Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Hämatopoetische Regeneration und Gesamtüberleben nach HLA-gematchter Geschwister-Transplantation für ältere Patienten mit schwerer aplastischer Anämie

Titel des Originals:

Hematopoietic Recovery and Overall Survival after HLA-Matched Sibling Transplants for Older Patients with Severe Aplastic Anemia (SAA)

Abstract-Nr.:

2169

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Vikas Gupta, Jeanette Carreras, Ruta Bajorunaite, Robert Peter Gale, Mitchell Sabloff, Mahmoud Aljurf, Hubert Schrezenmeier, Gerard Socié, Jakob Passweg, Olle Ringdén, Ricardo Pasquini, Judith Marsh, Mary Eapen

Institution/en:

Princess Margaret Hospital, Toronto, ON, Canada, Medical College of Wisconsin, Center for International Blood and Marrow Transplant Research, Milwaukee, WI, Celgene Corp., Summit, NJ, Ottawa Hospital, Ottawa, ON, Canada, King Faisal Specialist Hospital and Research Centre, Riyadh, Saudi Arabia, Institute of Transfusion Medicine, University of Ulm, Ulm, Germany, Hopital Saint-Louis, Paris, France, Hopitaux Universitaires de Geneve, Geneve, Switzerland, Karolinska Institutet, Stockholm, Sweden, Universidade Federal do Paraná, Curitiba, Brazil, King’s College Hospital, London, United Kingdom, Medical College of Wisconsin, Milwaukee, WI

Zusammenfassung des Berichts

Das Überleben älterer Patienten mit aplastischer Anämie ist im Vergleich zu jüngeren Patienten deutlich eingeschränkt. Mögliche Risikofaktoren sind das längere Intervall zwischen Diagnosestellung und Transplantation, höhere Bluttransfusionsrate sowie niedrigerer Allgemeinzustand der Patienten zum Transplantationstermin.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das Langzeitüberleben nach HLA-gematchter, familienallogener Transplantation bei schwerer aplastischer Anämie liegt bei Patienten unter 20 Jahren bei 80 bis 90%. Bei älteren Patienten ist das Überleben bekanntlich schlechter, obwohl wenig Zahlen dazu bekannt sind.

Fragestellung der Studie

Bestimmung von Risikofaktoren, die die hämatopoetische Regeneration nach Transplantation und das Langzeitüberleben der Patienten im höheren Alter beeinflussen.

Art der Studie

Registerstudie aus den beteiligten Zentren betreffend Patienten, die zwischen 1991 und 2004 transplantiert worden sind.

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Alle Konditionierungen, die in den beteiligten Zentren durchgeführt worden sind, die hämatopoetische Regeneration insbesondere als Neutrophilen-Regeneration und das Überleben der Patienten in Abhängigkeit von Elementen der Konditionierung (Fludarabin-haltig, Cyclophosphamid allein, Antithymozyten-haltig), von der Zeit der Diagnose bis zur Transplantation, vom Patientenalter, vom Transplantattypus (Knochenmark oder periphere Stammzellen) und vom Allgemeinzustand der Patienten bei Transplantation wurden erfasst.
Insgesamt wurden 1563 Patientenakten ausgewertet, davon waren 818 Patienten unter 20 Jahren, 618 Patienten zwischen 20 und 40 Lebensjahren und 127 älter als 40 Jahre.

Ergebnisse, Toxizität

Die Patienten im Alter von über 40 Jahren hatten zu einem höheren Anteil mehr als 50 Blutkonserven und zu einem höheren Anteil eine immunsuppressive Therapie erhalten, wiesen einen schlechteren Allgemeinzustand zum Zeitpunkt vor der Transplantation auf, und auch der Abstand von der Diagnosestellung bis zur Transplantation war in dieser Gruppe häufig länger: 40% hatten eine längere Wartezeit als 6 Monate im Vergleich zu den Patienten unter 40 Jahren, die zu <25% länger als 6 Monate warten mussten.

Die Neutrophilenregeneration am Tag +28 war in allen drei Altersgruppen gleich. Die Neutrophilenregeneration war niedriger in der Patientengruppe, die ausschließlich Cyclophosphamid bzw. Fludarabin-haltige Therapie zur Konditionierung erhielten. Die Thrombozytenregeneration war signifikant vermindert in der Gruppe der Patienten über 40 Jahre (89% vs. 95% in der Gruppe der Patienten unter 20 Jahre).

Das relative Risiko, innerhalb von 5 Jahren an der Transplantation zu versterben, war in der Gruppe der Patienten von über 40 Lebensjahren am höchsten (>40 vs. <20 Jahre: 3,25; 20-40 vs. <20 Jahre: 1,63; >40 vs. 20-40 Jahre: 2,00). Die Ergebnisse des relativen Risikos waren im Vergleich der verschiedenen Altersgruppen jeweils statistisch hoch signifikant. In der Patientengruppe von über 40-Jährigen ergab sich keine Subgruppe mit einem signifikant anderen Überleben. Unabhängig vom Alter war die Mortalitätsrate höher bei den Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand (relatives Risiko 1,92, p<0,001), Patienten mit anderen Cyclophosphamid- und Antithymozytenglobulin-haltigen Konditionierungsregimen (relatives Risiko 1,52, p=0,004), Patienten mit höherer Wartezeit als 6 Monaten zwischen Diagnose und Transplantation (relatives Risiko 1,57, p=0,001). Die Mortalität war niedriger, wenn Spender und Empfänger CMV-seronegativ waren. In dieser Studie hatte die Auswahl des Transplantattyps (Knochenmark versus periphere Blutstammzellen) keinen signifikanten Einfluss auf das Überleben der Patienten (p=0,169).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Das Überleben der Patienten über 40 war im Vergleich zu den jüngeren Patienten signifikant schlechter. Dabei könnte eine längere Wartezeit zwischen Diagnosestellung und Transplantation, höhere Zahlen an Bluttransfusionen vor sowie ein schlechterer Allgemeinzustand bei Transplantation eine Erklärung für die Überlebenszahlen sein. Aus den Analysen geht auch hervor, dass die Transplantationsergebnisse für die älteren Patienten mit schwerer aplastischer Anämie verbessert werden müssen.

Kommentar / Beurteilung

Diese retrospektive Analyse umfasst eine sehr große Zahl an transplantierten Patienten mit schwerer aplastischer Anämie von ausgesuchten Zentren mit anerkannter Expertise auf diesem Gebiet. Dennoch sind viele Teilergebnisse dieser Analysen mit Vorsicht zu nehmen, da das Patientenkollektiv im Gegensatz zu einer einheitlichen klinischen Studie sehr heterogen ist. Dies ist auch der Grund, warum eine Multivariatanalyse hier nicht durchgeführt wurde, die sich sonst bei einem so großen Patientenkollektiv angeboten hätte.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Innere Medizin I, Universitätsklinikum des Saarlandes, 66421 Homburg / Saar

Letzte Änderung:

26.01.2009