Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Hochauflösende molekulare Analyse von Patienten mit 5q- Syndrom bei Diagnose und während Lenalidomid-Therapie

Titel des Originals:

High Resolution Molecular Analysis of 5q- Syndrome Patients at Diagnosis and Following Lenalidomide Therapy

Abstract-Nr.:

225

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Azim M Mohamedali, Nicholas Lea, Natalie Twine, Joop Gaken, Rajani Chelliah, Nigel Westwood,and Ghulam J Mufti

Institution/en:

Dept. of Haematological Medicine, Kings College London, London, United Kingdom

Zusammenfassung des Berichts

Die hochauflösende molekulare Analyse beim MDS mit 5q- Syndrom zeigt, dass der Genbereich der Deletion größer ist, weitere Aberrationen und Genveränderungen vorkommen. Auch bei hämatologischem Ansprechen sind veränderte Gene und Genexpressionen vorhanden, die der Immunregulation und Erythropoetinwirkung entsprechen.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das 5q- Syndrom ist charakterisiert durch makrozytäre Anämie, normale bis erhöhte Thrombozytenzahlen, Dyserythropoese, hypolobulierte Megakaryozyten und eine interstitielle Deletion des langen Armes von Chromosom 5(q31-q32).

Fragestellung der Studie

Es sollten die 5q- Region genauer untersucht und unentdeckte chromosomale Aberrationen in CD34+-Zellen und konstitutionellem Gewebe gesucht werden.

Art der Studie

Prospektiv, "Matched-pair"-Vergleichsstudie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

  • 17 Patienten, bei Diagnose nach hämatologischer Remission unter Lenalidomid (n=9)
  • Alter 67 (43-81) Jahre
  • 10 altersmäßig passende Kontrollen
  • CD34+-Knochenmarkzellen
  • Genotypisierung: Affymetrix 250 K Sty I Arrays
  • Genexpressions-Untersuchungen: Affymetrix U133 plus 2.0 Arrays

Ergebnisse, Toxizität

Bei 10 von 17 Patienten wurden zusätzliche Karyotyp-Anomalien in der Genregion 5q23.3 - 5q33.2 gefunden. Außerdem wurden kryptische Deletionen und Insertionen uniparentale Disomie (UPD) nachgewiesen.

Die Untersuchung der Genexpressionsprofile und die "Gene-Set-Enrichment-Analysis" zeigte eine Überexpression von Genen, die bei der Immunregulation involviert sind. Auch der Erythropoetin-Pathway ist überexprimiert, sowohl beim 5q- und Ansprechern im Vergleich zu Gesunden. Auf Lenalidomid ansprechende Patienten bilden keinen Cluster mit normalen Kontrollen.

2 von 4 Patienten, die eine AML entwickelten, hatten zusätzliche Variationen der DNA-Kopienzahl. Auch wenn hämatologische Remissionen erreicht werden, bestehen die nachgewiesenen Veränderungen weiter.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Das 5q- Syndrom umfasst eine weitere Genregion (5q23.3 - 5q33.2) als bisher angenommen. Zusätzliche Aberrationen und kryptische Veränderungen konnten nachgewiesen werden. Die Veränderungen persistieren auch nach hämatologiscer Remission auf Lenalidomid, auch nach vollständigem Verschwinden des 5q- Zellklons. Die Beteiligung von Genen der Immunregulation weist auf den möglichen Wirkmechanismus von Lenalidomid hin.

Kommentar / Beurteilung

Die Wirkung von Lenalidomid beim 5q- Syndrom ist noch nicht gut erklärt. Es ist daher wichtig, Subgruppen der Erkrankung zu definieren und die Pathophysiologie weiter aufzuklären. Interessant ist, dass auch bei Ansprechen auf Lenalidomid ohne den nachgewiesenen 5q- Zellklon, weiterhin Genveränderungen und veränderte Genexpressionen vorliegen.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Hartmut Link

Institution:

Medizinische Klinik I, Westpfalz-Klinikum, 67653 Kaiserslautern

Letzte Änderung:

23.12.2008