Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Lenalidomid-induzierte Zytopenien: Zusammenhang mit der hämatopoetischen Stabilisierung bei Patienten mit MDS

Titel des Originals:

Lenalidomide-Induced Cytopenias: Relationship to Hematologic Improvement in Patients with Myelodysplastic Syndromes (MDS)

Abstract-Nr.:

821

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Mikkael A. Sekeres, Jaroslaw P. Maciejewski, Aristoteles Giagounidis, Kenton Wride, Robert D. Knight, Azra Raza, Alan F. List

Institution/en:

Cleveland Clinic Taussig Cancer Center, Cleveland, OH, USA; St. Johannes Hospital, Duisburg, Germany; Celgene Corporation, Summit, NJ, USA; University of Massachusetts Medical Center, Worcester, MA, USA; H. Lee Moffitt Cancer Center, Tampa, FL, USA

Zusammenfassung des Berichts

Die bekannte Hämatotoxizität von Lenalidomid bei Patienten mit MDS korreliert direkt mit dem Ansprechen dieser Patienten auf die Therapie. Dies lässt auf einen klonspezifischen Wirkmechanismus von Lenalidomid schließen.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Lenalidomid ist signifikant wirksam bei MDS-Patienten mit niedrigem Krankheitsrisiko und Deletion 5q. Wirksamkeit wird auch bei Non-Deletion 5q MDS-Patienten beobachtet. Die bekannte Hämatotoxizität, insbesondere auf die Thrombopoese, ist bisher einzig als Nebenwirkung diskutiert worden.

Fragestellung der Studie

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Hämatotoxizität von Lenalidomid und Wirksamkeit des Medikamentes?

Art der Studie

Retrospektive Auswertung der klinischen Daten aus den Studien MDS-002 und MDS-003 (Lenalidomid bei Patienten mit MDS und Deletion 5q bzw. bei MDS mit Non-Deletion 5q)

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

  • MDS-002: 147 Patienten mit MDS Non-Deletion 5q.
  • MDS-003: 201 Patienten mit MDS Deletion 5q.
  • Mittleres Alter in beiden Studien: 72 Jahre.
  • Alle Patienten hatten niedriges Krankheitsrisiko (IPSS Low und Int-1) und waren transfusionsbedürftig.
  • Analyse der Zytopenien nach 8 Wochen Behandlung mit 10 mg Lenalidomid für 21 Tage gefolgt von 7 Tage Pause.

Ergebnisse, Toxizität

Ausgangswerte (vor Therapie):

  • MDS-002: 33% Thrombozytopenie; 39% Neutropenie
  • MDS-003: 40% Thrombozytopenie; 40% Neutropenie

Transfusionsunabhängigkeit unter Lenalidomid:

  • MDS-002: 26%
  • MDS-003: 67%

Korrelation Transfusionsunabhängigkeit mit induzierten Zytopenien:

  • MDS-002: keine signifikante Korrelation zwischen Ansprechen und Abfall der Thrombozyten/Leukozyten.
  • MDS-003: signifikante Korrelation zwischen Ansprechen und Abfall der Thrombozyten/Leukozyten.

Multivariate Analyse:
Therapieassoziierte Zytopenie (Thrombozyten und Neutrophile) als unabhängiger prediktiver Faktor für Ansprechen auf die Therapie mit Lenalidomid bei Patienten mit Deletion 5q.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Bei Patienten mit MDS und Deletion 5q existiert eine strenge Korrelation zwischen therapieassoziierten Zytopenien und Ansprechen auf die Behandlung mit Lenalidomid. Bei diesen Patienten kann die induzierte Zytopenie als positiver Faktor hinsichtlich der Transfusionsunabhängigkeit gewertet werden. Dieser Zusammenhang existiert nicht bei Patienten mit MDS ohne Deletion 5q.

Kommentar / Beurteilung

Konsequente Analyse der bisher ausschließlich als "unerwünschte" Nebenwirkung betrachtete therapieassoziierte Zytopenie von Lenalidomid bei MDS-Patienten mit niedrigem Krankheitsrisiko. Das Auftreten dieser Zytopenien unter Therapie mit Lenalidomid kann nach den aktuellen Daten als guter Indikator für ein späteres Ansprechen genutzt werden. Dies verstärkt die Hinweise auf die klonspezifische Wirksamkeit von Lenalidomid.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Wolf-K. Hofmann

Institution:

Medizinische Klinik III, Charité - Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin

Letzte Änderung:

14.12.2007