Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Randomisierte Studie mit Lenalidomid plus hoch dosiertem Dexamethason (RD) versus Lenalidomid plus niedrig dosiertem Dexamethason (Rd) bei neudiagnostizierten Patienten mit multiplem Myelom. Koordiniert von der ECOG (Eastern Cooperative Oncology Group)

Titel des Originals:

A Randomized Trial of Lenalidomide Plus High-Dose Dexamethasone (RD) Versus Lenalidomide Plus Low-Dose Dexamethasone (Rd) in Newly Diagnosed Multiple Myeloma (E4A03): A Trial Coordinated by the Eastern Cooperative Oncology Group

Abstract-Nr.:

74

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

S. Vincent Rajkumar, Susanna Jacobus, Natalie Callander, Rafael Fonseca, David Vesole, Michael Williams, Rafat Abonour, David Siegel, Philip Greipp

Institution/en:

Mayo Clinic, Rochester, MN, USA; Dana Farber Cancer Institute, Boston, MA, USA; University of Wisconsin, Madison, WI, USA; Mayo Clinic, Scottsdale, AZ, USA; St. Vincent s Comprehensive Cancer Center, New York, NY, USA; University of Virginia, Charlottesville, VA, USA; Indiana University Medical Center, Indianapolis, IN, USA; Hackensack University Medical Center, Hackensack, NJ, USA

Zusammenfassung des Berichts

Bei Patienten mit neudiagnostiziertem Myelom sind die Ansprechraten auf niedrig-dosiertes Dexamethason (Rd) geringer als auf hochdosiertes Dexamethason (RD). Es findet sich aber ein besseres Gesamtüberleben (OS) mit Rd gegenüber RD nach 12 und 24 Monaten. Progress der Erkrankung und Toxizität trugen zur höheren Todesrate im RD-Arm bei.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das Thalidomid-Analogon Lenalidomid hat eine Zulassung für Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem multiplen Myelom erhalten.
In Phase-II-Studien wurde gezeigt, dass die Kombination Lenalidomid + Dexamethason effizient ist bei Patienten mit neu diagnostiziertem Myelom.
Die vorliegende Studie untersucht den Stellenwert von hoch dosiertem Dexamethason (RD) versus reduziertem Dexamethason (Rd) als Induktionstherapie für neu diagnostizierte Myelompatienten

Fragestellung der Studie

Primärer Endunkt: Ansprechrate nach 4 Monten; sekundäre Endpunkte: Gesamtüberleben, Toxizität, Dauer des Ansprechens, progressionsfreies Überleben, Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung

Art der Studie

ECOG E40A3: Einen randomisierte, multizentrische Phase-III-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Patienten mit unbehandeltem symptomatischen Myelom (n=445) wurden randomisiert in:

  • RD Arm (n=223): Lenalidomid 25 mg Tag 1-21, Dexamethason 40 mg, Tag 1-4,9-12,17-20
  • Rd Arm (n=222): Lenalidomid 25 mg Tag 1-21, Dexamethason 40 mg Tag 1, 8,15, 22

Ergebnisse, Toxizität

  1. Ansprechraten geringer im Rd-Arm als im RD-Arm; Ansprechrate nach 4 Zyklen für RD vs. Rd:
    - Anteil an Patienten mit >/= PR: 80% vs. 67% (p=0,004)
    - Anteil an Patienten mit Vollremission (CR) oder "very good partial remission" (VGPR): 44% vs. 26% (p<0,001)
  2. Analyse des besten Ansprechens nicht signifikant unterschiedlich in beiden Armen (p=0,06).
  3. Zeit bis zum Progress nicht signifikant unterschiedlich (p=0,21).
  4. Gesamtüberleben besser mit Rd, allerdings nur für folgende Subgruppen:
    - Patienten >/= 65 Jahre (nach 12 Monaten p=0,01)
    - Patienten, die "off study" waren nach <6 Monaten (p=0,2)
  5. Stärkere Toxizität für RD mit mehr frühen Todesfällen (p=0,01) und thromboembolischen Komplikationen (p<0,01).

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Patienten mit nicht vorbehandeltem multiplen Myelom zeigen geringere Ansprechraten auf die Therapie Rd gegenüber Patienten mit RD, dies wirkt sich aber nicht auf die Zeit bis zum Wiederauftreten der Erkrankung aus. Nach 12 und 24 Monaten zeigt sich ein besseres Gesamtüberleben für die Patienten mit niedrig dosierter Dexamethasontherapie (Rd). Progression der Erkrankung und höhere Toxizitätsraten führten zur einer höheren Todesrate im hoch dosierten Dexamethason-Arm und damit zu einem kürzeren Gesamtüberleben.

Kommentar / Beurteilung

Eine Reduktion der Dexamethasondosis führt nicht zu einer Verschlechterung des Gesamtüberlebens oder der progressionsfreien Zeit. Aufgrund der geringeren Toxizität scheint die Therapie tolerabler und länger durchführbar zu sein. Insbesondere ältere Patienten und Patienten, bei denen frühzeitig die Therapie abgebrochen werden musste, profitieren mit einem besseren Gesamtüberleben von der Dosisreduktion.
Die langjährig angewandte hochdosierte Dexamethasongabe wird damit nachhaltig in Frage gestellt.
Prospektiv randomisierte Untersuchungen bei rezidivierten Patienten fehlen aber noch, und eine längere Nachbeobachtung dieser Studie ist notwendig, um den Einfluss auf das Gesamtüberleben fundiert zu beurteilen.


Autor des Berichts:

Dr. med. Ulrike Klein

Institution:

Universitätsklinikum Heidelberg, Medizinische Klinik V, Hämatologie/Onkologie, Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg

Letzte Änderung:

17.12.2007