Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Verwandte versus unverwandte Spendertransplantation für die akute myeloische Leukämie (AML) mit Hochrisiko in erster kompletter Remission (CR1)

Titel des Originals:

Related versus unrelated donor transplantation for high risk (HiRi) acute myeloid leukemia (AML) in first complete remission (CR1)

Abstract-Nr.:

169 *Highlight*

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Joachim Kienast, Hans-Jochem Kolb, Dietrich W. Beelen, Maria Cristina Sauerland, Björna Berning, Albrecht Reichle, Ernst Holler, Renate Arnold, Karin Kolbe, Peter Staib, Rainer Schwerdtfeger, Matthias Stelljes, Christoph Schmid, Claudia Haferlach, Wolfgang E. Berdel, Wolfgang Hiddemann, Thomas Buchner

Institution/en:

Hematology/Oncology, Univ. of Münster, Germany; III. Dept Internal Medicine, Univ. of Munich, Germany; BMT Unit, Univ. of Essen, Germany; Med. Informatics and Biomath., Univ. of Münster, Germany; Hematology/Oncology, Univ. of Regensburg, Germany; Hematology/Oncology, Univ. Hosp. Charite, Berlin, Germany; III. Dept Internal Medicine, Univ. of Mainz, Germany; Clinic i Internal Medicine, Univ. of Cologne, Germany; BMT Unit, Deutsche Klinik f. Diagnostik, Wiesbaden, Germany; Munich Leukemia Laboratory, MLL, Munich, Germany

Zusammenfassung des Berichts

Hochrisiko-AML-Patienten <60 Jahren in erster kompletter Remission profitieren von der allogenen Stammzelltransplantation (SZT), wobei die Ergebnisse mit unverwandten Spendern denen mit verwandten Spendern zumindest äquivalent sind.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Die allogene SZT von einem HLA-identischen Geschwisterspender ist die bevorzugte Postremissionstherapie für jüngere Patienten mit Hochrisiko-AML in CR1. Die Rolle der allogenen SZT von unverwandten Spendern ist bei dieser Erkrankungssituation unklar und es fehlen randomisierte Studien zu diesem Thema.

Fragestellung der Studie

Vergleich von Gesamtüberleben und krankheitsfreiem Überleben bei Patienten (<60 Jahren) mit Hochrisiko-AML und CR1, die entweder allogen transplantiert (getrennt nach verwandten und unverwandten Spendern) oder mit konventioneller Postremissionstherapie behandelt wurden.

Art der Studie

Retrospektive Analyse

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Auswertung der Ergebnisse von 92 Patienten unter 60 Jahren mit AML und zytogenetischem Hochrisiko, die in das AML-Kooperative-Studiengruppe(AMLCG)-1999-Protokoll eingeschlossen worden waren, und nach doppelter Induktionschemotherapie eine komplette Remission (zumeist CR1) erreicht hatten sowie anschließend mit Postremissionstherapie behandelt wurden. Diese Postremissionstherapie bestand entweder aus einer allogenen SZT von einem HLA-identischen Geschwister (n=21), einer allogenen SZT von einem unverwandten Spender (n=34), oder einer konventionellen Postremissionstherapie (n=37). Die letztere Kontrollgruppe enthielt nur solche Patienten, die mindestens 90 Tage nach Erreichen der CR ohne Rezidiv überlebten, um die bessere Vergleichbarkeit mit den SZT-Patienten zu gewährleisten (Landmark-Analyse). Das mediane Alter war in den Gruppen vergleichbar (siehe Tabelle).
Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte mit Log-Rank-Test und Cox-Regressionsmodell.

Ergebnisse, Toxizität

Die Kohorte der Patienten, die in der Postremissionsphase mit allogener SZT behandelt wurde, zeigte gegenüber der nichttransplantierten Kohorte ein verbessertes Gesamtüberleben nach 2 Jahren und ein verbessertes projiziertes, krankheitsfreies Überleben sowie Gesamtüberleben nach 4 Jahren. Die Einzelergebnisse inklusive der p-Werte sind in der Tabelle dargestellt. Im Cox-Regressionsmodell waren die "Überleben"-Endpunkte in erster kompletter Remission lediglich durch das Alter der Patienten und der Art der Postremissionstherapie (+/- SZT) beeinflusst. Die altersadaptierte Hazard-Ratio für das krankheitsfreie Überleben lag bei 0,6 (95% KI: 0,3-1,3; p=0,19) für die Patienten mit Geschwister-SZT und bei 0,4 (95% KI: 0,2-0,8; p<0,01) für die Patienten mit Fremd-SZT im Vergleich zu der nichttransplantierten Kontrollgruppe. Die entsprechende Hazard-Ratio für das Gesamt-Überleben lag bei 0,6 (95% KI: 0,2-1,3; p=0,16) für die Patienten mit Geschwister-SZT und bei 0,4 (95% KI: 0,2-0,9; p=0,03) für die Patienten mit Fremd-SZT.

 Allo-SZT HLA-identer GeschwisterspenderAllo-SZT FremdspenderKonventionelle Postremissionstherapiep-
Werte
Medianes Alter46 (25-58)45 (21-58)49 (22-59) 
Gesamtüberleben nach 2 Jahren68% (95%-KI: 43-92%)59% (95%-KI: 38-81%)28% (95%-KI: 13-44%) 
Projiziertes krankheitsfreies Überleben nach 4 Jahren23%39%14%0,02
Projiziertes Gesamtüberleben nach 4 Jahren45%44%25%0,03
Gesamtüberleben nach SZT (Geschwister- oder Fremd-) nach 4 Jahren48%48%25%0,009

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Patienten mit zytogenetisch determinierter Hochrisiko-AML im Alter <60 Jahren, die sich nach Doppel-Induktionstherapie in erster kompletter Remission befinden, sollten mit allogener SZT behandelt werden. Dabei sind die Ergebnisse der allogenen SZT von Fremdspendern denen von Geschwisterspendern zumindest äquivalent, wenn nicht sogar besser. Wesentliche Limitation der Studie ist ihr retrospektiver Charakter und die geringe Anzahl der auswertbaren Patienten.

Kommentar / Beurteilung

Eine der besten retrospektiven Studien, die die Überlegenheit der allogenen SZT gegenüber konventioneller Postremissionstherapie bei jüngeren Hochrisiko-AML-Patienten in kompletter Remission nachweisen. Leider ist die Art der konventionellen Postremissionstherapie nicht weiter spezifiziert.


Autor des Berichts:

Priv.-Doz. Dr. med. Wolfgang Herr

Institution:

III. Medizinische Klinik, Hämatologie und Onkologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Langenbeckstr. 1, 55101 Mainz

Letzte Änderung:

16.01.2008