Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Ein konditionales Modell für das Risiko der chemotherapieinduzierten Anämie bei Krebspatienten

Titel des Originals:

A Conditional Risk Model for Chemotherapy-Induced Anemia (CIA) in Cancer Patients

Abstract-Nr.:

372

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Gary H. Lyman, Jeffrey Crawford, Nicole M. Kuderer, Debra A. Wolff, Eva Culakova, Marek S. Poniewierski, David C. Dale

Institution/en:

Medicine, Duke University Medical Center, Durham, NC, USA; Medicine, University of Rochester School of Medicine & Dentistry, Rochester, NY, USA; Medicine, University of Washington School of Medicine, Seattle, WA, USA

Zusammenfassung des Berichts

Mit prätherapeutischen Basisdaten und klinischen Parametern des Blutbildes können Patienten mit hohem und geringem Anämierisiko identifiziert werden. Dadurch kann die Indikation zur Therapie mit Erythropoese stimulierenden Faktoren besser gestellt werden.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Anämie ist die häufigste hämatologische Toxizität der Chemotherapie bei Krebs. Sie ist mit beträchtlicher Morbidität und Kosten verbunden. Die Therapie umfasst Abwarten, Erythrozytentransfusionen oder einen Erythropoese stimulierenden Faktor.
Die Zunahme der durch Chemotherapie induzierten Anämie über mehrere Behandlungszyklen ermöglicht Methoden zu entwickeln, um Risiko-Patienten zu identifizieren, die von einer frühzeitigen Therapie profitieren können.
Eine Metaanalyse zeigte, dass eine frühe Intervention mit Erythropoese stimulierenden Faktoren effektiver ist als eine spätere Intervention.

Fragestellung der Studie

Früherkennung von Patienten, die eine mäßige bis schwere Anämie nach Chemotherapie entwickeln werden. Primäre Ziele waren chemotherapieassoziierte Toxizitäten wie Anämie, Neutropenie, Thrombozytopenie. Sekundäre Ziele: Alle frühen Todesfälle und Krankheitsprogress.

Art der Studie

Prospektive Beobachtungsstudie mit 117 zufällig ausgewählten Praxen in den USA

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

3640 konsekutive Patienten mit neu beginnender Chemotherapie bei Karzinomen von Brust, Lunge, Kolon, Ovar oder malignen Lymphomen zwischen 3/2003 und 2/2006. 40% der Patienten waren älter als 64 Jahre. Daten über die ersten 4 Chemotherapie-Zyklen.
Ein logistisches Regressionsmodell für einen Hb-Wert <10g/dl nach dem Therapie-Zyklus, basierend auf Parametern vor Therapie und hämatologischen Ereignissen während Zyklus 1 wurde entwickelt.

Ergebnisse, Toxizität

  • Patientenalter 19-97, im Median 60 Jahre; 70,5% Frauen.
  • Mittlerer Hb-Wert 10,7 g/dl;
  • Hb-Wert unter 10 g/dl bzw. 11 g/dl bei 29,5 bzw. 56,5% der Patienten.

Überleben:

Bei vortherapeutischem Hb-Wert >10,9 g/dl signifikant besser als bei Hb-Wert unter 11 g/dl.

Unabhängige Risikofaktoren für frühe Mortalität:

  • Erhöhtes Bilirubin, niedrige Neutrophilenzahl, weibliches Geschlecht, Verwendung von CSFs, Lebererkrankung, schlechter Allgemeinzustand, kardiale oder cerebrovaskuläre Erkrankung, niedriges Serum-Albumin.
  • Ausgangs-Hb-Wert und Hb-Wert-Abfall nach Zyklus 1.

Anämie <10 g/dl:

  • Niedrige Ausgang Hb- und Thrombozytenwerte; Komorbiditäten von Herz, Gefäßen, Lunge; M.Hodgkin, kleinzelliges Bronchialkarzinom, schlechter Allgemeinzustand.
  • Unter der 1. Therapie Abfall von Hb-Wert, Thrombozyten und Neutrophilen.
  • Niedriger Hb-Wert bei Beginn des 2. Zyklus.

Testqualität:

  • Sensitivität: 82,2%; Spezifität 81,5%
  • Positiver prädiktiver Wert 65,74%
  • Negativer prädiktiver Wert 91,39%

Vorhersage der individuellen Anämiewahrscheinlichkeit:

  • Mittelwert: 30%
  • Anämie <10 g/dl bei Niedrigrisiko: 8,6%, bei Hochrisiko: 65,7%
  • Anämie <11 g/dl bei Niedrigrisiko: 34,5%, bei Hochrisiko: 95,1%

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Der Test ermöglicht die Vorhersage der Anämie und ihrer Komplikationen für Hoch- und Niedrigrisiko-Patienten unter Verwendung einfacher klinischer Parameter prätherapeutisch und des ersten Therapiezyklus. Das Modell muss noch an einer unabhängigen Patientengruppe validiert werden.

Kommentar / Beurteilung

Für die klinische Anwendung von Erythropoese stimulierenden Faktoren fehlen bisher Daten, nach denen die Therapieindikation sicherer gestellt werden kann. Eine ausgeprägte Anämie korreliert mit schlechterem Überleben, was auch bedeuten kann, dass bei diesen Patienten eine fortgeschrittenere Erkrankung vorliegt. Die beschriebenen unabhängigen Risikofaktoren entsprechen der täglichen klinischen Erfahrung für Patienten, die eine Anämie entwickeln werden. Insofern ist diese Analyse auch im klinischen Alltag hilfreich, wenn sich die Ergebnisse bei einer unabhängigen Patientengruppe bestätigen lassen.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Hartmut Link

Institution:

Medizinische Klinik I, Westpfalz-Klinikum, 67653 Kaiserslautern

Letzte Änderung:

21.01.2008


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