Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Identifizierung von RSP14 als Schlüsselgen beim 5q- Syndrom durch RNA-Interferenz-Untersuchungen

Titel des Originals:

Identification of RPS14 as the 5q-Syndrome Gene by RNA Interference Screen

Abstract-Nr.:

1 *Highlight*

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Benjamin L. Ebert, Jennifer Pretz, Jocelyn Bosco, Cindy Y. Chang, Pablo Tamayo, Naomi Galili, Azra Raza, David Root, Eyal Attar, Steven R. Ellis, Todd R. Golub

Institution/en:

Broad Institute of Harvard and MIT, Cambridge, MA, USA; Dana Farber Cancer Institute, Boston, MA, USA; Division of Hematology, Brigham and Women s Hospital, Boston, MA, USA; Division of Hematology Oncology, University of Massachusetts, Worcester, MA, USA; Division of Hematology/Oncology, Massachusetts General Hospital, Boston, MA, USA; Department of Biochemistry and Molecular Biology, University of Louisville, Louisville, KY, USA; Howard Hughes Medical Institute, Chevy Chase, MD, USA

Zusammenfassung des Berichts

Durch systematische Inhibition der Gene in der betroffenen genomischen Region des 5q- Syndroms wurde RSP14 als Schlüsselgen für die gestörte Erythropoese bei Patienten mit MDS und Deletion 5 identifiziert.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Patienten mit MDS und Deletion 5q haben eine günstige Prognose und häufig eine ausgeprägte transfusionsabhängige Anämie. Die Behandlung mit Lenalidomid kann bei etwa 80% dieser Patienten Transfusionsfreiheit erzeugen. Die molekulare Ursache für den Defekt der Erythropoese bei diesen Patienten und der mögliche Wirkmechanismus von Lenalidomid ist bisher unklar.

Fragestellung der Studie

Welche Gene in der betroffenen genomischen Region 5q sind für die Störung der Erythropoese beim MDS mit Deletion 5q verantwortlich?

Art der Studie

Experimentelle Grundlagenstudie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Durch molekulargenetische Analyse der Region 5q konnten 41 Gene identifiziert werden, die durch die typische Deletion 5q beim MDS betroffen sind.
In einem In-vitro-System für die Differenzierung humaner hämatopoetischer CD34+ Stammzellen wurden diese 41 Gene systematisch durch "small interference RNA" unterdrückt. Anschließend erfolgte für jedes einzelne Gen eine funktionelle Charakterisierung hinsichtlich der Bedeutung für die Erythropoese und Megakaryopoese in normalen CD34+ Zellen und in CD34+ Zellen von MDS-Patienten.

Ergebnisse, Toxizität

Unter den 41 Genen konnte RPS14 als das Gen identifiziert werden, welches bei Unterdrückung eine gestörte Erythropoese in humanen differenzierenden CD34+ Zellen induzierte.
Die Überexpression von RSP14 in CD34+ Zellen von Patienten mit MDS und Deletion 5q resultierte in einer Wiederherstellung der normalen erythropoetischen Differenzierung und Proliferation von diesen Zellen. Bei CD34+ Zellen von MDS-Patienten ohne Deletion 5q war dieser positive Effekt nicht zu beobachten.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

RSP14 ist ein Schlüsselgen für die gestörte Erythropoese beim MDS mit Deletion 5q. Eine genetische Modifikation dieses Defektes mittels targetspezifischer Therapie kann zur Behandlung des MDS mit Deletion 5q beitragen.

Kommentar / Beurteilung

Erstmalige funktionelle Charakterisierung eines möglichen (und sehr lang gesuchten) Schlüsselgens für das 5q- Syndrom. Mit einer exzellenten experimentellen Strategie konnte RSP14 als Targetgen dieser Erkrankung gefunden werden. Neben der hohen Bedeutung dieses Ergebnisses für das Verständnis der Pathophysiologie des MDS mit Deletion 5q schließt es die mögliche Konstruktion von targetspezifischen Medikamenten gegen diesen Defekt der Hämatopoese ein.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Wolf-K. Hofmann

Institution:

Medizinische Klinik III, Charité - Campus Benjamin Franklin, Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin

Letzte Änderung:

14.12.2007