Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Lenalidomid und hochdosiertes Dexamethason sind hochdosiertem Dexamethason allein in der Behandlung des neu diagnostizierten multiplen Myeloms überlegen - Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie S0232 der SWOG-Gruppe

Titel des Originals:

Superiority of Lenalidomide (Len) Plus High-Dose Dexamethasone (HD) Compared to HD Alone as Treatment of Newly-Diagnosed Multiple Myeloma (NDMM): Results of the Randomized, Double-Blinded, Placebo-Controlled SWOG Trial S0232

Abstract-Nr.:

77

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Jeffrey A. Zonder, John Crowley, Mohamad A. Hussein, Vanessa Bolejack, Dennis F. Moore, Sr., Brock F. Whittenberger, Muneer H. Abidi, Brian G.M. Durie, Bart Barlogie

Institution/en:

Karmanos Cancer Institute, Wayne State University, Detroit, MI, USA; Southwest Oncology Group Statistical Center, Seattle, WA, USA; H. Lee Moffitt Cancer Center, Tampa, FL, USA; Wichita Community Clinical Oncology Program, Wichita, KS, USA; Montana Community Clinical Oncology Program, Billings, MT, USA; Salick Healthcare, Inc., Los Angeles, CA, USA; University of Arkansas for Medical Sciences, Little Rock, AR, USA

Zusammenfassung des Berichts

Lenalidomid und Dexamethason (Dex) zeigt eine höhere Ansprechrate bei Myelom-Erstdiagnose als Dex mono. Die 1-Jahres-Überlebensrate war zwischen den Armen nicht unterschiedlich (90%). Infektionen, Thromboembolien und hämatolog. Toxizität waren häufig

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das Thalidomidanalogon Lenalidomid zeigte in ersten, vorläufigen Studien auch in der Initialtherapie des Myeloms eine exzellente Wirksamkeit. Deshalb war zu vermuten, dass die Kombination mit dem Steroid Dexamethason der alleinigen Dexamethason-Behandlung überlegen ist.

Fragestellung der Studie

Vergleich von progressionsfreiem Überleben (Hauptzielkriterium), Ansprechrate, Rate an sehr gutem Ansprechen, Gesamtüberleben und Toxizität (Nebenzielkriterien).

Art der Studie

Zweiarmig, randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Induktion:

  • Lenalidomid 25 mg/Tag für 28 von 35 Tagen und Dexamethason 40 mg Tag1-4, 9-12, 17-20 versus
  • Dexamethason 40 mg Tag1-4, 9-12, 17-20; je drei Zyklen.

Erhaltung:

  • Lenalidomid 25 mg/Tag für 21 von 28 Tagen und Dexamethason 40 mg Tag1-4, 15-18 versus
  • Dexamethason 40 mg Tag1-4, 15-18.

Einschluss von Patienten, die nicht für eine sofortige Hochdosistherapie in Frage kamen. Geplante Patientenzahl: 500, mit geplanter Interimsanalyse nach Einschluss von 300 Patienten.

Die Gabe von Acetylsalicylsäure wurde nach einer beobachteten, hohen Rate an venösen Thromboembolien verpflichtend eingeführt.

Ergebnisse, Toxizität

Unter dem Eindruck der exzellenten Verträglichkeit und des signifikant besseren Überlebens einer Lenalidomid-Kombination mit niedrig dosiertem Dexamethason (siehe Bericht zu ASH-Abstract 74) wurde die aktuelle Studie vom Daten- und Sicherheitskomitee nach 198 eingebrachten Patienten geschlossen. Es zeigte sich in der Analyse ein signifikant besseres Ansprechen im Kombinationsarm (komplette und partielle Remissionen von 84% vs. 53% unter Dexamethason mono). Das progressionsfreie Überleben war mit 77% im Kombinationsarm signifikant besser als mit Dexamethason mono (55%). Bei 40 Patienten, die vom Dexamethason - in den Kombinationsarm wechselten, war das 1-Jahres-Überleben identisch für die beiden Arme (90%).

Die Thromboserate blieb trotz ASS-Einnahme relativ hoch, mehr Patienten unter Lenalidomid erlitten Thrombosen, ohne dass der Unterschied statistische Signifikanz erreichte. Die Häufigkeit an schweren Neutropenien war in der Kombinationsgruppe häufiger.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Kombination von Lenalidomid und hochdosiertem Dexamethason ist hinsichtlich Gesamtansprechen, Tiefe der Remission und progressionsfreiem Überleben Dexamethason mono überlegen. Die dokumentierte 1-Jahres-Überlebensrate gehört zu den besten je beobachteten, allerdings zeigte sich eine doch signifikante Toxizität hinsichtlich Thromboembolien (selbst mit ASS-Gabe).

Kommentar / Beurteilung

Die erstmals beim ASCO 2007 präsentierte und beim aktuellen ASH-Kongress in der endgültigen Auswertung vorgestellte Studie "E4A03" (besser bekannt als Rd-Studie) der SWOG führte zur vorzeitigen Beendigung dieser randomisierten Untersuchung mit Standarddosis-Dexamethason. Insbesondere die geringere Toxizität des "Rd"-Protokolls wurde diesbezüglich stark unterstrichen und auch vom Hersteller als "neuer Standard" gepriesen.


Autor des Berichts:

OA Dr. med. Stefan Knop

Institution:

Medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg, Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie, Klinikstrasse 6-8, 97070 Würzburg

Letzte Änderung:

20.12.2007