Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Aktuelle Ergebnisse der EXTEND-Studie zu Sicherheit und Wirksamkeit von Eltrombopag bei Erwachsenen mit chronischer ITP von Juni 2006 bis Februar 2010

Titel des Originals:

EXTEND Study Update: Safety and Efficacy of Eltrombopag In Adults with Chronic Immune Thrombocytopenia (ITP) From June 2006 to February 2010

Abstract-Nr.:

67

Jahr:

2010

Original im Internet:

Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 67

Autor/en:

Mansoor N. Saleh, Gregory Cheng, MD, PhD2, James B. Bussel, MD3, Huiping Sun4, Bhabita Mayer, MSc5, Christine Bailey, PhD6 and Andres Brainsky, MD6

Institution/en:

1Georgia Cancer Specialists, Atlanta, GA; 2The Chinese University of Hong Kong, Hong Kong SAR, China; 3Departments of Pediatrics and Medicine, Division of Hematology, Weill Medical College of Cornell University, New York, NY; 4Heamatology Department, Shanghai Rui Jin Hospital, Shanghai 200025, China; 5GlaxoSmithKline, Stockley Park West, Uxbridge, Middlesex, UB11 1BT, United Kingdom; 6GlaxoSmithKline, Collegeville, P

Zusammenfassung des Berichts

Eltrombopag ist auch in der Langzeitanwendung wirksam und sicher.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Um Sicherheit und Wirksamkeit von Eltrombopag in der langfristigen Therapie besser evaluieren zu können, wurde allen Teilnehmern an vorhergehenden Eltrombopag-Studien ermöglicht, nach Abschluss dieser Studien in eine langfristige Therapiestudie zu wechseln.

Fragestellung der Studie

  1. Welche Dosis ist minimal notwendig, um die Thrombozytenzahl >100.000/µl zu halten und dass Begleitmedikationen reduziert/abgesetzt werden können.
  2. Welche Dosis ist minimal notwendig, um die Thrombozyten >50.000/µl zu halten (unabhängig von Begleitmedikation).
  3. Welche Wirkung hat Eltrombopag in einer zeitlich unbegrenzten Dauertherapie und welche Nebenwirkungen treten auf.

Art der Studie

Einarmig, nicht randomisiert, multizentrisch

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Alle Patienten aus den Verum- und Placebo-Armen von 4 vorhergehenden Studien wurde die Teilnahme an dieser Dauertherapie-Studie angeboten. Mit der Zulassung und kommerziellen Verfügbarkeit von Eltrombopag seit 2009 wurde die Studienteilnahme von allen Patienten, die mehr als 2 Jahre in dieser Dauerstudie waren und sind, wieder beendet.

Ergebnisse, Toxizität

299 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, 8% haben bis jetzt die Studie beendet und 41% wurden ausgeschlossen. Hauptgründe für Studienausschluss waren Nebenwirkungen, Entscheidung des Patienten, fehlende Wirksamkeit.
Die überwiegende Zahl der Patienten hatten bei Studieneinschluss eine Thrombozytenzahl <50.000/µl, 13% waren aber auch >50.000. 33% wurden initial parallel zu Eltrombopag mit anderen ITP-Therapien behandelt.
Zum Zeitpunkt der Analyse betrug die mediane Einnahmezeit von Eltrombopag im Rahmen der Studie 100 Wochen.

Die überwiegende Zahl der Patienten konnte Belgeitmedikation reduzieren bzw. absetzen (Zahl nicht notiert) - (Studienziel 1).
87% erreichten eine Thrombozytenzahl >50.000/µl (Studienziel 2).

Bzgl. Der Wirksamkeit hatten bei Studieneinschluss 56% der Patienten Blutungssymptome, nach 104 Wochen nur noch 20% (alle Blutungsgrade 1-4). Klinisch relevante Blutungen (Grade 2-4) fielen im gleichen Zeitraum von 16% auf 7%.
Hauptnebenwirkungen waren Kopfschmerzen, nasopharyngeale Beschwerden, Infektionen der oberen Atemwege. 13% der Patienten beendeten die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen. 5% der Patienten entwickelten Thromboembolien (8 Thrombosen, 4 Herzinfarkte). Leberwerterhöhungen traten bei 10% der Patienten auf. Alle diese waren reversibel und das in den meisten Fällen unter weiterlaufender Therapie. Nur 2% mussten wegen Lebertoxizität die Therapie beenden.
Bei mehr als 150 Patienten wurde das Knochenmark nach mindestens 1 Jahr Eltrombopag-Therapie untersucht, und es fand sich keine relevante Faservermehrung (Anmerkung: entscheidend ist hier das Wort "relevant". Im letzten Jahr wurde bei Eltrombopag-Patienten sehr wohl eine Retikulinfaser-Vermehrung gefunden, diese war jedoch asymptomatisch und wurde deshalb als "klinisch nicht relevant" bewertet [Saleh MN 2009 ASH Abstr. 1326] ).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Eltrombopag kann die Thrombozytenzahl wirksam über 50.000/µl halten und Blutungen reduzieren. Hepatobiliäre Nebenwirkungen müssen weiter beobachtet werden.

