Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Abschließende Ergebnisse einer Langzeit-Therapiestudie zu Sicherheit und Wirksamkeit von Romiplostim bei Erwachsenen mit chronischer ITP

Titel des Originals:

Long-Term Efficacy and Safety of Romiplostim Treatment of Adult Patients with Chronic Immune Thrombocytopenia (ITP): Final Report from an Open-Label Extension Study.

Abstract-Nr.:

68

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 68

Autor/en:

David J. Kuter, James B. Bussel, MD2, Adrian Newland, FRCP3, Jeffrey S. Wasser, MD4, Roger M Lyons, MD5, James N. George, MD6, Gail Macik, MD7, Kun Nie8 and Susie Jun8

Institution/en:

1Massachusetts General Hospital, Boston, MA; 2Departments of Pediatrics and Medicine, Division of Hematology, New York Presbyterian Hospital, New York, NY; 3Pathology and Pharmacy Building Dept. of Hematology, The Royal London Hospital, London, United Kingdom; 4Manchester Memorial Hospital, Manchester, CT; 5Cancer Care Centers South Texas/US Oncology, San Antonio, TX; 6Hematology-Oncology Section, OUHSC, Oklahoma City, OK; 7University of Virginia, Charlottesville, VA; 8Amgen Inc., Thousand Oaks, CA

Zusammenfassung des Berichts

Romiplostim ist auch in der Langzeitanwendung wirksam und sicher.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Studie, um die Sicherheit und Wirksamkeit von Romiplostim in der langfristigen Therapie besser evaluieren zu können.

Fragestellung der Studie

Welche Wirkung hat Romiplostim in einer zeitlich unbegrenzten Dauertherapie und welche Nebenwirkungen treten auf?

Art der Studie

Einarmig, nicht randomisiert, multizentrisch

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten aus vorhergehenden Romiplostim-Studien (aus den Verum- und Placebo-Armen) wurde zwischen August 2004 und Januar 2010 ermöglicht, Romiplostim im Rahmen einer Dauertherapiestudie weiter zu erhalten. Romiplostim wurde 1x pro Woche s.c. appliziert. Die Dosis wurde so angepasst, dass die Thrombozytenzahl zwischen 50.000 und 200.000/µl lag. Den Patienten wurde bei stabilen Werten erlaubt, die Therapie zu Hause selber fortzuführen, damit sie nur noch alle 4 Wochen in die Klinik kommen mussten.

Ergebnisse, Toxizität

292 Patienten wurden in die Studie aufgenommen. Die mediane Therapiedauer betrug 78 Wochen, die mediane Romiplostim-Dosis 4 µg/Woche. Nach ca. 12 Wochen waren die meisten Patienten auf eine stabile Dosis eingestellt.
81% der Patienten waren in der Lage eine initial noch parallel laufende ITP-Therapie zu beenden oder deren Dosierung um mindestens 25% zu reduzieren.
Da man das Protokoll dieser Dauertherapie-Studie 4x geändert hatte, wurden alle Patientenkohorten auch separat ausgewertet.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, nasopharyngeale Beschwerden, Erschöfung/Müdigkeit. Schwere Nebenwirkungen wie Blutungen (größer Grad 2), andere Nebenwirkungen (größer Grad 3) oder Thromboembolien, nahmen im Verlauf der Studie nicht zu, und waren bei den verschiedenen Kohorten nicht unterschiedlich (s. Tabelle). Eine Assoziation von Thromboembolien mit erhöhten Thrombozytenwerten oder Therapiedauer ergab sich nicht.

Nur bei einem kleinen Teil der Patienten wurden Knochenmarkbiopsien durchgeführt, es fanden sich bei 11 Patienten vermehrte Faserbildung. Dies waren in der Regel Patienten mit längerer Therapiedauer, mit Splenektomie oder höherer Romiplostim-Dosis.

Nur 2 Patienten entwickelten neutralisierende Antikörper gegen Romiplostim (nicht gegen Thrombopoietin). Die Antikörper verschwanden nach Absetzen von Romiplostim wieder (siehe dazu auch [Pamma R 2010 ASH Abstr. 2517].

16 Patienten sind verstorben, davon wurden 2 Todesfälle als möglicherweise mit Romiplostim assoziiert bewertet (1x instabile Angina pectoris, 1 Infarkt). Siehe dazu auch [Gernsheimer T 2010 ASH Abstr. 3701] ).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die meisten Patienten können mit Romiplostim ihre Thrombozytenzahl im Zielbereich halten. Außerdem sei dies die größte und längste Studie zu einem TPO-Mimetikum (Anmerkung: das ist nicht ganz korrekt, die EXTEND-Studie mit Eltrombopag hat 7 Patienten mehr und die mittlere Therapiedauer ist 22 Wochen länger, das haben die Autoren aber beim Verfassen des Abstracts wohl noch nicht wissen können, oder Dr. Bussel als Co-Autor beider Studien hätte besser aufpassen müssen).

