Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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3x R-CHOP im Wechsel mit 3x R-DHAP gefolgt von einer Hochdosis-Ara-C enthaltenden myeloablativen Therapie plus einer autologen Stammzelltransplantation (ASZT) ist 6x R-CHOP plus einer myeloablativen Radiochemotherapie plus einer ASZT überlegen. Ergebnisse der MCL-Younger-Studie des Europäischen Mantelzell-Lymphom-Netzwerks

Titel des Originals:

Alternating Courses of 3x CHOP and 3x DHAP Plus Rituximab Followed by a High Dose ARA-C Containing Myeloablative Regimen and Autologous Stem Cell Transplantation (ASCT) Is Superior to 6 Courses CHOP Plus Rituximab Followed by Myeloablative Radiochemotherapy and ASCT In Mantle Cell Lymphoma: Results of the MCL Younger Trial of the European Mantle Cell Lymphoma Network (MCL net)

Abstract-Nr.:

110

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 110

Autor/en:

Olivier Hermine, Eva Hoster2*, Jan Walewski3, Vincent Ribrag, MD4*, Nicole Brousse5*, Catherine Thieblemont, MD6, Reda Bouabdallah7*, Stephan Stilgenbauer, M.D.8, Pierre Feugier, MD, PhD9*, Roswitha Forstpointner, MD2*, Corinne Haioun, MD10*, Michael Kneba, MD, PhD11, Mathias Hänel12, Rene-Olivier Casasnovas, MD13*, Jürgen Finke, MD14, Michael Hallek, MD15*, Hannes Wandt, MD16*, Andre Bosly, MD17, Wolfram Klapper, MD11*, Christian Gisselbrecht, MD18, Bertrand Coiffier, MD, PhD19, Wolfgang Hiddemann, MD, PhD2, Michael Unterhalt, MD, PhD2* and Martin H. Dreyling, MD2

Institution/en:

1Necker Hospital, Paris, France; 2Department of Internal Medicine III, University Hospital Munich, Munich, Germany; 3Department of Lymphoproliferative Diseases, Maria Sklodowska-Curie Memorial Institute and Cancer Center, Warsaw, Poland; 4Service d'hématologie-oncologie, Institut Gustave Roussy, Villejuif; 5Pathology, Necker Hospital, Paris, France; 6Hematology - INSERM U728- IUH-, Hopital Saint Louis, Paris, France; 7IPC, Marseille, France; 8University of Ulm, Ulm, Germany; 9Service d'Hématologie, Hôpital Adultes de Brabois, Vandoeuvre Les Nancy, France; 10Hematology, Hôpital Henri Mondor, Créteil, France; 11Campus Kiel, 2nd Dept. of Internal Medicine, Univ. of Schleswig-Holstein, Kiel, Germany; 12GMMG, Germany; 13Department of Hematology, University Hospital, Dijon, France; 14Dept. of Medicine 1, Hem.-Onc., Universitatsklinikum Freiburg, Freiburg, Germany; 15Department of Internal Medicine I, University of Cologne, Cologne, Germany; 165. Medizinische Klinik, Klinikum Nürnberg, Nürnberg, Germany; 17Hematology, UCL Mont Godinne, Yvoir, Belgium; 18Hospital Saint Louis, Institut Hematologie, Paris, France; 19Centre Hospitalier Lyon-Sud, Pierre-Benite, France

Zusammenfassung des Berichts

Bei Patienten unter 65 Jahre mit neu diagnostiziertem Mantelzell-Lymphom (MCL) führt die Hinzunahme von Hochdosis Ara-C zu R-CHOP plus ASZT zu einer Erhöhung der Anzahl der kompletten Remissionen und einer verlängerten Zeit bis zum Therapieversagen (TTF), aber nicht zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens bei Erhöhung der Toxizität.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das MCL ist durch eine schlechte Prognose und ein Gesamtüberleben von nur wenigen Jahren gekennzeichnet. In den letzten Jahren konnten aber die Therapieergebnisse verbessert werden. Eine französische Phase-II-Studie konnte durch eine sequenzielle Therapie mit R-CHOP/R-DHAP und einer ASZT ein 5-Jahres-Gesamtüberleben von 75% erreichen [Delarue R 2008 ASH Abstr. 581]. Diese Ergebnisse sollten in einer prospektiv randomisierten Phase-III-Studie überprüft werden.

