Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Zytotogenetisches und molekulares Ansprechen auf Imatinib bei CML mit ungünstigem Sokal-Index: Ergebnisse einer prospektiven Studie des Europäischen Leukämienetzes zum Vergleich von 400 mg und 800 mg Imatinib von Anfang an

Titel des Originals:

Cytogenetic and Molecular Response to Imatinib in High Risk (Sokal) Chronic Myeloid Leukemia (CML): Results of An European Leukemianet Prospective Study Comparing 400 Mg and 800 Mg Front-Line

Abstract-Nr.:

185

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Michele Baccarani, Fausto Castagnetti, Bengt Simonsson, Kimmo Porkka, Ibrahim C. Haznedaroglu, Arnon Nagler, Francesca Palandri, Giovanna Rege Cambrin, Luciano Levato, Fausto Palmieri, Elisabetta Abruzzese, Ugur Özbek, Veli Kairisto, Hans Bostrom, Johann Lanng Nielsen, Henrik Hjorth-Hansen, Ole Weis-Bjerrum, Nicoletta Testoni, Giovanni Martinelli, Fabrizio Pane, Giuseppe Saglio and Gianantonio Rosti

Institution/en:

Department of Hematology and Oncological Sciences, University of Bologna, Bologna, Italy

Zusammenfassung des Berichts

Kein signifikanter Vorteil für die mit der höheren Imatinib-Dosis behandelte Patientengruppe, aber höhere zytogenetische Remissionsraten bei Patienten, die die hohe Imatinib-Dosis tolerierten.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Da es Hinweise darauf gibt, dass die Wirksamkeit von Imatinib konzentrations- und damit dosisabhängig ist, sollte der Effekt einer Dosisverdoppelung im randomisierten Vergleich zur Standarddosis evaluiert werden. Aufgenommen in die Studie wurden nur Patienten mit ungünstigem Sokal-Index, da in dieser Gruppe am ehesten mit einem Wirkungsunterschied gerechnet wurde.

Fragestellung der Studie

Randomisierter Vergleich 400 mg vs. 800 mg Imatinib bzgl. zytogenetischer und molekularer Ansprechrate nach 3, 6 und 12 Monaten.

Art der Studie

Randomisierte Phase-II/III-Studie, nicht verblindet

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

217 nicht vorbehandelte Patienten mit CML in chronischer Phase und ungünstigem Sokal-Index (alle >1,2; im Median 1,56), medianes Alter 51 Jahre. 400 mg bzw. 800 m täglich Imatinib von Anfang an. Mittlere Nachbeobachtungszeit 26 Monate.

Ergebnisse, Toxizität

 400 mg Imatinib800 mg Imatinib
Vorzeitige Therapiebeendigung27%31%
davon Therapieversagen17%15%
CCR  3 Monate19%25%
CCR  6 Monate50%52%
CCR 12 Monate58%64%
MMR  3 Monate  7%12%
MMR  6 Monate25%31%
MMR 12 Monate33%40%
4-Jahres-EFS (geschätzt)66%62%
4-Jahres-FFS (geschätzt)72%74%
4-Jahres-OS (geschätzt)84%91%
CCR = komplette zytogenetische Remission (kein Philadelphia-Chromosom nachweisbar); MMR = gute molekulare Remission (bcr-abl/abl <0,1); EFS = ereignisfreies Überleben; PFS = progressionsfreies Überleben; OS = Gesamtüberleben

Im Therapiearm mit 800 mg Imatinib konnte diese volle Dosis nur bei 51% der Patienten nach 12 Monaten noch gegeben werden, umgekehrt erhielten 11% <400 mg. In einer retrospektiven Subgruppenanalyse betrug die Rate an kompletten zytogenetischen Remissionen nach 12 Monaten 91% für die Patienten, deren tatsächliche Tagesdosis 700-800 mg Imatinib betrug, und 50% bei den Patienten mit Tagesdosen von 400-699 mg, jedoch nur 21% bei den Patienten, die <400 mg erhielten.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Kein signifikanter Vorteil für die doppelte Imatini-Dosis in dieser Studie mit CML-Patienten und ungünstigem Sokal-Index, aber höhere zytogenetische Remissionsraten bei den Patienten, die die hohe Imatinibdosis tatsächlich tolerieren.

Kommentar / Beurteilung

Eine weitere Studie (vgl. ONKODIN ASH-Report zu Abstract 183: SPIRIT-Studie), in der im randomisierten Vergleich eine Überlegenheit für den hochdosierten Imatinib-Arm nicht belegt werden konnte. Kritisch anzumerken ist jedoch die geringe Patientenzahl, wobei die Beschränkung auf Sokal-Risikopatienten dies nicht notwendigerweise ausgleicht, da keinesfalls erwiesen ist, dass ein eventueller Effektivitätsunterschied zwischen den Imatinib-Dosierungen gerade in der Gruppe der Patienten mit ungünstigem Index zum tragen kommt. Weiterhin ist die Bedeutung einer möglichst kurzen Zeit bis zum Auftreten einer zytogenetischen / molekularen Remission für die Gesamtprognose unbestimmt (vgl. 7-Jahres-Daten der IRIS-Studie: [O’Brien SG 2008 ASH Abstract 186]). Schließlich sollten Angaben zu hochgerechneten 4-Jahres-Raten (für EFS, FFS und OS) bei einer medianen Nachbeobachtung von 26 (!) Monaten (zumal bei der kleinen Fallzahl) unterbleiben.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Frank Hartmann

Institution:

Medizinische Klinik II, Klinikum Lippe-Lemgo, Rintelner Str. 85, 32657 Lemgo

Letzte Änderung:

29.12.2008


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Stephen G O’Brien, François Guilhot, John M Goldman, Andreas Hochhaus, Timothy P Hughes, Jerald P. Radich, Marc Rudoltz, Jeiry Filian, Insa Gathmann, Brian J. Druker, and Richard A. Larson.
    International Randomized Study of Interferon Versus STI571 (IRIS) 7-Year Follow-up: Sustained Survival, Low Rate of Transformation and Increased Rate of Major Molecular Response (MMR) in Patients (pts) with Newly Diagnosed Chronic Myeloid Leukemia in Chronic Phase (CMLCP) Treated with Imatinib (IM).
    Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2008 112: Abstract 186
    [Abstract online]