Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason (VTD) ist der Kombination Bortezomib-Cyclophosphamid-Dexamethason (VCD) als Induktionstherapie für neu diagnostizierte Patienten mit multiplem Myelom, die für eine Transplantation geeignet sind, signifikant überlegen

Titel des Originals:

Superior Efficacy of VTD over VCD As Induction Therapy for Autotransplantation-Eligible, Newly Diagnosed, Myeloma Patients.

Abstract-Nr.:

197

Jahr:

2014

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2014 124: Abstract 197

Autor/en:

Michele Cavo, MD1, Lucia Pantani, MD1*, Annalisa Pezzi, Statistician1*, Federica Cavallo, MD2*, Maria Teresa Petrucci, MD3, Francesco Di Raimondo, MD4, Francesca Patriarca, MD5*, Anders Waage, MD, PhD6, Elena Zamagni, MD1*, Vittorio Montefusco, MD7*, Monica Galli, MD8*, Barbara Gamberi, MD9*, Giuseppe Rossi, MD10, Paola Tacchetti, MD1*, Mariella Grasso, MD11*, Sonja Zweegman, MD PhD12, Massimo Offidani, MD13, Stelvio Ballanti, MD14*, Renato Zambello, MD15*, Anna Marina Liberati16, Renato Bassan, MD17*, Patrizia Pregno, MD18*, Antonio Palumbo, MD19 and Pieter Sonneveld, MD20

Institution/en:

1Seràgnoli Institute of Hematology, Bologna University School of Medicine, Bologna, Italy ; 2Myeloma Unit, Division of Hematology, University of Torino, Torino, Italy; 3Azienda Policlinico Umberto I, University La Sapienza, Roma, Italy; 4Department of Clinical and Molecular Bio-Medicine, University of Catania, Catania, Italy; 5Hematology and Bone Marrow Transplant Unit, Udine, Italy; 6Department of Hematology, St. Olavs Hospital, Trondheim, Norway; 7Hematology-Bone Marrow transplantation, Fondazione IRCCS Istituto Nazionale dei Tumori, Milano, Italy; 8Hematology, Papa Giovanni XXIII Hospital, Bergamo, Italy; 9Arcispedale S. Maria Nuova, Hematology, Reggio Emilia, Italy; 10Hematology Department, CREA Laboratory, AO Spedali Civili, Brescia, Italy; 11Department of Hematology and Bone Marrow Transplantation, Azienda Ospedaliera Santa Croce e Carle, Cuneo, Italy; 12Dept. of Hematology, VUMC, Amsterdam, Netherlands; 13Hematology, Ospedali Riuniti di Ancona, Ancona, Italy; 14Sezione di Ematologia e Immunologia Clinica, Ospedale Silvestrini S. Maria della Misericordia, Perugia, Perugia, Italy; 15Department of Medicine, Hematology and Clinical Immunology section, Padua University School of Medicine, Padua, Italy; 16S.C. Oncoematologia con Autotrapianto, A.O. S.Maria di Terni, Terni, Italy; 17Hematology, Ospedale dell'Angelo, Mestre-Venezia, Italy; 18Hematology 2, San Giovanni Battista Hospital and University, Turin, Italy; 19University of Torino, Azienda Ospedaliero-Universitaria (AOU) S. Giovanni Battista Torino, Torino, Italy; 20Dept. of Hematology, Erasmus MC, Rotterdam, Netherlands

Zusammenfassung des Berichts

Die Induktionstherapie mit VTD führt im Vergleich mit VCD zu signifikant höheren Raten an kompletten und sehr guten partiellen oder besseren Remissionen bei vergleichbarer Toleranz.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Induktionstherapien, die einen Proteasom-Inhibitor beinhalten, zählen heute zur Standardtherapie für Patienten mit einem neu diagnostiziertem multiplem Myelom, die für eine autologe Stammzelltransplantation in Frage kommen. Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason wurde kürzlich von der EMA als Induktionstherapie für zuvor unbehandelte Patienten mit multiplem Myelom, die für eine autologe Transplantation geeignet sind, zugelassen. Bortezomib in Kombination mit Cyclophosphamid und Dexamethason gilt als Alternative zu vorgenanntem Protokoll. Bisher wurde nur ein retrospektiver Vergleich der beiden Therapieprotokolle anhand publizierter Ergebnisse veröffentlicht. Ein Vergleich der Wertigkeit der beiden Behandlungsprotokolle, welcher direkt auf "Patientendaten" basiert, war bisher nicht durchgeführt worden.

