Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Erhöhte Inzidenz von chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung (GVHD) und kein Überlebensvorteil mit Filgrastim-mobilisierten peripheren Blutstammzellen (PBSC) im Vergleich zu Knochenmarktransplantaten von unverwandten Spendern: Ergebnisse des Blut- und Knochenmark-Transplantationsstudien-Netzwerks(BMT-CTN)-Protokolls 0201: Eine randomisierte prospektive Phase-III-Studie

Titel des Originals:

Increased Incidence of Chronic Graft-Versus-Host Disease (GVHD) and No Survival Advantage with Filgrastim-Mobilized Peripheral Blood Stem Cells (PBSC) Compared to Bone Marrow (BM) Transplants From Unrelated Donors: Results of Blood and Marrow Transplant Clinical Trials Network (BMT CTN) Protocol 0201, a Phase III, Prospective, Randomized Trial

Abstract-Nr.:

1 *Highlight*

Jahr:

2011

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2011 118: Abstract 1

Autor/en:

Claudio Anasetti, MD1, Brent R. Logan, PhD*,2, Stephanie J. Lee, MD, MPH3, Edmund K Waller, MD PhD4, Daniel J. Weisdorf, MD5, John R. Wingard, MD6, Corey S. Cutler, MD, MPH, FRCPC7, Peter Westervelt, MD, PhD*,8, Ann Woolfrey, MD9, Stephen Couban, MD, FRCPC10, Laura Johnston, MD11, Richard T. Maziarz, MD12, Michael Pulsipher, MD13, Paolo Anderlini, MD14, William I Bensinger, MD*,15, Susan F. Leitman, MD16, Scott D Rowley, MD17, Shelly L Carter, ScD*,18, Mary M. Horowitz, MD, MS19 and Dennis L Confer, MD20

Institution/en:

1 H. Lee Moffitt Cancer Center & Research Institute, Tampa, FL, USA; 2 Medical College of Wisconsin, Milwaukee, WI, USA; 3 Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle, WA, USA; 4 Department of Heamtology/Medical Oncology, Winship Cancer Institute, Emory University, Atlanta, GA, USA; 5 Blood and Marrow Transplant Program, University Of Minnesota Medical Center, Minneapolis, MN, USA,; 6 Shands Cancer Center, University of Florida, Gainesville, FL, USA; 7 Dana-Farber Cancer Institute, Boston, MA, USA; 8 Department of Medicine, Siteman Cancer Center, Washington University School of Medicine, St. Louis, MO, USA; 9 Pediatric Hematologic Cell Transplant, Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle, WA, USA; 10 Hematology, Dalhousie University, Halifax, NS, Canada; 11 Stanford Univ. Med. Ctr., Stanford, CA, USA; 12 Oregon Health and Science University, Portland, OR, USA; 13 University of Utah Medical Center, Salt Lake City, UT; 14 Department of Stem Cell Transplantation and Cellular Therapy, The University of Texas MD Anderson Cancer Center, Houston, TX, USA; 15 Clinical Division, Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle, WA, USA; 16 Department of Transfusion Medicine, National Institutes of Health, Bethesda, MD, USA; 17 The John Theurer Cancer Center at Hackensack University Medical Center, Hackensack, NJ, USA; 18 The EMMES Corporation, Rockville, MD; 19 Medical College of Wisconsin, Center for International Blood and Marrow Transplant Research, Milwaukee, WI; 20 National Marrow Donor Program, Minneapolis, MN, USA

Zusammenfassung des Berichts

Bei Fremdspendertransplantationen erhöhen periphere Blutstammzellen im Vergleich zu Knochenmarkstammzellen die Rate von chronischer GvHD, ohne dass hieraus ein Überlebensvorteil resultiert.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Randomisierte Studien zeigten bei HLA-identischen Familienspendertransplantationen, dass Filgrastim-mobilisierte periphere Blutstammzellen gegenüber Knochenmarkstammzellen das Anwachsen des Transplantats fördern und die Rate von akuter und chronischer GvHD (Graft-versus-Host-Disease) erhöhen. Ferner führten die Blutstammzellen bei Hochrisikoleukämie-Patienten zu einer niedrigeren Rezidivrate und verbesserten das Überleben. Retrospektive Untersuchungen bei Fremdspendertransplantationen konnten diese protektiven Effekte der peripheren Blutstammzellen nicht bestätigen.

