Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Fludarabin (F) ergibt im Vergleich zu Chorambucil (Clb) keinen signifikanten klinischen Vorteil bei älteren Patienten mit fortgeschrittener chronisch lymphatischer Leukämie (CLL): Ergebnisse einer Phase-III-Studie der Deutschen CLL-Studiengruppe (GCLLSG)

Titel des Originals:

No Significant Clinical Benefit of First Line Therapy with Fludarabine (F) in Comparison to Chlorambucil (Clb) in Elderly Patients (pts) with Advanced Chronic Lymphocytic Leukemia (CLL): Results of a Phase III Study of the German CLL Study Group (GCLLSG)

Abstract-Nr.:

629

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Barbara F. Eichhorst, Raymonde Busch, Martina Stauch, Manuela Bergmann, Matthias Ritgen, Nicole Kranzhöfer, Carmen D. Schweighofer, Kirsten Fischer, Anna-Maria Fink, Paula Cramer, Valentin Goede, Clemens M. Wendtner, Michael Hallek

Institution/en:

Department for Internal Medicine I, University of Cologne, Cologne, Germany; Institute for Medical Statistic und Epidemiology, Technical University, Munich, Germany; GCLLSG, Germany

Zusammenfassung des Berichts

Im randomisierten Vergleich zwischen Chlorambucil und Fludarabin bei älteren Patienten mit fortgeschrittener CLL zeigte sich ein Behandlungsvorteil nur im Hinblick auf das Therapieansprechen ("overall response rate"). Das progressionsfreie sowie das Gesamtüberleben war bei den mit Fludarabin behandelten Patienten nicht besser. In einer Subgruppenanalyse zeigte sich kein Unterschied dieses Ergebnisses in Abhängigkeit vom Alter, der Nierenfunktion oder den Komorbiditäten der Patienten.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Therapieprotokolle basierend auf Purinanaloga wie Fludarabin konnten mittlerweile als Standard-Erstlinientherapie für Patienten in guter physischer Kondition oder jüngeren Alters erhoben werden. Bei älteren Patienten bzw. solchen in schlechterer physischer Kondition ist dieser Therapievorteil bislang nicht geklärt. Somit wird Chlorambucil bei älteren CLL-Patienten in der Erstlinientherapie verbreitet eingesetzt.

Fragestellung der Studie

Um Fludarabin im Vergleich zu Chlorambucil zu testen, hat die deutsche CLL-Studiengruppe diese Studie (CLL5) aufgelegt.

Art der Studie

Offene, randomisierte Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

206 Patienten (101 im Fludarabin-, 105 im Chlorambucil-Arm) im Alter von über 64 Jahren wurden zwischen Juli 1999 und September 2004 in die Studie eingeschlossen. 13 Patienten mussten aufgrund von Verletzung der Aufnahmekriterien ausgeschlossen werden. 15% der Patienten waren im Stadium Binet A, 47% im Stadium B, und 38% im Stadium C. Das mediane Alter der Patienten lag bei 70 Jahren (64 bis 80 Jahre). Patienten erhielten randomisiert entweder Fludarabin 25 mg/m2 intravenös an 5 Tagen alle 4 Wochen für 6 Kurse oder Chlorambucil 0,4 mg/kg idealisiertes Körpergewicht in einer Dosiseskalation bis hin zu 0,8 mg/kg für jeweils 14 Tage gefolgt von 14 Tagen Pause bis zu 12 Monate. Die mittlere Zahl applizierter Fludarabin-Kurse lag bei 4,9 und die mittlere Dauer der Chlorambucil-Behandlung war 6,5 Monate (mediane Dosis 0,5 mg/kg).

Ergebnisse, Toxizität

Nach einer medianen Beobachtungszeit von 41,5 Monaten (1 bis 89 Monate) waren 165 Patienten (Fludarabin 78; Chlorambucil 87) hinsichtlich der Ansprechrate und 184 (Fludarabin 88; Chlorambucil 96) Patienten hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens auswertbar. Trotz eines höheren Ansprechens im Fludarabin-Arm (Komplettremissionsrate(CR)-Rate 8% vs. 0%; p=0.008; Gesamtansprechrate 86% vs. 59%; p<0.001) ergab sich keine Verbesserung hinsichtlich des progressionsfreien Überlebens (medianes progressionsfreies Überleben 18,7 Monate im Fludarabin- vs. 17,8 Monate im Chlorambucil-Arm; p=0,72). Darüber hinaus starben im Fludarabin-Arm 46% Patienten im Vergleich zu 34% im Chlorambucil-Arm.
Die Gesamtüberlebenskurven zeigten keinen statistisch signifikanten Unterschied (medianes Gesamtüberleben 45,9 Monate vs. 63,6 Monate, p=0,21). Die Unterschiede hinsichtlich progressionsfreies und Gesamtüberleben waren nicht abhängig vom Patientenalter (jünger oder älter als 70 Jahre), der Nierenfunktion oder Komorbiditäten.
Patienten im Chlorambucil-Arm erhielten im Vergleich zum Fludarabin-Arm häufiger eine Zweitlinientherapie (62% vs. 39%). Zweitlinientherapien im Chlorambucil-Arm waren in 43% Fludarabin und in 17% Fludarabin-haltige Kombinationen. Patienten im Fludarabin-Arm erhielten öfter keine Zweitlinientherapie, wenn dann intensivere Zweitlinientherapieregime wie Fludarabin-haltige Kombinationen oder CHOP.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Diese Langzeitanalyse zeigt, dass ältere Patienten von einer Erstlinientherapie mit Fludarabin im Vergleich zu Chlorambucil nicht profitieren. Trotz höherer Komplettremissions- und Gesamtansprechraten konnte ein verbessertes progressionsfreies und Gesamtüberleben für Fludarabin nicht gezeigt werden. Mögliche Erklärungen dieser Ergebnisse könnten in der längeren Behandlungsperiode mit Chlorambucil liegen, was möglicherweise zu einer Vermeidung früher Rezidive führt. Andererseits erhielten die mit Fludarabin vorbehandelten Patienten öfter gar keine Therapie oder im Vergleich zu den mit Chlorambucil vorbehandelten Patienten intensivere Therapieregime.

Kommentar / Beurteilung

Diese Studie zeigt erneut, wie wichtig randomisierte Phase-III-Studien in der Bewertung von Therapieregimen sind. Ebenso lassen sich die Ergebnisse bei jüngeren nicht einfach auf die älteren Patienten übertragen.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Medizinische Klinik I, Universtitätsklinikum des Saarlandes, Kirrbergerstraße, 66421 Homburg/Saar

Letzte Änderung:

28.01.2008