Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Eine Heilung des Mantelzell-Lymphoms ist möglich unter Anwendung einer intensiven Immunochemotherapie mit in-vivo-gepurgter autologer Stammzelltransplantation: Abschließender Bericht der Nordic Lymphoma Group über die MCL2-Studie

Titel des Originals:

Mantle Cell Lymphoma Can Be Cured by Intensive Immunochemotherapy with In-Vivo Purged Stem-Cell Support; Final Report of the Nordic Lymphoma Group MCL2 Study

Abstract-Nr.:

LBA1 *Highlight*

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Christian H. Geisler, Erkki Elonen, Arne Kolstad, Anna Laurell, Niels Andersen, Lone B. Pedersen, Anne Marie Boesen, Mikael Eriksson, Mats Jerkeman, Eva Kimby, Outi Kuittinen, Grethe F. Lauritzen, Herman Nilsson-Ehle, Marie Nordstrom, Elisabeth Ralfkiaer, Mans Akerman, Mats Ehinger, Christer Sundstrom, Ruth Langholm, Jan Delabie, Marja-Liisa Karjalainen-Lindsberg, Peter Brown

Institution/en:

Hematology and Pathology, Rigshospitalet, Copenhagen, Denmark; Hematology and Pathology, Helsinki Central University Hospital, Helsinki, Finland; Oncology and Pathology, Norwegian Radium Hospital, Olso, Norway; Oncology and Pathology, Academic Hospital, Uppsala, Sweden; Hematology, Aarhus University Hospital, Aarhus, Denmark; Oncology and Pathology, Lund University Hospital, Lund, Sweden; Hematology, Karolinska Institute, Stockholm, Sweden; Oncology, Oulu University Hospital, Oulu, Finland; Hematology, Sahlgrenska Hospital, Gothenburg, Sweden

Zusammenfassung des Berichts

Bei Patienten mit neu diagnostiziertem Mantelzell-Lymphom wurde eine Induktionschemotherapie mit je 3 Kursen dosiseskaliertem CHOP und hochdosiertem Cytosin-Arabinosid (Ara-C) im Wechsel sowie eine viermalige Verwendung von Rituximab vor Stammzellapherese durchgeführt. Anschließend wurde hochdosiertes BEAM und eine autologe Stammzelltransplantation angewendet. Bei 85% der so gewonnenen Stammzellapherisate konnte die charakteristische t(11;14) in der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nicht mehr nachgewiesen werden. 5 Jahre nach Transplantation ergab sich ein progessionsfreies Überleben von 72%. Innerhalb des ersten Jahres ergab sich für 21 der 77 Patienten mit verfügbaren Primern ein positives PCR-Ergebnis, von denen 17 im weiteren Verlauf auch hinsichtlich des MCL rezidivierten. Nach dem ersten Jahr nach Transplantation zeigte sich für 13 Patienten ein positives PCR-Ergebnis, von denen im gegebenen Beobachtungszeitraum 3 Patienten hinsichtlich ihres MCL rezidivierten.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das Mantellzell-Lymphom (MCL) gilt im Allgemeinen als nicht kurativ behandelbare Erkrankung. Intensive Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation erscheint als vielversprechende Therapieoption, wurde bislang aber nur an kleinen Patientenkohorten getestet.

Fragestellung der Studie

Insbesondere im Hinblick auf frühere Berichte über eine Wirksamkeit von höher dosierter Immunochemotherapie wurde jetzt die Wirksamkeit dieser Therapie unter besonderer Berücksichtigung des Vorhersagewertes der Diagnostik für die minimale Resterkrankung (MRD) im Knochenmark der Patienten und der Stammzellapherisate ausgewertet.

Art der Studie

Offene, nicht randomisierte Phase-II-Studie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

159 Patienten im Alter von <66 Jahren, 128 mit der Diagnose eines klassischen MCL, und 31 mit blastoider/pleomorpher Zytologie, 84% im Krankheitsstadium IV erhielten 6 Kurse intensiver Induktions-Immunochemotherapie mit wechselnden Kursen Rituximab (R) + Maxi-CHOP (dosiseskaliertes CHOP: Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) und R + Hochdosis-AraC (3 g/m2 für Patienten unter 60 Jahren und 2 g/m2 für Patienten über 60 Jahren). Bei Erreichen einer Remission folgte hochdosiertes BEAM/BEAC mit in-vivo-gepurgtem autologen Stammzellsupport.

Ergebnisse, Toxizität

153 Patienten (96%) zeigten ein Ansprechen auf die Induktionschemotherapie, davon 55% in Komplettremission (CR) und 41% in partieller Remission (PR). Das ereignisfreie 5-Jahres-Überleben und das Gesamtüberleben waren 63% bzw. 74% in der Intention-to-treat-Analyse. Von den 144 Patienten (91%), die die Behandlung abgeschlossen hatten, zeigte sich bei 72% ein andauerndes Ansprechen mit Plateauentwicklung in allen 3 Kurven. Von 77 Patienten mit verfügbaren Primern für die MRD-Diagnostik wurden 90% PCR-negativ 2 Monate nach Transplantation. Von den 42 Stammzeltransplantaten waren 85% PCR-negativ, im Gegensatz zu 12% in der vorangegangenen MCL1-Studie. Von den 21 Patienten, die innerhalb des ersten Jahres PCR-positiv wurden, rezidiviertem im weiteren Verlauf 17 Patienten, von den 12 Patienten, die nach Ablauf eines Jahres PCR-positiv wurden, 3 Patienten. In der Multivariat-Analyse zeigten sich die Ki-67-Expression, die zytologische Variante sowie der IPI (Internationale Prognostische Index) als signifikante Risikofaktoren.

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Der erstmalige Nachweis ereignisfreien Langzeitüberlebens in einer großen prospektiven Studie legt die Schlussfolgerung nahe, dass die intensive Immunochemotherapie unter Einschluss von Ara-C und Rituximab und Verwendung von in-vivo-gepurgten Stammzellpräparaten nach Hochdosischemotherapie zu einer Heilung des Mantelzell-Lymphoms führen kann.

Kommentar / Beurteilung

Die vorliegenden Ergebnisse sind beeindruckend. Hier wird in einer Phase-II-Studie gezeigt, dass eine dosisintensivierte Immunochemotherapie vor autologer Stammzelltransplantation mit dem Effekt des In-vivo-Purgings zu einer deutlichen Steigerung des Therapieergebnisses beim MCL führt.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Jörg Schubert

Institution:

Medizinische Klinik I, Universtitätsklinikum des Saarlandes, Kirrbergerstraße, 66421 Homburg/Saar

Letzte Änderung:

02.01.2008


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