Fragestellung der Studie

Primärer Studienendpunkt war das Überleben der Patienten zwei Jahre nach Fremdspendertransplantation mit peripheren Blutstammzellen versus Knochenmarkstammzellen.

Art der Studie

Phase III, prospektiv, randomisiert (1:1), 50 Zentren in USA und Kanada, stratifiziert nach Zentrum und Rezidivrisiko

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

278 Patienten wurden mit Knochenmark und 273 Patienten mit peripheren Blutstammzellen transplantiert. Die Parameter Erkrankungsart (AML (47%), ALL, CML, MDS, CMML, MF), Rezidivrisiko, Geschlecht, Alter, Rasse, CMV-Serologie, Allgemeinzustand, Komorbidität, Konditionierungsregime (48% Ganzkörperbestrahlung und Cyclophosphamid), GvHD-Prophylaxe (71% Tacrolimus plus Methotrexat), Verwendung von Wachstumsfaktoren und Spendereigenschaften waren zwischen beiden Gruppen gleich verteilt.
28% der Patienten hatten eine Hochrisiko-Erkrankung. 90% der Patienten waren >20 Jahre alt. Der mediane Follow-up war 36 Monate.

Ergebnisse, Toxizität

Nach 2 Jahren Beobachtungsdauer fanden sich zwischen beiden Gruppen (Blutstammzellen versus Knochenmark) keine signifikanten Unterschiede in den Studienendpunkten Gesamtüberleben (51 versus 46%), krankheitsfreies Überleben (47 versus 44%), Rezidiv (28 versus 28%), transplantationsassoziierte Mortalität (26 versus 27%), Transplantat-Anwachsen an Tag 28 (95 versus 86%), akute GvHD Grad 1-2 (47 versus 46%) und schwere akute GvHD Grad 3-4 (16 versus 14%).
Hingegen war die Rate an chronischer GVHD (53 versus 40%) signifikant höher bei Verwendung von Blutstammzellen (p=0,02).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Verwendung von peripheren Blutstammzellen statt Knochenmarkstammzellen führt bei der Fremdspendertransplantation zu einem höheren chronischen GvHD-Risiko bei vergleichbaren Raten an akuter GvHD, an Rezidiven, transplantationsassoziierter Mortalität und Gesamtüberleben.

Kommentar / Beurteilung

Die Studie ist aufgrund ihrer prospektiven und randomisierten Konzeption bedeutsam. Allerdings blieb unbeantwortet, ob die Rate an schwerer chronischer GvHD in der Blutstammzellgruppe tatsächlich signifikant höher lag. Die Übertragung der Ergebnisse auf Deutschland ist schwierig, da hier bei Fremdspendertransplantationen (fast) standardmäßig Anti-Thymozytenglobulin zur GvHD-Prophylaxe eingesetzt wird. Ferner war die Studienpopulation sehr heterogen, weshalb entitätenspezifische Aussagen nur eingeschränkt möglich sind. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass unverwandte Spender mobilisierte periphere Blutstammzellen im Vergleich zu Knochenmark klar bevorzugen. Daher dürfen die in der Studie insgesamt vergleichsweise geringen Unterschiede zwischen beiden Stammzellquellen nicht zu einer Diskreditierung der Blutstammzellspende sowie der gesamten Fremdspende führen.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Wolfgang Herr

Institution:

Universitätsmedizin Mainz, III. Medizinische Klinik, Hämatologie Onkologie Pneumologie Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz

Letzte Änderung:

25.01.2012