Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Lenalidomid, Cyclophosphamid und niedrig dosiertes Dexamethason als Erstlinientherapie bei multiplem Myelom - eine Phase-II-Studie

Titel des Originals:

Phase II Trial of Lenalidomide with Cyclophosphamide and Dexamethasone (RCd) for Newly Diagnosed Myeloma

Abstract-Nr.:

91

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Shaji Kumar, Suzanne Hayman, Francis Buadi, Martha Lacy, Keith Stewart, Jacob Allred, Tammy McCarty, Leif Bergsagel, David Dingli, Rafael Fonseca, Morie Gertz, Philip Greipp, John Lust, Stephen Russell, Craig Reeder, Thomas Witzig, Steven Zeldenrust, Robert Kyle, S. Vincent Rajkumar, and Angela Dispenzieri

Institution/en:

Hematology, Mayo Clinic, Rochester, MN, USA; Mayo Clinic Scottsdale, Scottsdale, AZ, USA

Zusammenfassung des Berichts

Lenalidomid in Standarddosierung mit niedrig dosiertem Dexamethason und Cyclophosphamid 300 mg abs. (Tag 1, 8, 15 eines vierwöchigen Zyklus) zeigt bei guter Verträglichkeit nach vier Zyklen ein Gesamtansprechen von 78% (davon 35% sehr gute partielle (VGPR) und komplette Remissionen (CR)).

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die Kombination von Lenalidomid und niedrig dosiertem Dexamethason zeigte in einer randomisierten Vergleichsstudie eine exzellente Wirksamkeit bei (im Vergleich mit konventionell dosiertem Dexamethason) geringer Toxizität. Von der Hinzunahme einer weiteren aktiven Substanz könnte man eine prinzipiell noch verbesserte Tiefe der Remissionen erwarten.

Fragestellung der Studie

Primärer Endpunkt: Wirksamkeit nach EBMT/IMWG-Kriterien; sekundäre Endpunkte: Nebenwirkungsrate, Gesamtüberleben, progressionsfreies Überleben; Stammzellgewinnung.

Art der Studie

Offene, bizentrische, einarmige Studie der Phase II

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

RCd-Protokoll:
Lenalidomid 25 mg p.o. Tag 1-21; Dexamethason 40 mg p.o., Tag 1, 8, 15, 22; Cyclophosphamid 300 mg/m² (Kohorte 1) bzw. Cyclophosphamid 300 mg abs. (Kohorte 2) Tag 1, 8, 15. Einschluss von Patienten mit nicht vorbehandeltem Myelom, behandlungsbedürftig und mit messbaren Krankheitsparametern. Prospektive Analyse von Toxizität und Wirksamkeit (auf einer "Intention-to-treat Basis").

Ergebnisse, Toxizität

Auswertung von 53 Patienten (37-82 Jahre), die im Median 4 (1-20) Zyklen RCd erhielten. Die Autoren konnten nach vier Zyklen eine Gesamtansprechrate von 78% belegen; 35% der Patienten erreichten eine Paraproteinreduktion von 90% oder mehr; 53% von 50% oder mehr im Sinne einer partiellen Remission. Die mediane Zeit der Studientherapie betrug 4,9 Monate. Die Ansprechdauer zeigt eine projizierte Rate von 68% progressionsfreiem Überleben nach zwei Jahren. Das Ansprechen und die Ansprechqualität unterschieden sich nicht signifikant zwischen Standard- und Hochrisikopatienten.

Man fand hauptsächlich hämatologische Nebenwirkungen; sechs Patienten erlitten Grad-4-Nebenwirkungen nicht-hämatologischer Natur (Thrombose, Verwirrtheit, Sepsis, Depression). Ein Patient starb nach Abschluss der Studie an einer zerebralen Blutung. Bei 22 von 30 Patienten konnten beim ersten Versuch eine ausreichende Anzahl an peripheren Blutstammzellen mobilisiert werden; nur bei vier der restlichen acht Patienten blieben auch weitere Versuche erfolglos.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Kombination von Lenalidomid in Standarddosis, niedrig dosiertem Dexamethason und 300 mg Cyclophosphamid absolut einmal wöchentlich induziert Remissionen von sehr guter Qualität und ist hauptsächlich mit hämatologischer Toizität verbunden.

Kommentar / Beurteilung

Die Kombinationstherapie "RCd" zeigt eine gute Wirksamkeit in der Primärtherapie des multiplen Myeloms und unterstreicht erneut, dass klassische Zytostatika in der Ära der "neuen Substanzen" keineswegs "tot sind". Der Stellenwert von RCd in einem Gesamtkonzept bzw. die Indikation der autologen Transplantation nach RCd-Induktion muss aktuell als unklar beschrieben werden.


Autor des Berichts:

Dr. med. Stefan Knop

Institution:

Medizinische Klinik und Poliklinik II; Universitätsklinikum Würzburg; Klinikstraße 6-8; 97070 Würzburg

Letzte Änderung:

02.01.2009