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Eine remissionsadaptierte Anpassung der Chemotherapiezyklenzahl bei der Behandlung von Patienten mit diffus-großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) ist nicht gerechtfertigt: Ergebnisse der RICOVER-60-Studie der Deutschen Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNHL)

Titel des Originals:

Response Adapted Assignment of the Number of Chemotherapy Cycles for the Treatment of Patients with Diffuse Large B-Cell Lymphoma (DLBCL) Is Not Justified: Results of the RICOVER-60 Trial of the German High-Grade Non-Hodgkin Lymphoma Study Group (DSHNHL)

Abstract-Nr.:

788

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

J. Schubert, M. Ziepert, E. Lengfelder, M. Mohren, N. Peter, M. Reiser, M. Clemens, C. Nickenig, M. deWit, A. Ho, H. Eimermacher, L. Truemper, M. Hoffmann, R. Mertelsmann, B. Metzner, HG. Mergenthaler, R. Liersch, U. Dührsen, L. Balleisen, F. Hartmann, V. Poeschel, N. Schmitz, M. Loeffler, M. Pfreundschuh

Institution/en:

German High Grade Non Hodgkin Lymphoma Study Group (DSHNHL), Saarland University Medicine School, Homburg / Saar, Germany

Zusammenfassung des Berichts

In der kürzlich vorgestellt RICOVER-60-Studie ergab sich kein Vorteil beim direkten Vergleich von 6 vs. 8 Zyklen Chemotherapie in Gegenwart von 8 Applikationen Rituximab für die 2 zusätzlichen Chemotherapiezyklen. In der jetzt vorgelegten Subguppenanalyse wurde untersucht, ob sich in einer bestimmten Risikogruppe ein Vorteil für die Patienten mit mehr Chemotherapiezyklen ergibt. Entgegen einer kürzlich publizierten retrospektiven Analyse [Sehn LH 2007] konnte gezeigt werden, dass auch bei Hinzunahme von Rituximab zur CHOP-14-Chemotherapie die Risikofaktoren nach IPI bei der Behandlung des DLBCL für progressionsfreies als auch Gesamtüberleben weiterhin Bestand haben. Eine Erweiterung der Therapie durch 2 zusätzliche Kurse CHOP-14 abhängig vom Risikoprofil und insbesondere vom Ergebnis des Restagings nach 4 Kursen R-CHOP-14 ist nicht berechtigt.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

CHOP gilt heute allgemein als Standard-Therapieschema zur Behandlung des aggressiven Non-Hodgkin-Lymphoms. Jedoch konnte bislang nicht gezeigt werden, wie viele Zyklen dieser Therapie erforderlich sind. In der kürzlich vorgestellt RICOVER-60-Studie konnte in der Analyse von 1222 Patienten mit diffus-großzelligem B-Zell-Lymphom nachgewiesen werden, dass die Hinzunahme von Rituximab zu CHOP-14 das Therapieansprechen und das ereignisfreie wie auch das Gesamtüberleben signifikant verbessert. Im Gegensatz dazu ergab sich beim direkten Vergleich von 6 vs. 8 Zyklen Chemotherapie in Gegenwart von 8 Applikationen Rituximab kein Vorteil für die 2 zusätzlichen Chemotherapiezyklen (siehe ASH-Report 2006).
In einer multivariaten Analyse, adjustiert für Prognosefaktoren mit der Referenz 6x CHOP-14 ohne Rituximab, konnte ein verbessertes ereignisfreies Überleben in allen intensivierten Schemata gezeigt werden. Verglichen mit 6x CHOP-14 war das progressionsfreie Überleben sowohl für 6x als auch für 8x R-CHOP-14 signifikant verbessert. Eine signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens konnte jedoch nur für 6x R-CHOP-14 gezeigt werden [Pfreundschuh M 2008]. Weil 8 Zyklen nicht mit besseren Ergebnissen verbunden waren, wurden nun Subgruppen untersucht, für die sich ein Vorteil durch die 2 zusätzlichen Zyklen ergeben könnten.

Fragestellung der Studie

Ergibt sich für eine bestimmte Risikogruppe ein Vorteil für Patienten mit 8 statt 6 Chemotherapiezyklen unter gleichzeitiger Applikation von Rituximab? Ist die gängige Praxis, in Abhängigkeit vom Restaging nach 4 Zyklen 8 statt 6 Zyklen Chemotherapie zu geben, weiterhin gerechtfertigt?