Fragestellung der Studie

In der vorliegenden Studie sollte geklärt werden, ob zwischen den beiden Induktionstherapieprotokollen Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason und Bortezomib-Cyclophosphamid-Dexamethason Unterschiede in Hinblick auf Ansprechraten und Toxizität bestehen.

Art der Studie

Retrospektive Matched-Pair-Analyse von Daten von Patienten, die in zwei Phase-III-Studien sowie in italienischen Zentren durchgeführt wurden.

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

236 Patienten, die im Rahmen der Studie GIMEMA-MMY-3006 eine Induktionstherapie mit Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason erhielten, wurden mit einer gleichen Anzahl von Patienten, die eine Induktionstherapie mit Bortezomib-Cyclophosphamid-Dexamethason im Rahmen der EMN02-Studie erhielten, verglichen.

Zur besseren Vergleichbarkeit der Patientengruppen wurden die Patienten nach folgenden Kriterien selektiert: Alter (± 2 Jahre), ISS-Stadium (1 vs. 2 vs. 3), t(4;14) und del(17p). Die beiden Gruppen waren auch vergleichbar in Bezug auf Hb-Konzentration, Thrombozytenzahl und M-Protein-Isotyp.

Die Induktionsbehandlung bestand aus drei 21-Tage-Zyklen mit entweder Bortezomib 1,3 mg/m2 an den Tagen 1, 4, 8 und 11; Thalidomid 100 mg täglich für die ersten 14 Tage und danach 200 mg täglich, Dexamethason 40 mg an den Tagen 1, 2, 4, 5, 8, 9, 11 und 12 oder Bortezomib und Dexamethason wie oben und Cyclophosphamid 500 mg/m2 an den Tagen 1 und 8.

Das Ansprechen und die Toxizität wurden nach dem dritten Zyklus der Induktionstherapie oder am letzten Zyklus, den die Patienten absolviert hatten, evaluiert. Die Analyse erfolgte in den Intent-to-Treat-Patientengruppen.

Ergebnisse, Toxizität

Mit der Induktionstherapie VTD konnte eine signifikant höhere Ansprechrate als mit VCD beobachtet werden (≥ partielle Remission 93% versus 84%; p=0,003). Die Rate an kompletten Remissionen war in der erstgenannten Gruppe signifikant höher (19% versus 7%; p<0,001), ebenso wie die Rate von sehr guten partiellen Remissionen (43% versus 32%; p<0,001).

Eine partielle Remission oder ein schlechteres Ergebnis wurde bei 7% der mit VTD behandelten Patienten festgestellt, im Gegensatz zu 16% der Patienten die VCD erhalten haben (p=0,003).

Der signifikante Vorteil der VTD-Induktionstherapie war in allen untersuchten Risikogruppen zu beobachten: ISS Stadium 2+3 65% versus 37% (p<0,001); t (4;14) und/oder del(17p) 79% versus 44% (p<0,001).  

Die Verträglichkeit wurde nur in Hinblick auf das Auftreten von peripheren Neuropathien analysiert. Unter Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason wurde eine marginal höhere Rate von Grad-2-Polyneuropathien (13% versus 9%; p=0,19) beobachtet. Neuropathien ≥ Grad 3 wurden allerdings häufiger unter Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason (7% versus 2%; p=0,004) festgestellt.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Eine Induktionstherapie mit Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason führt zu einer signifikant höheren Rate an sehr guten Remissionen, insbesondere zu einer höheren Rate an kompletten Remissionen und sehr guten partiellen Remissionen im Vergleich zu Bortezomib-Cyclophosphamid-Dexamethason und ist daher letztgenanntem Protokoll überlegen. Allerdings wurde unter erstgenannter Therapie signifikant mehr Polyneuropathien ≥ Grad 3 beobachtet, währen die Rate an Neuropathien ≤ Grad 2 in beiden Gruppen vergleichbar war. Die IFM vergleicht zurzeit in einer prospektiven Studie die Wertigkeit beider Induktionsprotokolle.

Kommentar / Beurteilung

Dieser retrospektive Vergleich bestätigt eine frühere Metaanalyse und weist somit Bortezomib-Thalidomid-Dexamethason als das derzeit beste Induktionsprotokoll vor autologer Stammzelltransplantation aus.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. Heinz Ludwig

Institution:

Wilhelminen Krebsforschungsinstitut, c/o 1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin, Wilhelminenspital, Montleartstraße 37, 1160 Wien, Österreich

Letzte Änderung:

12.02.2015