Kommentar / Beurteilung

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Eltrombopag dürfte ausreichend belegt sein. Diese Dauertherapie-Studie zeigt, dass auch unter langfristiger Therapie keine relevanten neuen Nebenwirkungen beobachtet werden.

Die Ausschlussquote von 41% (hauptsächlich wegen Nebenwirkungen) erscheint hoch. Die Patienten dieser Studie rekrutierten sich nämlich aus Patienten, die in vorhergehenden Studien bereits Eltrombopag eingenommen hatten (Verum-Arme) oder Placebo. Es ist nicht verwunderlich, wenn von den Placebo-Patienten viele auf Eltrombopag ansprachen, einige aber nicht (mit Eltrombopag kann man ein Ansprechen bei 80%, ein Therapieversagen bei ca. 20% der Patienten erwarten). Es wäre aber interessant gewesen zu erfahren, wie viele Patienten, die vorher in den Verum-Armen waren, also bereits Eltrombopag eingenommen hatten, jetzt in der Dauertherapie keine Wirksamkeit mehr zeigten oder aus anderen Gründen abbrechen mussten, obwohl sie vorher das Medikament schon hatten. Es wäre auch wichtig zu wissen, was diese Gründe waren. Dies konnte vom Referenten nicht angegeben werden.

In einer weiteren Publikation [Bussel JB 2010 ASH Abstr. 70] wurde noch einmal betont, dass Thromboembolien im Verum-Arm der Studien zwar höher sind als im Placebo-Arm (in dem die Patienten dafür mehr bluten). Dass Thromboembolien aber nicht mit längerer Eltrombopag-Therapie vermehrt auftreten, und dass sich auch kein zeitlicher Zusammenhang mit besonders hohen Thrombozytenwerten herstellen lässt. Auch andere ITP-Therapien (i.v. Immunglobuline, Splenektomie, Steroide, etc.) sind mit Thromboembolien assoziiert. Es handelt sich wohl eher um eine krankheits- als eine therapieassoziierte Komplikation.

Eine weitere interessante Indikation ist die Gabe von Eltrombopag nur präoperativ, um die Thrombozytenzahl kurzfristig in einen sicheren Bereich zu bringen [Tarantino MD 2010 ASH Abstr. 2511].

Auch auf die Abstracts zu Eltrombopag bei May-Hegglin- bzw. MYH9-Mutationen [Pecci A 2010 ASH Abstr. 2533] und bei Wiskott-Aldrich-Syndrom wird verwiesen [Bussel JB 2010 ASH Abstr. 1429].


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. A. Matzdorff

Institution:

Klinik für Hämatologie und Onkologie, Caritasklinik St. Theresia, Rheinstraße 2, 66113 Saarbrücken

Letzte Änderung:

13.12.2010



Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Saleh MN, Bussel JB, Meyer O, et al.
    Results of Bone Marrow Examinations in Patients with Chronic Immune Thrombocytopenic Purpura Treated with Eltrombopag.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2009 114: Abstract 1326
    [Abstract online]


  • Bussel JB, Cheng G, Saleh MN, et al.
    Incidence of Thromboembolic Events Across Eltrombopag Clinical Trials In Chronic Immune Thrombocytopenia (ITP).
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 70
    [Abstract online]


  • Tarantino MD, Fogarty PF, Mayer B, et al.
    Hemostatic Challenges In Patients Treated with Eltrombopag.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 2511
    [Abstract online]


  • Pecci A, Klersy C, Gresele P, et al.
    Eltrombopag for the Treatment of the Inherited Thrombocytopenia Deriving From MYH9 Mutations.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 2533
    [Abstract online]


  • Bussel JB, Frelinger AL, Mitchell WB, et al.
    Platelet Function and Response to Thrombopoietin Mimetics In Wiskott-Aldrich Syndrome/Xlinked Thrombocytopenia.
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2010 116: Abstract 1429
    [Abstract online]


  • Squizzato A, Ageno W.
    The 8th American College of Chest Physicians Guidelines - A perspective on venous thromboembolism guidelines.
    Thromb Haemost 2009;101:31-5. PMID:19132186
    [Medline]