Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


Bendamustin plus Rituximab versus CHOP plus Rituximab in der Erstlinientherapie von Patienten mit follikulären, indolenten und Mantelzell-Lymphomen - Zweite Interimsanalyse einer randomisierten Phase-III-Studie - NHL1-2003 der StiL (Studiengruppe indolenter Lymphome, Deutschland)

Titel des Originals:

Bendamustine plus Rituximab vs CHOP plus Rituximab in the First-Line-Treatment of Patients with Follicular, Indolent and Mantle Cell Lymphomas: Second interim Analysis of a Randomized Phase III Study – NHL 1 – 2003 - of the StiL (Study Group indolent Lymphomas, Germany)

Abstract-Nr.:

2596

Jahr:

2008

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Mathias J. Rummel, N. Niederle, C. Losem, U. von Grünhagen, G. Heil, M. Welslau, D. Kofahl-Krause, H. Böck, C. Balser, U. Kaiser, E. Weidmann, A. Matzdorff, T. Neuhaus, H. Duerk, M. Stauch, G. Kojouharoff, W. Abenhardt, W. Knauf, L. Müller, W. Brugger

Institution/en:

For the StiL – Study Group indolent Lymphomas. University Hospital Giessen, Leverkusen, Neuss, Cottbus, Lüdenscheid, Aschaffenburg, Hannover, Offenbach, Marburg, Hildesheim, Frankfurt, Saarbrücken, Limburg, Hamm, Kronach, Darmstadt, München, Frankfurt, Leer, Villingen

Zusammenfassung des Berichts

Die zweite Interimsanalyse basierend auf 462 randomisierten Patienten zeigt, dass Bendamustin plus Rituximab im Vergleich zu CHOP plus Rituximab hinsichtlich der Wirksamkeit weiterhin ebenbürtig ist. Das primäre Studienziel, eine Differenz von weniger als 10% zwischen den beiden Regimen in Bezug auf das progressionsfreie Überleben (PFS) nach 3 Jahren, konnte noch nicht ausgewertet werden. Die Kombination Bendamustin plus Rituximab weist aber ohne Alopezie und mit weniger Infektionen ein günstigeres Nebenwirkungsprofil auf.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die vielversprechenden Ergebnisse (Gesamtansprechrate (ORR) = 90% inkl. 60% kompletten Remissionen (CR)) einer vorangegangenen Phase-II-Studie, die Bendamustin plus Rituximab bei Patienten mit rezidivierten/ refraktären indolenten oder Mantelzell-Lymphomen untersuchte, gelten als Rationale für die Initiierung dieser Phase-III-Studie.

Fragestellung der Studie

Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Überleben (PFS); sekundäre Endpunkte sind Ansprechraten, rezidivfreies- und Gesamtüberleben, akute Toxizitäten und Spättoxizitäten, infektiöse Komplikationen, Möglichkeit zur Stammzell-Mobilisierung bei jüngeren Patienten. Hypothese: keine Unterlegenheit von Bendamustin plus Rituximab hinsichtlich der Effektivität.

Art der Studie

Multizentrische, randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

375 mg/m² Rituximab (an Tag 0 im ersten Zyklus bzw. Tag 1 ab dem zweiten Zyklus) und 90 mg/m² Bendamustin an Tag 1 und 2 alle 28 Tage oder CHOP-R (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison plus Rituximab) in Standarddosierungen alle 21 Tage (375 mg/m² Rituximab an Tag 0 im ersten Zyklus und an Tag 1 ab dem zweiten Zyklus plus CHOP an Tag 1 über die Zyklen 1-6) über maximal 6 Zyklen; randomisiert sind 549 Patienten, davon 462 für die Verträglichkeitsanalyse und 454 für die Effektivitätsanalyse auswertbar - zweite Interimsanalyse.

Ergebnisse, Toxizität

Gesamtansprechen:
bei BR 94%, bei CHOP-R 93%; komplette Remissionsrate 41% (BR) vs. 32% (CHOP-R). Mediane Beobachtungszeit 27 Monate; Todesfälle: 26 BR, 27 CHOP-R; Progress/Rezidiv: 63 BR; 89 CHOP-R.

Toxizitäten:
Komplikationen durch Infektionen (Grad I-IV): 31% der Patienten mit BR vs. 41% der Patienten mit CHOP-R; Alopezie: 0% BR vs. 91% CHOP-R; schwere Leukopenie (WHO III-IV): 14% BR vs. 38% CHOP-R.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

BR ist ebenso effektiv wie R-CHOP, zeigt aber ein günstigeres Toxizitätsprofil.

Kommentar / Beurteilung

Die Therapie mit Bendamustin und Rituximab ist im direkten Vergleich mit der bisherigen Standardtherapie CHOP-R (bzw. R-CHOP) gleich wirksam. Es wird sogar eine höhere Rate an Vollremissionen erreicht. Ein wesentlicher Unterschied ist die geringere Toxizität. Es wäre wünschenswert, hier mehr Daten zu erhalten, weil gerade dieser Aspekt bei der Therapieentscheidung bei gleicher Wirksamkeit relevant ist. Es wäre also von großem Interesse auch zu erfahren, wie z.B. die Raten von Kardiomyopathie und Diabetes mellitus sind, die bei der CHOP-Therapie als Probleme auftauchen.
Insgesamt bestärkt diese Studie die bisherigen klinischen Erfahrungen vieler Onkologen in Deutschland, dass die Kombination von Bendamustin mit Rituximab mindestens ebenso effektiv und besser verträglich als die Kombination CHOP-R ist.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Hartmut Link

Institution:

Medizinische Klinik I, Westpfalz-Klinikum, 67653 Kaiserslautern

Letzte Änderung:

12.01.2009