Fragestellung der Studie

Primärer Endpunkt ist die Zeit bis zum Therapieversagen ("time to treatment failure", TTF).

Art der Studie

Prospektiv randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten mit neu diagnostiziertem MCL in den Stadien II-IV unter 65 Jahren wurden randomisiert: 6x R-CHOP plus myeloablative Radiochemotherapie (12 Gy TBI, 2x 60mg/kg Cyclophosphamid) und ASZT (Arm A) versus alternierend 3x R-CHOP und 3x R-DHAP plus eines Hochdosis-Ara-C-haltigen myeloablativen Regimes (10 Gy TBI, 4x 1,5 g/m² Ara-C, 140 mg/m² Melphalan) und ASZT (Arm B).

Ergebnisse, Toxizität

497 Patienten wurden randomisiert, 391 Patienten waren für diese Analyse auswertbar. Die Patientencharakteristika waren in beiden Armen vergleichbar: Medianes Alter 55 vs. 56 Jahre, männliches Geschlecht 78% vs. 79%, Stadium IV 85% vs. 79%, B Symptomatik 43% vs. 33%, ECOG >2 5% vs. 5%, erhöhte LDH 37% vs. 38%, MIPI low/int/high-risk 61%/25%/14% vs. 62%/23%/15%.

Nach der Induktion war die Gesamtansprechrate in beiden Armen gleich (A: 90% vs. B: 94%; p=0,19); die CR und kombinierte CR/CRu-Rate (= komplette / unbestätigte komplette Remission) war im Arm B aber signifikant höher (26% vs. 39%; p=0,012 und 41% vs. 60%; p=0,0003).
Nach der Transplantation waren Gesamtansprechrate und CR-Rate in beiden Armen gleich (97% vs. 97% und 63% vs 65%).
Nach einem medianen Follow-up von 27 Monaten war das TTF in Arm B signifikant besser (49 Monate vs. nicht erreicht; p=0,0384, Hazard-Ratio 0,68).
Die Remissionsdauer war in Arm B überlegen (48 Monate vs. nicht erreicht; p=0,047).
Im Gesamtüberleben gab es keine Unterschiede zwischen den Armen (79% vs. 80% Überleben nach 3 Jahren; p=0,74).

Die transplantationsassoziierten Todesfälle waren in beiden Armen gleich häufig (3% vs. 4%).
In der Induktionsphase war Arm A weniger toxisch als Arm B. Hämatologische Toxizität Grad 3/4 (Anämie 8% vs. 28%, Leukopenie 48% vs. 75%, Thrombopenie 9% vs. 74%); Nierentoxizität (Kreatinin-Erhöhung Grad 1/2: 8% vs. 38%, Grad 3/4: keine vs. 2%); Übelkeit und Erbrechen waren in Arm B häufiger.
Die Toxizität der beiden Konditionierungsprotokolle war vergleichbar, außer mehr Mukositis in Arm B und mehr Lebertoxizität und Obstipation in Arm A.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Hinzunahme von Hochdosis-Ara-C zu R-CHOP plus ASZT erhöht die Anzahl der kompletten Remissionen und das TTF bei vertretbarer Erhöhung der Toxizität. Eine Hochdosis-Ara-C-haltige Induktionstherapie gefolgt von einer ASZT ist der neue Therapiestandard bei Patienten bis 65 Jahre mit neu diagnostizierten MCL.

Kommentar / Beurteilung

Die Daten unterstreichen die Bedeutung von Hochdosis-Ara-C in der Behandlung des MCL. Auffällig ist, dass in dieser Studie Niedrigrisiko-Patienten überrepräsentiert waren. Der verbesserten CR-Rate und der verbesserten TTF steht allerdings eine Erhöhung der Toxizität gegenüber. Ob das Gesamtüberleben verbessert werden kann, bleibt im längeren Verlauf abzuwarten.


Autor des Berichts:

Priv.-Doz. Dr. med. Mathias Witzens-Harig

Institution:

Medizinische Klinik V (Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie), Universität Heidelberg, INF 410, 69120 Heidelberg

Letzte Änderung:

17.12.2010



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Richard Delarue, et al.
    RCHOP and RDHAP Followed by Autologous Stem Cell Transplantation (ASCT) in Mantle Cell Lymphoma (MCL) : Final Results of a Phase II Study from the GELA.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2008 112: Abstract 581
    [Abstract online]


Externe LinksExterne Links
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