Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Randomisierte HOVON-65/GMMG-HD4-Phase-III-Studie, in der der Stellenwert einer Induktionstherapie mit Bortezomib, Adriamycin, Dexamethason (PAD) gegenüber Vincristin, Adriamycin, Dexamethason (VAD) vor Hochdosis-Melphalan bei Patienten mit multiplem Myelom getestet wurde

Titel des Originals:

HOVON-65/GMMG-HD4 randomized phase III trial comparing Bortezomib, Adriamycine, Dexamethasone (PAD) vs VAD as induction treatment prior to High Dose Melphalan (HDM) in patients with multiple myeloma (MM)

Abstract-Nr.:

40

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 40

Autor/en:

Pieter Sonneveld, Ingo Schmidt-Wolf2*, Bronno van der Holt3*, Laila el Jarari3*, Uta Bertsch4*, Hans Salwender2*, Sonja Zweegman5*, Edo Vellenga5*, Joerg Schubert2*, Igor Wolfgang Blau2*, Asiong Jie5*, Berna Beverloo5*, Dirk Hose6*, Anna Jauch6*, Helgi van de Velde7*, Martijn Schaafsma5*, Walter Lindemann2*, Marie Jose Kersten5*, Ulrich Duehrsen, MD8, Michel Delforge9*, Katja Weisel2*, Sandra Croockewit5*, Hans Martin10*, Shulamit Wittebol5*, Christof Scheid2*, Gerard Bos5*, Marinus van Marwijk-Kooy5*, Pierre Wijermans5*, Henk Lokhorst5* and Hartmut Goldschmidt6*

Institution/en:

1HOVON and Erasmus MC, Rotterdam, Netherlands; 2GMMG, Germany; 3HOVON Data Center, Rotterdam, Netherlands; 4Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum, Heidelberg, Germany; 5HOVON, Netherlands; 6GMMG and University of Heidelberg, Germany; 7Johnson & Johnson Pharmaceuticals Research & Development, Beerse, Belgium; 8Hematology, University of Essen, Essen, Germany; 9HOVON, Belgium; 10Medizinische Klinik II, Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universitaet, Frankfurt, Germany

Zusammenfassung des Berichts

Im Rahmen dieser prospektiv, randomisierten Phase-III-Studie konnte gezeigt werden, dass eine Bortezomib-basierte Induktionstherapie gefolgt von autologer Stammzelltransplantation und Erhaltungstherapie mit Bortezomib in der Lage ist, das progressionsfreie Überleben und Gesamtüberleben von Patienten mit multiplem Myelom signifikant gegenüber der Standardtherapie (Induktionstherapie mit VAD, autologe Stammzelltransplantation, Erhaltungstherapie mit Thalidomid) zu verbessern.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Bislang ist unklar, ob eine Bortezomib-haltige Induktionstherapie vor autologer Stammzelltransplantation gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Bortezomib die Prognose von Patienten mit multiplem Myelom gegenüber der Standardtherapie (Induktionstherapie mit VAD, autologe Stammzelltransplantation, Erhaltungstherapie mit Thalidomid) verbessern kann.

Fragestellung der Studie

Verbessert eine Bortezomib-haltige Induktionstherapie vor autologer Stammzelltransplantation und eine Erhaltungstherpie mit Bortezomib das "Outcome" (progressionsfreies Überleben, Gesamtüberleben) von Patienten mit multiplem Myelom?

Art der Studie

Prospektiv randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Von Mai 2005 bis Mai 2008 wurden insgesamt 833 Patienten in diese Studie eingeschlossen, davon 399 Patienten aus Deutschland. Beim ASH 2010 wurde eine präfinale Auswertung präsentiert (n=750).
VAD: Vincristin, Adriamycin, Dexamethason
PAD: Bortezomib, Adriamycin, Dexamethason (P steht für den "Proteasomen"-Inhibitor Bortezomib)

Überblick Studiendesign: siehe Abbildung 2 unter www.myelom-workshop.de

Ergebnisse, Toxizität

Die Erhaltungstherapie konnte bei 90% aller Patienten im VAD-Arm beendet werden bzw. bei 91% aller Patienten im PAD-Arm.
Ansprechen: 78% aller Patienten im PAD-Arm erreichten mindestens eine partielle Remission nach der Induktionstherapie (versus 55% im VAD-Arm).
Wichtigste Nebenwirkungen (Toxizität Grad 3 und 4): Polyneuropathie 26% im PAD-Arm versus 12% im VAD-Arm.
Patienten im PAD-Arm haben ein signifikant besseres progressionsfreies (Hazard-Ratio 0,75; p=0,004) und Gesamtüberleben (Hazard-Ratio 0,73; p=0,02) gegenüber Patienten, die im VAD-Arm behandelt worden sind.
In einer multivariaten Analyse hatten folgende Parameter einen statistisch signifikanten Einfluss auf das progressionsfreie und Gesamtüberleben: Studienarm (Arm B besser), WHO-Performance-Status (guter Allgemeinzustand besser), Ig-Schwerketten-Typ (IgA-Myelome => schlechtere Prognose), ISS-Stadium (Stadium II und III => schlechtere Prognose).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Progressionsfreies und Gesamtüberleben sind signifikant besser im Bortezomib-Arm. Von allen Patienten im Arm B, die bis zum Ende "per protocol" behandelt wurden, erreichten 49% eine komplette Remission. Eine Erhaltungstherapie mit Bortezomib wird gut toleriert (bei 56% aller Patienten im Arm B gestartet, bei 49% bis zum Ende durchgeführt).

Kommentar / Beurteilung

Große, randomisierte Phase-III-Studie, die zusammen mit anderen Studien zeigt, dass eine Bortezomib-haltige Induktionstherapie vor autologer Stammzelltransplantation als Standard zu betrachten ist; eine Induktionstherapie mit VAD sollte nicht mehr erfolgen.
Die Frage nach einer Erhaltungstherapie ist schwerer zu beantworten, zumal es auch für Lenalidomid gute Daten gibt. Da weder Bortezomib noch Lenalidomid für die Erhaltungstherapie des multiplen Myeloms zugelassen sind, sollte in diesem Punkt zunächst die weitere Entwicklung abgewartet werden.


Autor des Berichts:

Priv.-Doz. Dr. med. Kai Neben

Institution:

Universitätsklinikum Heidelberg, Medizinische Klinik V, Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg

Letzte Änderung:

22.12.2010



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