Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Prophylaktische Gabe von Rituximab nach Transplantation mit dosisreduzierter Konditionierung ergibt eine niedrige Rate an chronischer GvHD

Titel des Originals:

Prophylactic Rituximab after Reduced Intensity Conditioning Transplantation Results in Low Chronic GVHD

Abstract-Nr.:

466

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Sally Arai, Bita Sahaf, Carol Jones, James Zhender, Robert Lowsky, Samuel Strober, Judith Shizuru, Robert Negrin, Laura Johnston, Ginna Laport, Joanna Schaenman, Janice Brown, Wen-Kai Weng, Renee Letsinger, Balasubramanian Narasimhan, Philip Lavori, David Miklos

Institution/en:

Division of Blood and Marrow Transplantation, Stanford University Medical Center, Stanford, CA

Zusammenfassung des Berichts

Bei 36 Patienten mit CLL und Mantelzell-Lymphom erbrachte die prophylaktische Gabe von Rituximab an den Tagen 56, 63, 70 und 77 eine deutliche Verminderung von akuter (6%) und chronischer (20%) Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD).

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

B-Zellen wird eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der chronischen GvHD zugeschrieben. Somit ergibt sich die Frage, ob eine prophylaktische Depletion dieser Zellen das Auftreten der chronischen GvHD vermeiden oder ihren Schweregrad vermindern kann.

Fragestellung der Studie

Alle Patienten erhielten nach allogener Transplantation 4 Applikationen mit Rituximab. Endpunkte waren nicht-rezidivbedingte Mortalität am Tag +100 und ein Jahr nach Transplantation, die Inzidenz von akuter und chronischer GvHD, Donorchimärismus, Rezidivrate sowie die Immunrekonstitution und Immunglobulinspiegel.

Art der Studie

Prospektive Phase-II-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

22 Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) und 14 Patienten mit Mantelzell-Lymphom (MCL) erhielten eine Konditionierung bestehend aus totaler Lymphknotenbestrahlung (TLI) und Antithymozytenglobulin (ATG). Die primäre GvHD-Prophylaxe bestand aus Cyclosporin und Mycophenolat Mofetil. 20 Patienten verfügten über einen kompatiblen Geschwisterspender, 16 über einen nicht verwandten Spender. Die mittlere CD34-Zellzahl betrug 7,5x 106/kg. Alle bis auf einen Patienten hatten ein Anwachsen des Transplantates.

Ergebnisse, Toxizität

Der komplette Spenderchimärismus wurde bei 45% der Patienten am Tag +90 erreicht. Alle bis auf 5 Patienten erreichten den kompletten Spenderchimärismus innerhalb eines Jahres. Unter der Behandlung mit Rituximab kam es zu einer nahezu vollständigen Depletion der CD19+ B-Lymphozyten, während Plasmazellen und auch Immunglobulin-G-Werte nicht beeinträchtigt waren.
Die Inzidenz der akuten GvHD war 6%, die der chronischen GvHD 18%. Die nicht-rezidivbedingte Mortalität am Tag +100 war 0%, nach einem Jahr 3%. 10 Rezidive (5 CLL und 5 MCL) sind in den ersten 2 Jahren nach Transplantation aufgetreten. Das geschätzte FFP ("freedom from progression") nach 2 Jahren war 82% (für CLL-Patienten) und 64% (für MCL-Patienten), das Gesamtüberleben je 73% und 62%.

Eine transiente Rituximab-assoziierte Neutropenie trat bei 10% der Patienten auf. Infektionen nach Transplantation waren Influenza B, Respiratory-Syncytial-Virus (RSV), Pilz-Sinusitis, Pseudomonas- und Klebsiellen-Infektionen, Varicella-Zoster-Virus(VZV)-Reaktivierung, sowie eine PTLD ("post-transplant lymphoproliferative disease"), die allerdings vor Gabe von Rituximab aufgetreten ist. Bei den 22 Patienten mit bestehendem Risiko für eine Cytomegalie-Virus(CMV)-Reaktivierung/-Infektion kam es bei 10 Patienten zu einer Infektion.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die prophylaktische Gabe von Rituximab scheint die Rate an GvHD signifikant zu senken, ohne dass es zu vermehrten Nebenwirkungen wie Infektionen kommt. Insbesondere die CMV-Infektion bei Patienten mit entsprechendem Risiko erscheint nicht vermehrt. Ebenso erscheint die Rezidivrate hinsichtlich der Grunderkrankung unter dem Therapieregime nicht vermehrt. Eine randomisierte Studie zur prophylaktischen Applikation von Rituximab nach allogener Stammzelltransplantation ist wünschenswert.

Kommentar / Beurteilung

Eine prophylaktische Gabe zur Verhinderung bzw. Verminderung des Schweregrades der chronischen GvHD ohne Beeinträchtigung des Graft-versus-leukemia-/lymphoma-Effekts ist wünschenswert für jeden in der allogenen Transplantation tätigen Arzt. Daher ist, wie von den Autoren selbst vorgeschlagen, eine randomisierte Studie zur Prüfung der beschriebenen Effekte sehr wichtig.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Innere Medizin I, Universitätsklinikum des Saarlandes, 66421 Homburg / Saar

Letzte Änderung:

26.01.2009