Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Ambulante Therapie bei Patienten mit akuter Lungenembolie - die HESTIA-Studie

Titel des Originals:

Outpatient Treatment In Patients with Acute Pulmonary Embolism: The Hestia Study.

Abstract-Nr.:

LBA-1 *Highlight*

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1

Autor/en:

Wendy Zondag, Inge Mos, MD2*, Dina Creemers, MD3*, Lidia Hoogerbrugge, MD4*, Olaf Dekkers, MD, PhD5*, Anneke Dolsma, MD6*, Michiel Eijsvogel, MD7*, Laura Faber, MD, PhD8*, Herman MA Hofstee, MD9*, Marcel Hovens, MD, PhD10*, Ge Jonkers, MD11*, Klaas Kralingen, MD, PhD5*, Marieke Kruip, MD, PhD12*, Tom Vlasveld, MD, PhD13*, Marielle Vreede, MD14* and Menno Huisman, MD, PhD2*

Institution/en:

1General Internal Medicine C4-70, Leiden University Medical Centre, Leiden, Netherlands; 2Internal Medicine, Leiden University Medical Center, Leiden, Netherlands; 3HAGA hospital The Hague; 4Spaarne Hospital Hoofddorp 5Leiden University Medical Centre; 6Diaconessenhuis Leiden; 7Medical Spectrum Twente, Enschede; 8Rode Kruis Hospital, Beverwijk; 9Internal Medicine, VU University Medical Center, Amsterdam, Netherlands; 10Department of Internal Medicine, Rijnstate Hospital, Arnhem; 11Rijnland Hospital, Leiderdorp; 12Erasmus Medical Centre Rotterdam; 13Bronovo Hospital, The Hague; 14MC Haaglanden, The Hague

Zusammenfassung des Berichts

Die ambulante Behandlung von Lungenembolien ist möglich, wenn die Patienten wie in Holland von einem ambulanten Pflegedienst zu Hause besucht werden.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die ambulante Therapie von venösen Thrombosen ist etabliert und wird in den Leitlinien empfohlen.

Fragestellung der Studie

Können auch Lungenembolien ambulant behandelt werden?

Art der Studie

Multizentrisch, nicht randomisiert

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

581 Patienten wurden nach folgenden Kriterien triagiert:

  • Der Patient ist hämodynamisch stabil.
  • Keine Notwendigkeit für eine Thrombolyse oder Thrombektomie.
  • Keine aktive Blutung und kein erhöhtes Blutungsrisiko.
  • Keine mehr als 24-stündige Sauerstoffsupplementierung um Sättigung >90% zu halten.
  • Die Embolie ist nicht unter Antikoagulation aufgetreten.
  • Keine schweren Schmerzen die eine i.v.-Schmerztherapie von über 24 Std. benötigen.
  • Keine medizinischen oder sozialen Gründe, die einen Krankenhausaufenthalt >24 Std. nötig machen (Infektionen, Tumorerkrankung, Hilflosigkeit).
  • Kreatinin-Clearance nicht unter 30 ml/min.
  • Keine schwere Leberfunktionseinschränkung.
  • Keine Schwangerschaft.
  • Kein Hinweis auf HIT.

Nur wer alle diese Kriterien erfüllte, konnte in die Studie eingeschlossen werden. Alle Patienten wurden sofort oder nach max. 24 stündigem Kliniksaufenthalt (zur notwendigen Diagnostik) nach Hause entlassen. Die ambulante Therapie bestand in der Gabe von Nadroparin in therapeutischer Dosis bis zur Umstellung auf einen oralen Vitamin-K-Antagonisten.

297 Patienten wurden eingeschlossen, 41 mussten dann aber wieder von der Auswertung ausgeschlossen werden (Einverständnis zurückgezogen, Lebenserwartung unter 3 Monaten, keine Follow-up-Daten, etc.).

Ergebnisse, Toxizität

Die 256 ausgewerteten Patienten hatten ein mittleres Alter von 55 Jahren, 16% hatten eine Tumorerkrankung.

  • 6 Patienten (2%) entwickelten im Rahmen der ambulanten Therapie erneut Thromboembolien (5 Lungenembolien, 1 venöse Thrombose).
  • 3 Patienten verstarben in den 3 Monaten der Studie, keiner durch eine tödliche Lungenembolie.
  • 1 Todesfall durch intrazerebrale Blutung.
  • 2 Todesfälle durch progrediente Tumorerkrankung.
  • 1 Patient hatte eine schwere, nicht tödliche Blutung in die Bauchwand.

Die erste ärztliche Kontrolle erfolgte nach 8 Tagen oder bei erneuten Beschwerden.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung, dass die ambulante Therapie von Lungenembolien sicher und effektiv ist, wenn die Patienten die o.g. HESTIA-Kriterien alle erfüllen.

Kommentar / Beurteilung

Die Diskussion ergab, dass alle Patienten regelmäßig von Fachpflegepersonal zu Hause besucht wurden. Dieses Fachpersonal überprüfte die Heparintherapie und die Umstellung auf den Vitamin-K-Antagonisten. Die Patienten wurden dabei auch auf Symptome und Beschwerden untersucht und ggf. an die Klinik verwiesen. Im Vortrag und in der anschließenden Diskussion wurde nicht angegeben, wie viele Patienten vom Pflegedienst an die Klinik verwiesen wurden.

Die ambulante Therapie von Lungenembolien ist in Deutschland sicher nur möglich, wenn ein vergleichbarer "Thrombosedienst" zur Verfügung gestellt würde.
Interessant ist auch, dass über die Hälfte der gescreenten Patienten die HESTIA-Kriterien nicht erfüllt und nicht ambulant behandelt werden konnte.
Dies zusammen mit dem Problem des fehlenden ambulanten "Thrombosedienstes" und der Notwendigkeit, dass im deutschen Gesundheitssystem der Hausarzt den Patienten zu Hause besuchen müsste, macht das HESTIA-Protokoll für deutsche Verhältnisse wenig attraktiv.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. A. Matzdorff

Institution:

Klinik für Hämatologie und Onkologie, Caritasklinik St. Theresia, Rheinstraße 2, 66113 Saarbrücken

Letzte Änderung:

13.12.2010



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Squizzato A, Ageno W.
    The 8th American College of Chest Physicians Guidelines - A perspective on venous thromboembolism guidelines.
    Thromb Haemost 2009;101:31-5. PMID:19132186
    [Medline]