Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Randomisierter Vergleich von Imatinib mit Imatinib-Kombinationstherapien bei neu diagnostizierter CML in chronischer Phase: Erste Ergebnisse der SPIRIT-Phase-III-Studie der französischen CML-Gruppe

Titel des Originals:

Randomized Comparison of Imatinib Versus Imatinib Combination Therapies in Newly Diagnosed Chronic Myeloid Leukaemia (CML) Patients in Chronic Phase (CP): First Results of the Phase III (SPIRIT) Trial from the French CML Group (FI LMC)

Abstract-Nr.:

183

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Francois Guilhot, François-Xavier Mahon, Joelle Guilhot, Francoise Rigual-Huguet, Frederic Maloisel, Philippe Rousselot, Martine Gardembas, Selim Corm, Agnes Guerci, Anne Vekhoff, Gabriel Etienne, Laurence Legros, Jean-Jacques Kiladjian, Eric Jourdan, Michele Schoenwald, Marc Berger, Virginie Eclache, Catherine Roche-Lestienne, Franck E Nicolini, and Claude Preudhomme

Institution/en:

Cic 802 Inserm, CHU de Poitiers, Poitiers, France

Zusammenfassung des Berichts

Im Vergleich zu Imatinib 600 mg täglich und Imatinib in Kombination mit niedrig dosiertem Ara-C scheint die kombinierte Gabe von Imatinib 400 mg zusammen mit PEG-Interferon-alpha in der Ersttherapie der CML in chronischer Phase die größten Verbesserungen bezüglich des Erreichens einer kompletten zytogenetischen Remission und eines guten molekularen Ansprechens im Vergleich zum Standard Imatinib 400 mg täglich zu bewirken.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Da Interferon-alpha zytogenetisches / molekulares Ansprechen bei CML erzielen kann und die Wirksamkeit durch niedrig-dosiertes Ara-C gesteigert wird, ergibt sich die Frage, ob in der Kombination mit dem neuen Therapiestandard Imatinib dessen Wirksamkeit eventuell noch verbessert werden kann, und wie effektiv im Vergleich hierzu eine Dosissteigerung von Imatinib ist.

Fragestellung der Studie

Paarweiser Vergleich zweier Imatinib-Kombinationstherapien (mit Ara-C bzw. PEG-IFN) sowie einer dosisgesteigerten Imatinib-Therapie (600 mg) mit Imatinib in Standarddosis (400 mg) anhand der Endpunkte komplette zytogenetische Remission und gute molekulare Remission nach 6 bzw. 12 Monaten, und um den wirkungsvollsten Experimentalarm für weitere randomisierte Studien zu identifizieren.

Art der Studie

Multizentrische, prospektiv randomisierte Phase-III-Studie, nicht verblindet

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

636 nicht vorbehandelte Patienten mit CML in chronischer Phase, Alter 18-82 Jahre (median: 51), Sokal-Index: 37% "low risk", 39% "intermediate risk" und 24% "high risk".

  • Standardarm: Imatinib 400 mg tgl.
  • Studienarme: Imatinib 600 mg tgl.
  • Imatinib 400 mg tgl. + Ara-C (20 mg/m² tgl. Tag 15-28, alle 4 Wochen).
  • Imatinib 400 mg tgl. + PEG-Interferon-alpha2a (90 µg wöchentlich).

Mediane Nachbeobachtungszeit 37 Monate.

Ergebnisse, Toxizität

 Imatinib 400 mgImatinib 600 mgImatinib + Ara-CImatinib + PEG-IFN
CCR nach 6 Monate49%68%56%56%
CCR nach 12 Monate55%62%63%65%
MMR nach 6 Monate20%*31%23%39%*
MMR nach 12 Monate38%*49%46%57%*
OMR15%*18%15%30%*
* signifikant
CCR = komplette zytogenetische Remission (kein Philadelphia-Chromosom nachweisbar); MMR = gute molekulare Remission (bcr-abl/abl <0,1); OMR = "optimal molecular response" (bcr-abl/abl <0,01 nach 12 Monaten)

Hämatologische Toxizität Grad 3/4 bei 8-40% der Patienten und nicht-hämatologische Toxizität bei 19-31% mit den höheren Toxizitäten in den Kombinationsarmen.

Dosisreduktion bei 36% der Patienten der Gruppe Imatinib 600 mg und in der Gruppe Imatinib+PEG-IFN auf mittlere Wochendosis von 54 µg. 35% bzw. 26% der Patienten unterbrachen die Gabe von PEG-IFN bzw. Ara-C innerhalb von einem Jahr

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Trotz Dosisreduktion bzw. vorzeitiger Beendigung der PEG-Interferon-Gabe bei einer nennenswerten Anzahl von Patienten erscheint die signifikant höhere molekulare Ansprechrate unter der Kombinationstherapie mit Imatinib + PEG-IFN interessant für weitere Vergleichsstudien mit Imatinib 400 als Standard.

Kommentar / Beurteilung

Sinnvoller Ansatz zur Identifizierung von Therapiestrategien mit Verbesserungspotenzial im Vergleich zum Imatinib-Standard. Inwieweit die gewählten Studienendpunkte geeignete Surrogatmarker für progressionsfreies Überleben, Gesamtüberleben oder auch "Eradikation der leukämischen Stammzelle" sind, bleibt abzuwarten.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Frank Hartmann

Institution:

Medizinische Klinik II, Klinikum Lippe-Lemgo, Rintelner Str. 85, 32657 Lemgo

Letzte Änderung:

29.12.2008