Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Dauer der therapeutischen Antikoagulation bei Tumorpatienten mit Thrombose

Titel des Originals:

The Optimal Duration of Anticoagulant Therapy In Patients with Cancer-Related Deep Vein Thrombosis: The Advantage of Using Residual Vein Thrombosis (the Cancer-DACUS Study).

Abstract-Nr.:

190

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 190

Autor/en:

Sergio Siragusa, Alessandra Malato2, Doris Mascheroni3, Walter Ageno4, Eugenio Bucherini5, Pietro Spadaro6, Davide Imberti7, Giorgia Saccullo2, Lucio Lo Coco2, Stefano Rotondo6, Rita Santoro8, Pierpaolo Di Micco9, Vincenzo Oriana10, Oreste Urbano6, Tullio Prantera11, Francesco Recchia12, Andrea D'Alessio13, Pina Gallucci14, Angelo Ghirarduzzi15, Oreste Cormaci16, Clementina Caracciolo1 and Vincenzo Abbadessa2

Institution/en:

1Istituto di Ematologia, Policlinico Universitario di Palermo, Palermo, Italy; 2Istituto di Ematologia, Policlinico Universitario di Palermo, Palermo, Italy; , Italy; 3Ospedale di Como, Como; 4Clinical Medicine, University of Insubria, Varese, Italy; 5Ospedale di Faenza, Faenza; 6Ospedale di Messina, Messina; 7Ospedale di ferrara, Ferrara; 8Ospedale di Catanzaro, Catanzaro, Italy; 9Ospedale di Napoli, Napoli; 10Ospedale di Reggio Calabria, Reggio Calabria; 11Ospedale di Crotone, Crotone; 12Ospedale di Avezzano, Avezzano; 13Ospedale di Zingonia, Zingonia; 14Ospedale di Rionero in Volture, Rionero in Volture; 15Ospedale di Reggio Emilia, Reggio Emilia; 16Ospedale di Catania, Catania

Zusammenfassung des Berichts

Bei einigen wenigen Tumorpatienten kann eine Therapie mit niedermolekularem Heparin nach 6 Monaten beendet werden, auch wenn die Tumorerkrankung weiter aktiv ist.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Art und Dauer einer therapeutischen Antikoagulation bei Tumorpatienten ist immer noch umstritten.

Fragestellung der Studie

Das Vorhandensein von venösen Thrombusresten wurde bereits in einer vorhergehenden Phase-II-Studie als Vorhersage-Parameter für Re-Thrombosen etabliert [Siragusa S 2008]. Diese Studie wird jetzt mit einem dritten Placebo-Arm wiederholt. Welche Rolle hat der Nachweis von Thrombusresiduen bei der Bewertung der optimalen Therapiedauer mit niedermolekularem Heparin bei Tumorpatienten?

Art der Studie

Placebo-kontrolliert, 3-armig, randomisiert

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten mit aktiver Tumorerkrankung und einer ersten tiefen venösen Thrombose erhielten für 6 Monate niedermolekulares Heparin (im 1. Monat therapeutische Dosis, danach nur 75% der therapeutischen Dosis). Nach 6 Monaten wurde mit Ultraschall das Vorhandensein residuellen venösen Thrombusmaterials geprüft.

Patienten mit residuellem Material wurden randomisiert in

  • Gruppe A1: Fortsetzung des niedermolekularen Heparins für weitere 6 Monate;
  • Gruppe A2: Abbruch der Heparin-Therapie, keine weitere Antikoagulation.

Patienten ohne residuelles Material (Gruppe B) erhielten ebenfalls keine weitere Antikoagulation.

Ergebnisse, Toxizität

409 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. 62 mussten wegen Entzug der Zustimmung, anderen Gründen, die Antikoagulation fortzusetzen (z.B. Vorhofflimmern), wieder ausgeschlossen werden.

70% hatten residuelles Thrombusmaterial in ihren Beinvenen.

  • Die Patienten, die in Folge weiter Heparin erhielten (Arm A1),  entwickelten in 14% trotzdem Re-Thrombosen.
  • Von denjenigen, die kein Heparin erhielten (Arm A2) entwickelten jedoch 22% Re-Thrombosen.

Im Arm B (30% der Patienten, kein residuelles Thrombusmaterial, keine weitere Antikoagulation) entwickelten nur 3% eine Re-Thrombose.

Der Unterschied zwischen Arm A1 und Arm B war signifikant.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Das Absetzen einer Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin ist möglich, wenn nach 6 Monaten kein residuelles Thrombusmaterial mehr nachweisbar ist.

Kommentar / Beurteilung

Die anschließende Diskussion ergibt, dass die Prüfung auf residuelles Thrombusmaterial nur an zwei Punkten im Verlauf der V. femoralis und V. poplitea vorgenommen wurde. Die Venen wurden nicht vollständig in ihrem Verlauf untersucht. Bei vollständiger Prüfung dürfte der Anteil der Patienten ohne restliches Thrombusmaterial viel kleiner als die gefundenen 30% sein. Dies macht die Möglichkeit, eine Antikoagulation nach 6 Monaten wieder abzusetzen, zu einer deutlich selteneren Option für die meisten Tumorpatienten mit Thrombose. Eine erneute Studie mit Sonographie der gesamten Venen des betroffenen Beines wäre wünschenswert.

Wenn man aber die Kombination von Re-Thrombosen und schweren Blutungen betrachtet (Arm 1: 14,2% Re-Thrombosen + 4,2% schwere Blutungen = 18,4% schwere Komplikationen; im Arm A2: 21,9% + 1,6% = 23,5%), dann sind Arm A1 und Arm A2 gar nicht mehr so weit auseinander, und vielleicht ist der Verlauf von Arm-2-Patienten (residuelles Thrombusmaterial, trotzdem Antikoagulation abgesetzt) doch nicht so viel schlechter, als wenn man die Antikoagulation fortsetzen würde.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. A. Matzdorff

Institution:

Klinik für Hämatologie und Onkologie, Caritasklinik St. Theresia, Rheinstraße 2, 66113 Saarbrücken

Letzte Änderung:

13.12.2010