des Log-Rank-Testes verglichen. Patienten wurden anhand folgender Risikofaktoren stratifiziert: Karnofsky-Performance-Status (60-70% oder 80-100%), Internationales Staging System (I, II oder III), zytogenetisches Profil (del17 oder t(4;14) oder t(14;16) und Ansprechen auf die Induktionstherapie (≥ sehr gute partielle Remission).

Ergebnisse, Toxizität

791 Patienten wurden in beide Studien eingeschlossen.
Nach Verabreichung der Konsolidierungstherapie konnten insgesamt 529 Patienten, davon 268 in den Tandem-Transplantationsarm und 261 Patienten in dem Arm mit konventioneller Lenalidomid-basierter Chemotherapie randomisiert werden. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 4 Jahre.

Die Tandem-Transplantation führte zu einem signifikant längerem progressionsfreien Überleben (Median 42 vs. 24 Monate; p<0,001) und einer Gesamtberlebensrate nach 4 Jahren (83% vs. 68%, p=0,012) im Vergleich zur konventionellen Lenalidomid-basierten Chemotherapie.

Die Tandem-Transplantation führte in allen prognostischen Subgruppen zu einer Verbesserung des progressionsfreien Überlebens, während die 4-Jahres-Überlebensrate nur bei Patienten mit günstigen Prognosefaktoren signifikant verbessert wurde (85% vs. 73%; p=0,013). Subgruppen Ergebnisse: ISS-Stadium I 89% vs. 77% (p=0,027); keine del17, t (4; 14) und/oder t(14;16) 87% vs. 78% (p=0,040); gutes Ergebnis nach Induktionstherapie (sehr gute partielle Remission oder besser) 84% vs. 65% (p=0,039).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Eine Tandem-Transplantation mit Melphalan 200 mg führt unabhängig von Risikofaktoren zu einer signifikanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens, während eine signifikante Erhöhung der 4-Jahres-Überlenbensrate nur bei Patienten mit günstigen Prognosefaktoren beobachtet wurde. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass gerade für Hochrisiko-Patienten neue Therapiestrategien benötigt werden.

Kommentar / Beurteilung

Diese Analyse zeigt eine klare Überlegenheit einer Doppeltransplantation gegenüber einer suboptimalen konventionellen Chemotherapie (gefolgt von einer Transplantation im Rezidiv) auf.
Die Ergebnisse zweier weiteren Studien, die die gleiche Frage adressieren, aber sowohl IMiDs als auch Proteasom-Inhibitoren im konventionellen Chemotherapie-Arm einsetzen, werden mit Interesse erwartet.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. Heinz Ludwig

Institution:

Wilhelminen Krebsforschungsinstitut, c/o 1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin, Wilhelminenspital, Montleartstraße 37, 1160 Wien, Österreich

Letzte Änderung:

12.02.2015