Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Zweite unverwandte Transplantation als Notfallstrategie für 122 Patienten mit primärem Transplantatversagen: Ergebnisse vom CIBMTR-Register

Titel des Originals:

Second Unrelated Donor (URD) Transplant as a Rescue Strategy for 122 Patients with Primary Non Engraftment: Results from the CIBMTR

Abstract-Nr.:

794

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Jeffrey Schriber, Manza-A Agovi, Karen Ballen, Andrea Bacigalupo, Gregory Hale, Vikas Gupta, Hillard Lazurus, Mark Litzow, David Marks, Roger Giller, Richard Maziarz, Martin Bornhäuser, Luis Isola, Chris Bredeson, J. Douglas Rizzo

Institution/en:

Banner Good Samaritan Medical Center, Phoenix, Arizona, USA

Zusammenfassung des Berichts

122 Patienten mit primärem Transplantatversagen erhielten eine zweite fremdallogene Stammzelltransplantation mit einem Gesamtengraftment von 48%. Dabei kam es zu einer erheblichen Frühmortalität von 75%.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Nur sehr begrenzte Daten sind bislang für die Patienten erhoben worden, bei denen es nach der ersten allogenen Transplantation zu einem Transplantatversagen gekommen ist.

Fragestellung der Studie

122 Patienten mit Transplantatversagen (definiert als Versagen, eine Neutrophilenzahl von >500/µl zu erreichen, ohne Evidenz eines Rezidivs der Grundkrankheit) wurden ausgewertet, die dem "National Marrow Donor Program" zwischen 1990 und 2005 gemeldet worden sind.

Art der Studie

Registerstudie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Die 122 Patienten wurden mit den folgenden Indikationen allogen transplantiert: Leukämie (n=83), MDS (n=16), aplastische Anämie (n=20), oder andere Erkrankungen (n=3). Das mediane Alter bei der ersten Transplantation war 29 Jahre. Knochenmark als Stammzellquelle wurde bei der ersten Transplantation in 84%, dagegen bei der zweiten Transplantation in 51% gewählt. Bei 24 Patienten wurde ein anderer Donor, bei 98 Patienten der gleiche Donor für die zweite Transplantation gewählt. Etwa zwei Drittel der Patienten erhielt eine reduzierte oder keine Konditionierung für die zweite Transplantation. 61% der Patienten erhielt ATG für die zweite Transplantation. Die mediane Zelldosis der ersten und auch der zweiten Transplantation war 2x 108/kg kernhhaltige Zellen.

Ergebnisse, Toxizität

Von 981 Patienten nach allogener Transplantation mit primärem Transplantatversagen wurden dem IBMTR-Register 122 Patienten einer zweiten fremdallogenen Stammzelltransplantation zugeführt (98 Transplantationen vom gleichen und 24 vom verschiedenen Spender). Dabei ist es zu einer erheblichen Frühmortalität (38% innerhalb der ersten 30 Tage und 75% innerhalb der ersten 100 Tage) gekommen. Todesursachen waren persistierendes Transplantatversagen (33%), interstitielle Pneumonie (22), Infektion (15%), Graft-versus-Host-Erkrankung (14%). Von den 33 Patienten mit persistierendem Transplantatversagen starben 21 (57%) an Infektionen. Nur 11% der Patienten waren nach einem Jahr noch am Leben. Unterschiede zwischen gleichem und verschiedenem Spender sowie in Abhängigkeit von der Stammzellquelle ergaben sich nicht. Bei T-Zelldepletion im ersten Transplantat war das Überleben bei nur 4/51 (8%) Patienten, bei erster Transplantation ohne T-Zelldepletion bei 16/71 (23%) Patienten.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die vorliegenden Daten sind enttäuschend; bei vorheriger T-Zelldepletion gar noch schlechter. Weitere Entwicklungen sind erforderlich, um den katastrophalen Verlauf nach primärem Transplantatversagen zu verbessern.

Kommentar / Beurteilung

Hierbei handelt es sich um die erste Datenzusammenstellung vom CIBMTR ("Center for International Blood and Marrow Transplant Research"), aus der hervorgeht, wie schlecht die Prognose nach primärem Transplantatversagen wirklich ist. Dabei handelt es sich nicht um die Ergebnisse eines einzelnen Zentrums, sondern um eine Registersammlung unter Beteiligung namhafter Transplantationszentren.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Innere Medizin I, Universitätsklinikum des Saarlandes, 66421 Homburg / Saar

Letzte Änderung:

26.01.2009