Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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90-Yttrium-Ibritumomab-Tiuxetan-Konsolidierung bei fortgeschrittenem follikulären Lymphom in erster Remission: Aktualisierte Ergebnisse der internationalen, randomisierten Phase-III-"First-Line-Indolent-Trial" (FIT) mit 414 Patienten nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 66,2 Monaten

Titel des Originals:

90Y-Ibritumomab Tiuxetan Consolidation of First Remission In Advanced-Stage Follicular Non-Hodgkin’s Lymphoma: Updated Results After a Median Follow-up of 66.2 Months From the International, Randomized, Phase III First-Line Indolent Trial (FIT) In 414 Patients

Abstract-Nr.:

594

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 594

Autor/en:

Anton Hagenbeek, John Radford, MD2*, Achiel Van Hoof, MD3, Umberto Vitolo, MD4*, Ama Z.S. Rohatiner, MD5*, Gilles Salles, MD, PhD6*, Pierre Soubeyran, MD, PhD7*, Herve Tilly, MD8, Angelika Bischof Delaloye, MD9*, Wim L.J. van Putten, MSc10* and Franck Morschhauser, MD, PhD11*

Institution/en:

1Academic Medical Center, Amsterdam/HOVON, Netherlands; 2The Christie NHS Foundation Trust and The University of Manchester, Manchester, United Kingdom 3University Hospital St-Jan, Brugge, Belgium; Azienda Ospedaliera S. Giovanni Battista, Turin, Italy; 5St. Bartholomew's Hospital, London, United Kingdom; 6Centre Hospitalier Lyon Sud, Pierre Bénite, France; 7Institut Bergonié, Bordeaux, France; 8Centre Henri Becquerel, Rouen, France; 9Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Lausanne, Switzerland; 10HOVON Data Center, Rotterdam, Netherlands; 11Centre Hospitalier Universitaire, Lille, France

Zusammenfassung des Berichts

Eine 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Konsolidierung bei Patienten mit follikulärem NHL in erster partieller oder kompletter Remission nach Chemotherapie verlängert signifikant das progressionsfreie Überleben und die Zeit bis zur Notwendigkeit einer Rezidivtherapie ohne Einfluss auf das Gesamtüberleben.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Bei rezidiviertem oder refraktären follikulären NHL kann durch eine einmalige Therapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan eine Remissionsrate von 67-83% (davon 15-37% komplett) erreicht werden, wobei die Ergebnisse bei früherem Einsatz im Krankheitsverlauf und geringerer Tumormasse günstiger zu sein scheinen. Von daher scheint der Einsatz von 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan als Konsolidierungstherapie nach Lymphommassenreduktion durch konventionelle Chemotherapie ein vielversprechender Ansatz zur Verbesserung der Ansprechrate und des progressionsfreien Überlebens zu sein.

Fragestellung der Studie

Sicherheit und Effektivität einer Konsolidierungstherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan bei Patienten mit fortgeschrittenem follikulären Lymphom in erster partieller oder kompletter Remission; progressionsfreies Überleben als primärer Endpunkt in der "Intention-to-treat"-Analyse.

Art der Studie

Multizentrische, nicht verblindete, randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten mit follikulärem NHL und partieller oder kompletter Remission nach Induktionschemotherapie (Chlorambucil, COP, CHOP-like, Fludarabin-Kombinationen, Rituximab-Kombinationen) wurden innerhalb von 12 Wochen nach dem letzten Zyklus randomisiert zwischen 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Konsolidierung (0,4 mCi/kg; maximal 32 mCi) und keiner weiteren Therapie.

Patientencharakteristika: 409 Patienten, medianes Alter 54 (27-78) Jahre (26% >60 Jahre), Stadium III/IV 33/65%, komplette/partielle Remission (CR/PR) nach Induktionschemotherapie 53/46%.

Update der bereits zuvor von Morschhauser publizierten Daten [Morschhauser F 2008] .

