Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason als Erstlinientherapie bei neu diagnostiziertem multiplem Myelom - bemerkenswerte Wirksamkeit in einer Phase-I/II-Studie bei Hochrisikopatienten

Titel des Originals:

Lenalidomide, Bortezomib, and Dexamethasone in Patients with Newly Diagnosed Multiple Myeloma: Encouraging Efficacy in High Risk Groups with Updated Results of a Phase I/II Study

Abstract-Nr.:

92

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Paul Richardson, Sagar Lonial, Andrzej Jakubowiak, Sundar Jagganath, Noopur S. Raje, David Avigan, Irene M. Ghobrial, Robert L. Schlossman, Amitabha Mazumder, Nikhil C.Munshi, David H. Vesole, Robin Joyce, Deborah Doss, Diana L. Warren, Stephen W. Hayes, Sarah Kaster, Carol Delaney, Marisa Lauria, Constantine Mitsiades, Teru Hideshima, Robert D. Knight, Dixie-Lee Esseltine, and Kenneth C. Anderson

Institution/en:

Dana Faber Cancer Institute, Boston, MA, USA; Hematology and Medical Oncology, Emory University, Atlanta, GA, USA; Univ. of Michigan Comprehensive Cancer Center, Ann Arbor, MI; USA; St Vincent’s Comprehensive Cancer Center, New York, NY, USA; Massachusetts General Hospital, Boston, MA, USA; Beth Israel Deaconneth Medical Center, Boston, MA, USA; Celgene Corporation, Summit, NJ, USA; Millennium Pharmaceuticals: The Takeda Oncology Company, Cambridge, MA, USA

Zusammenfassung des Berichts

Lenalidomid, Bortezomib und Dexamethason sind auf höchster geplanter Dosisstufe gut verträglich und zeigen eine bemerkenswerte Wirksamkeit trotz zytogenetischer Aberrationen.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die Wirksamkeit von Lenalidomid/Dexamethason und Bortezomib/Dexamethason sowie diejenige der Kombination Lenalidomid/Bortezomib (mit und ohne Dexamethason) im Rezidiv lassen einen guten Therapieerfolg dieses Protokolls auch als Erstlinientherapie erwarten.

Fragestellung der Studie

Primärer Endpunkt: Bestimmung der maximal tolerablen Dosis der Kombination aus Lenalidomid/Bortezomib/Dexamethason (RVD); sekundäre Endpunkte: Bestimmung der Sicherheit und der Wirksamkeit (nach vier und acht Zyklen).

Art der Studie

Offene, multizentrische, einarmige Studie der Phase I/II

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

RVD-Protokoll:
Lenalidomid 15-25 mg p.o. Tag 1-14; Bortezomib 1,0 oder 1,3 mg/m² Tag 1, 4, 8, 11 i.v., Dexamethason 40 mg (20 mg ab 5. Zyklus) je am Bortezomib- und am folgenden Tag. Maximal acht dreiwöchige Zyklen. Vier vorgesehene Dosisstufen bei unveränderter Dexamethasondosis: Lenalidomid 15/Bortezomib 1,0; Lenalidomid 15/Bortezomib 1,3; Lenalidomid 25/Bortezomib 1,0; Lenalidomid 25/Bortezomib 1,3.

Ergebnisse, Toxizität

Auf dem Boden von Verträglichkeitsdaten wurde eine fünfte Dosisstufe hinzugefügt: Lenalidomid 25/Bortezomib 1,3/Dexamethason 20 mg -> 10 mg ab Zyklus 5.

Bei 66 auswertbaren Patienten zeigt sich eine Inzidenz von Neuropathie Grad 1-3 von 42%; 2 Patienten erlitten eine schwerwiegende Neurotoxitität. Es wurden nur wenige Fälle thromboembolischer Komplikationen beobachtet.

Die Gesamtansprechrate (inkl. "minor response") liegt bei 100%. 26% der Patienten erreichten eine Komplettremission mit negativer Immunfixation, weitere 18% mit positiver Immunfixation. Dreiviertel der Patienten erreichten eine mehr als 90%ige Paraproteinreduktion. Das Ansprechen zeigte sich unabhängig vom Vorliegen der chromosomalen Aberrationen del(13q14) oder t(4;14).
Die Stammzellgewinnung war bei 21 von 23 Patienten problemlos; bei 15 Patienten liegen Daten zur autologen Transplantation vor, die jeweils problemlos verlief. Medianes krankheitsfreies und Gesamtüberleben sowie mediane Zeit bis zur Progression sind nach einer Nachbeobachtungszeit von 8 Monaten noch nicht erreicht.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Kombination von Lenalidomid, Bortezomib und niedrig dosiertem Dexamethason zeigt bei insgesamt guter Verträglichkeit schon nach wenigen Zyklen erstaunlich hochwertige (tiefe) Remissionen, ohne die Stammzellgewinnung und -transplantation negativ zu beeinflussen.

Kommentar / Beurteilung

Die Kombinationstherapie "RVD" zeigt bei praktisch allen behandelten Patienten ein signifikantes Ansprechen unabhängig von der Risikosituation. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Remissionen in eine ebenso beeindruckende progressions- und behandlungsfreie Zeit umsetzen lassen. Völlig unklar ist, mit welchem Befallsmuster Patienten nach einer solchen Initialtherapie rezidivieren und ob solche Rezidive zu kontrollieren sein werden.


Autor des Berichts:

Dr. med. Stefan Knop

Institution:

Medizinische Klinik und Poliklinik II; Universitätsklinikum Würzburg; Klinikstraße 6-8; 97070 Würzburg

Letzte Änderung:

02.01.2009