Art der Studie

Subgruppenanalyse einer offenen, randomisierten Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

In der RICOVER-60-Studie erhielten 1222 Patienten im Alter von 61 bis 80 Lebensjahren mit einem diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom im Stadium I bis IV randomisiert 6 oder 8 Zyklen CHOP-14 mit oder ohne 8 Applikationen von Rituximab. Patienten mit Bulk-Formation (Tumorgröße >7,5 cm Durchmesser) oder Extranodalbefall erhielten im Anschluss an die Immun-/Chemotherapie eine Involved-field-Bestrahlung.

Ergebnisse, Toxizität

Die Ergebnisse für 6 Zyklen CHOP-14 waren in allen IPI-definierten Risikogruppen mindestens so gut wie die für 8 Zyklen. Patienten, die nach 4 Zyklen eine komplette Remission (n= 261) erreicht hatten, wiesen im Vergleich zu den Patienten in partieller Remission (n= 459) ein signifikant besseres progressionsfreies Überleben (75% versus 63%, p=0,01) und Gesamtüberleben (84% versus 69%, p= 0,001) auf. Für Patienten in kompletter Remission mit verbleibender Unsicherheit (CRu) (n= 276) konnte ein signifikanter Unterschied im progressionsfreien (76% versus 68%, p= 0,043) nicht aber im Gesamtüberleben (84% versus 78%, p= 0,125) gezeigt werden.
In keiner der so definierten Risikogruppen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen 6x R-CHOP-14 und 8x R-CHOP-14 hinsichtlich progressionsfreiem und Gesamtüberleben detektiert werden.
Schließlich wurden die Ergebnisse auch im Hinblick auf den Einfluss der Strahlentherapieapplikation für Patienten mit Bulk-Formation oder Extranodalbefällen untersucht. Dabei ergab sich weder in der Patientengruppe, die Strahlentherapie erhalten hatten, noch in der, die keine Strahlentherapieerhalten hatten, ein verbessertes Ergebnis hinsichtlich progressionsfreiem und Gesamtüberleben.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Patienten mit CR nach 4 Zyklen der Therapie weisen ein besseres Therapieergebnis auf als Patienten mit CRu oder partieller Remission. Das schlechtere Ergebnis für Patienten nach 4 Zyklen wird nicht durch 2 zusätzliche Chemotherapiezyklen (8 versus 6 Zyklen) kompensiert. Somit ist die Adapation der Zyklenzahl an das Restagingergebnis nach 4 Zyklen Therapie sowohl mit als auch ohne Rituximab nicht gerechtfertigt.

Kommentar / Beurteilung

Es ist nach bisherigen Empfehlungen gängige Praxis, die Zyklenzahl der Chemotherapie anzupassen entsprechend dem Restagingergebnis nach 4 Zyklen Therapie. Dieses Vorgehen wurde bislang jedoch nicht systematisch untersucht. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der RICOVER-60-Studie zeigen jedoch eindeutig, dass ein solches Vorgehen keinen Vorteil für die behandelten Patienten mit sich bringt.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Medizinische Klinik I, Universtitätsklinikum des Saarlandes, Kirrbergerstraße, 66421 Homburg/Saar

Letzte Änderung:

11.02.2008


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Sehn LH, Berry B, Chhanabhai M, Fitzgerald C, Gill K, Hoskins P, Klasa R, Savage KJ, Shenkier T, Sutherland J, Gascoyne RD, Connors JM.
    The revised International Prognostic Index (R-IPI) is a better predictor of outcome than the standard IPI for patients with diffuse large B-cell lymphoma treated with R-CHOP.
    Blood. 2007 Mar 1;109(5):1857-61. PM:17105812
    [Medline]


  • Pfreundschuh M, Schubert J, Ziepert M, Schmits R, Mohren M, Lengfelder E, Reiser M, Nickenig C, Clemens M, Peter N, Bokemeyer C, Eimermacher H, Ho A, Hoffmann M, Mertelsmann R, Trümper L, Balleisen L, Liersch R, Metzner B, Hartmann
    F, Glass B, Poeschel V, Schmitz N, Ruebe C, Feller AC, Loeffler M; German High-Grade Non-Hodgkin Lymphoma Study Group (DSHNHL).
    Six versus eight cycles of bi-weekly CHOP-14 with or without rituximab in elderly patients with aggressive CD20+ B-cell lymphomas: a randomised controlled trial (RICOVER-60).
    Lancet Oncol. 2008 Feb;9(2):105-16. Epub 2008 Jan 15. PM:18226581
    [Medline]


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