Ergebnisse, Toxizität

CR-Rate im 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm 87,4% versus 53,3% im Beobachtungsarm (unabhängig von der Art der Vortherapie mit Tendenz zum Vorteil für Rituximab-haltige Kombinationen).
Progressionsfreies 5-Jahres-Überleben (PFS) 29% im Beobachtungsarm (Median 15 Monate) versus 47% im 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm (Median 49 Monate) entsprechend einem relativen Risiko von 1,95 (p<0,001).
Auch Patienten mit bereits kompletter Remission nach Induktionschemotherapie profitieren von der 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Konsolidierung: PFS 43% nach 5 Jahren (Median 32 Monate) im Beobachtungsarm versus 57% (Median >92 Monate) im 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm (Hazard-Ratio 1,64; p=0,011).
Gesamtüberleben nach 5 Jahren mit 93% im 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm und 89% im Beobachtungsarm ohne signifikanten Unterschied (p=0,47).

An Zweitmalignomen traten im 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm 16 und im Beobachtungsarm 9 auf (p=0,19); MDS oder AML wurden in 6 Fällen (90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm) bzw. einmalig beobachtet (p=0,063).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Durch eine 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Konsolidierungstherapie kann eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von knapp 3 Jahren, bei Patienten mit kompletter Remission sogar von mehr als 5 Jahren, erzielt werden ohne relevante zusätzliche Toxizität. Die Zeit bis zur nächsten Therapie im Rezidiv wird im Median um mehr als 5 Jahre verlängert. Die 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Vorbehandlung beeinträchtigt nicht die Wahl der Rezidivtherapie (einschließlich Hochdosistherapie) und deren Erfolgsaussichten.

Kommentar / Beurteilung

Die Verlängerung des progressionsfreien Überlebens und der Zeit bis zur Notwendigkeit einer erneuten Chemotherapie um mehrere Jahre durch eine einmalige, vergleichsweise nebenwirkungsarme Radioimmuntherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan ist klinisch hochrelevant und stellt eine für viele Patienten attraktive Therapieoption dar, auch wenn sich nach median 5,5 Jahren Nachbeobachtung daraus kein Überlebensvorteil ergibt.
Die erhöhte Inzidenz von Zweitmalignomen im 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan-Arm ist zwar nicht signifikant, weist aber einen deutlichen Trend auf insbesondere für das Auftreten von MDS und AML. Auch vor diesem Hintergrund ist zum einen eine längere Nachbeobachtung dieser "FIT-Studie" und zum anderen ein Abwägen mit der Alternative einer Rituximab-Erhaltungstherapie notwendig. In der PRIMA-Studie mit über 1200 Patienten konnte durch eine Rituximab-Erhaltung (375 mg/m² alle 2 Monate für 2 Jahre) nach Induktionstherapie (R-CVP, R-CHOP, R-FCM) im Vergleich zur Nachbeobachtung eine Verbesserung des progressionsfreien Überlebens nach 3 Jahren von 60,3% auf 78,6% (95% Konfidenz-Intervall: 74,7-82,0 %) erzielt werden [Salles GA 2010 ASH Abstr. 1788].


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Frank Hartmann

Institution:

Medizinische Klinik II, Klinikum Lippe-Lemgo, Rintelner Str. 85, 32657 Lemgo

Letzte Änderung:

19.12.2010



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Morschhauser F, Radford J, Van Hoof A, Vitolo U, Soubeyran P, Tilly H, Huijgens PC, Kolstad A, d'Amore F, Gonzalez Diaz M, Petrini M, Sebban C, Zinzani PL, van Oers MH, van Putten W, Bischof-Delaloye A, Rohatiner A, Salles G, Kuhlmann J, Hagenbeek A.
    Phase III trial of consolidation therapy with yttrium-90-ibritumomab tiuxetan compared with no additional therapy after first remission in advanced follicular lymphoma.
    J Clin Oncol. 2008 Nov 10;26(32):5156-64. PMID: 18854568
    [Medline]


  • Salles GA, et al.
    Updated Results of the PRIMA Study Confirms the Benefit of 2-Years Rituximab Maintenance In Follicular Lymphoma Patients Responding to Immunochemotherapy.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1788
    [Abstract online]