Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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ZNS-Erkrankung bei Patienten unter 61 Jahren mit aggressivem Lymphom in Studien der DSHNHL und der MInT-Studie

Titel des Originals:

CNS Disease In Younger Patients (<=60 years) with Aggressive Lymphoma Treated In Trials of the German High Grade Non Hodgkin Lymphoma Study Group (DSHNHL) and the MabThera International Trial (MInT)

Abstract-Nr.:

112

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 112

Autor/en:

Norbert Schmitz, Samira Zeynalova2*, Bertram Glass, MD1*, Ulrich Kaiser, MD3*, Eva Cavallin-Stahl, MD4*, Max Wolf, MBBS, FRACP, FRCPA5, Mathias Haenel, MD6*, Markus Loeffler, MD2*, Lorenz Trümper, MD7* and M. Pfreundschuh8

Institution/en:

1Department of Hematology, Oncology and Stem Cell Transplantation, ASKLEPIOS Hospital St. Georg, Hamburg, Germany; 2Institute for Medical Informatics, Statistics and Epidemiology (IMISE), University of Leipzig, Leipzig, Germany; 3St. Bernward Hospital, Hildesheim, Germany; 4Lund University, Lund, Sweden; 5Dhmo, Peter MacCallum Cancer Ctr., Melbourne, Australia; 6Chemnitz Hospital, Chemnitz, Germany; 7University of Göttingen, Göttingen, Germany; 8GMMG, Germany

Zusammenfassung des Berichts

Patienten mit aggressivem Lymphom und aaIPI von 0 und 1 haben nur ein sehr geringes Risiko eines ZNS-Befalls. Patienten mit aaIPI von 2 und 3 haben ein Risiko eines ZNS-Ereignisses von 6,4 bzw 7,4%. Rituximab reduziert das Risiko für ein ZNS-Ereignis bei Patienten, die mit R-CHOP oder R-CHOEP behandelt werden (RR=0,3; p=0,03). Die MegaCHOEP-Hochdosistherapie und die intrathekale MTX-Prophylaxe können die Inzidenz eines ZNS-Ereignisses bei diesem Risikokollektiv nicht senken.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Eine ZNS-Beteiligung ist beim aggressiven Lymphom mit einer schlechten Prognose verbunden. Die Häufigkeit von ZNS-Progress, Rezidiv, Risikofaktoren und die Wirksamkeit einer Prophylaxe sind bei jüngeren Patienten, die mit R-CHOP behandelt werden, nicht genau bekannt.

Fragestellung der Studie

2797 Patienten unter 61 Jahren, die in den Studien der DSHNHL und in der MiNT-Studie behandelt wurden, wurden retrospektiv ausgewertet.

Art der Studie

Retrospektive Analyse

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

2196 Patienten mit B-Zell-Lymphom erhielten CHO(E)P oder MegaCHOEP mit oder ohne Rituximab. Patienten mit Befall von Hoden, Knochenmark, hochzervikalem Befall oder Befall des Gesichtsschädels erhielten eine intrathekale MTX-Prophylaxe.

Ergebnisse, Toxizität

56 (2,3%) von 2797 Patienten hatten ein ZNS-Rezidiv oder einen ZNS-Progress. Die mediane Zeit zum Rezidiv/Progress war 7,2 Monate, das mittlere Überleben dieser Gruppe war 4,2 Monate. Bei Patienten mit aaIPI von 0 oder 1 war das Risiko für ein ZNS-Ereignis nur 0,3-1,6%, bei Patienten mit aaIPI von 2 oder 3 hingegen 6,4 bzw 7,5%.
In der multivariaten Analyse wurden eine erhöhte LDH und ein Stadium III oder IV als unabhängige Risikofaktoren für ein ZNS-Ereignis identifiziert. Rituximab reduzierte das Risiko für ein ZNS-Ereignis bei Patienten, die mit R-CHOP oder R-CHOEP behandelt wurden, nicht aber bei den Patienten der MegaCHOEP-Studien.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Siehe Zusammenfassung.

Kommentar / Beurteilung

Dr. M. Witzens-Harig:
Patienten mit aaIPI von 2 und 3 sind Risikopatienten für ein ZNS-Ereignis. Bei dieser Gruppe ist eine intrathekale Prophylaxe im Rituximab-Zeitalter unwirksam. Diese Patienten sind möglicherweise Kandidaten für eine Behandlung mit ZNS-gängigen Zytostatika, z.B. R-CHOP-like-Protokoll plus systemisches Methotrexat oder systemisches Cytarabin in ZNS-wirksamer Dosierung. Diese Risikopatienten sollten in klinische Studien eingebracht werden.

Dr. R. Mahlberg:
Eine sichere Identifikation der Risikopatienten ist aktuell nicht gegeben. Außer durch Rituximab konnte mit keiner weiteren Therapiemaßnahme die Häufigkeit eines ZNS-Befalls reduziert werden. Die Patienten mit einem aaIPI von 2 oder 3 in der Mega-CHOEP- Studie profitierten auch hiervon nicht.


Autor des Berichts:

Priv.-Doz. Dr. med. Mathias Witzens-Harig (a),
Dr. med. Rolf Mahlberg (b)

Institution:

(a) Medizinische Klinik V (Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie), Universität Heidelberg, INF 410, 69120 Heidelberg; (b) Leiter des onkologischen Zentrums, Innere Medizin I, Mutterhaus der Borromäerinnen, Eldstr.16, 54290 Trier

Letzte Änderung:

23.12.2010