Kommentar / Beurteilung

Insgesamt erscheint die Wirksamkeit und Sicherheit von Romiplostim in der Dauertherapie gut belegt.
Es fällt jedoch auf, dass Retikulinfaserbildung als Nebenwirkung überwiegend nur in Romiplostim-Studien beschrieben wird, nicht bei Eltrombopag.
Leider wurde die Zahl der Studienabbrecher nicht angegeben, auch nicht, ob Patienten, die in den vorhergehenden Studien Verum (Romiplostim) hatten, jetzt andere Wirkungen und Nebenwirkungen hatten als die Patienten aus den früheren Placebo-Armen.

Es wird auch auf folgende Abstracts zu Romiplostim verwiesen:
[Elalfy MS 2010 ASH Abstr. 1443] - bei pädiatrischen Patienten (erste Studie für diese Zielgruppe!)
[Vadhan-Raj S 2010 ASH Abstr. 1544] - bei Chemotherapie-induzierter Thrombozytopenie
[Bussel JB 2010 ASH Abstr. 1429] - bei Wiskott-Aldrich-Syndrom
[Fenaux P 2010 ASH Abstr. 1885] - bei MDS

Ein weiteres Abstract beschäftigt sich (noch einmal nach der Publikation im N Engl J Med [Kuter DJ 2010] mit Romiplostim als Splenektomie ersparender Therapie [Boccia R 2010 ASH Abstr. 3702].

Möglicherweise bietet sich hier ein Ansatz, den Platz von Romiplostim in der Therapiesequenz bei nicht splenektomierten Patienten besser zu definieren und den Streit mit den Kostenträgern bei dieser "off-label"-Gabe zu entschärfen. Spontanremission treten auch bei der Erwachsenen-ITP bis zum 12. Monat häufig, danach dann zunehmend seltener auf. Man könnte argumentieren, dass Romiplostim für einen noch zu definierenden aber begrenzten Zeitraum angeboten wird, um spontaner Remission Zeit zu geben und den Patienten die dann eigentlich unnötige Splenektomie zu ersparen. Bei einigen Patienten bleibt auch tatsächlich die Thrombozytenzahl hoch, wenn man nach 1-2 Jahren Romiplostim stoppt. Die Kosten von Romiplostim sollten für diese Probezeit von der gesetztlichen Krankenversicherung übernommen werden.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. A. Matzdorff

Institution:

Klinik für Hämatologie und Onkologie, Caritasklinik St. Theresia, Rheinstraße 2, 66113 Saarbrücken

Letzte Änderung:

13.12.2010



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Pamma R, Deshpande M, Hokom M, et al.
    Impact Assessment of Immunogenicity of Romiplostim In Subjects with Immune Thrombocytopenic Purpura (ITP).
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 2517
    [Abstract online]


  • Gernsheimer T, Kuter DJ, Cines DB, et al.
    Analysis of Mortality Rates During Romiplostim Clinical Studies of Patients (Pts) with Immune Thrombocytopenia (ITP).
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 3701
    [Abstract online]


  • Elalfy MS, Abdelmaksoud AA, Eltonbary KY.
    Romiplostim (N-Plate) In Children with Chronic Refractory ITP.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1443
    [Abstract online]


  • Vadhan-Raj S, Hagemeister F, Fayad LE, et al.
    Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Dose and Schedule-Finding Study of AMG 531 In Chemotherapy-Induced Thrombocytopenia (CIT): Results of a Phase I/II Study.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1544
    [Abstract online]


  • Bussel JB, Frelinger AL, Mitchell WB, et al.
    Platelet Function and Response to Thrombopoietin Mimetics In Wiskott-Aldrich Syndrome/Xlinked Thrombocytopenia.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1429
    [Abstract online]


  • Fenaux P, Kantarjian HM, Lyons RM, et al.
    Update from an Open-Label Extension Study Evaluating the Long-Term Safety and Efficacy of Romiplostim In Thrombocytopenic Patients (Pts) with Myelodysplastic Syndromes (MDS).
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1885
    [Abstract online]


  • Kuter DJ, Rummel M, Boccia R, Macik BG, Pabinger I, Selleslag D, Rodeghiero F, Chong BH, Wang X, Berger DP.
    Romiplostim or standard of care in patients with immune thrombocytopenia.
    N Engl J Med 2010;363:1889-99. PMID:21067381
    [Medline]


  • Boccia R, Kuter DJ, Rummel MJ, et al.
    The Effects of Romiplostim or Standard of Care (SOC) on Splenectomy and Treatment Failure of Patients Who Had Immune Thrombocytopenia (ITP) for Less Than or Equal to One Year.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 3702
    [Abstract online]


  • Squizzato A, Ageno W.
    The 8th American College of Chest Physicians Guidelines - A perspective on venous thromboembolism guidelines.
    Thromb Haemost 2009;101:31-5. PMID:19132186
    [Medline]