Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Lenalidomid hebt die negative prognostische Bedeutung der chromosomalen Aberrationen del(13q) und t(4;14), nicht aber diejenige der Aberration del(17p) beim multiplen Myelom auf

Titel des Originals:

Lenalidomide Overcomes Poor Prognosis Conferred by del13q and t(4;14) but Not del17p13 in Multiple Myeloma: Results of the Canadian MM016

Abstract-Nr.:

3597

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Nizar J. Bahlis, Kevin Song, Young Trieu, Birgitte Roland, Esther Masih-Khan, Hong Chang, Helene Bruyere, Adnan Mansoor, Douglas Horsman, Michael Eliasziw, Douglas Stewart, Donna Reece

Institution/en:

Hematology, Univ of Calgary, ACB, Calgary, AB, Canada; Hematology, British Columbia Cancer Agency, Vancouver, BC, Canada; Oncology, Princess Margaret Hospital, Toronto, ON, Canada

Zusammenfassung des Berichts

Patienten mit de(13q) und t(4;14) haben unter Lenalidomid-Therapie keine schlechtere Prognose als Patienten ohne diese zytogenetischen Veränderungen. Die schlechtere Prognose bei del(17p) bleibt hiervon weitgehend unberührt.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Lenalidomid plus Dexamethason zur Behandlung des rezidivierten/refraktären Myeloms zeigte auch bei Vorhandensein ungünstiger prognostischer Faktoren überlegene Wirksamkeit.

Fragestellung der Studie

In der vorliegenden Studie sollte prospektiv bei vorbehandelten Patienten überprüft werden, ob dieselbe Kombination auch bei bislang gültigen, negativ-prognostischen chromosomalen Aberrationen wirksam ist. Analysiert wurden hierzu del(13q); t(4;14) und del(17p).

Art der Studie

Prospektive, offene, einarmige, multizentrische Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Alle Patienten erhielten identisch 25 mg Lenalidomid für 21 Tage eines 28-tägigen Zyklus; während der ersten vier Zyklen zusätzlich Dexamethason 40 mg an den Tagen 1-4, 9-12, 17-20; ab dem 5. Zyklus Dexamethason nur Tag 1-4.

Ergebnisse, Toxizität

120 Patienten waren auswertbar; 26% der Patienten gehörten der Hochrisikogruppe, definiert als Vorhandensein von del(17p) und/oder t(4;14), an. Das Progressionsrisiko innerhalb von 12 Monaten nach Therapiebeginn lag über alle zytogenetischen Gruppen hinweg bei 65-75%, es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.
Bezüglich 12-Monats-Mortalität zeigte sich für Patienten mit del(17p) ein 64%iges Risiko versus ein 39%iges bei fehlender Deletion (p=0,09). Die Ansprechraten und das Ausmaß des Ansprechens waren weder hinsichtlich genomischer Veränderungen noch hinsichtlich Vortherapie unterschiedlich. Das Progressionsrisiko war lediglich für die Gruppe mit Thalidomidvorbehandlung erhöht.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Lenalidomid plus Dexamethason hebt die prognostische Bedeutung zumindest einiger bisher gültiger zytogenetischer Veränderungen auf; offensichtlich bleibt die Prognose aber für Patienten mit del(17p) vergleichsweise schlecht. Die Wertigkeit sollte in einer größeren, prospektiven Untersuchung überprüft werden.

Kommentar / Beurteilung

Wie bereits für den Proteasominhibitor Bortezomib gezeigt, können neue Substanzen etliche bislang gültige negative Prognosefaktoren aufheben. Die bessere Wirksamkeit erstreckt sich auch auf zytogenetische Aberrationen. Allerdings scheint die Deletion des kurzen Arms von Chromosom 17, die das Tumorsuppressorgen p53 betrifft, trotz Einsatz der modernen Präparate weiterer, gezielter therapeutischer Anstrengungen zu bedürfen.


Autor des Berichts:

OA Dr. med. Stefan Knop

Institution:

Medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg, Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie, Klinikstrasse 6-8, 97070 Würzburg

Letzte Änderung:

20.12.2007