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Radioimmunotherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan zur Konsolidation von Patienten in erster Remission mit follikulärem Non-Hodgkin-Lymphom in fortgeschrittenen Stadien: Eine Real-Time-PCR-Analyse

Titel des Originals:

Radioimmunotherapy with 90Y-Ibritumomab Tiuxetan as Consolidation of First Remission in Patients with Advanced Stage Follicular Lymphoma: A 'Real-time' MBR RQ-PCR Analysis

Abstract-Nr.:

3412

Jahr:

2007

Original im Internet:

Abstract

Autor/en:

Lindsey Goff, Karin Summers, Sameena Iqbal, Jens Kuhlmann, Michael Kunz, Anton Hagenbeek, T Andrew Lister, and Ama Rohatiner

Institution/en:

CR-UK Medical Oncology Unit, St Bartholomew's Hospital, London, UK; Bayer Schering Pharma AG, Berlin, Germany; UMC Utrecht/HOVON, The Netherlands

Zusammenfassung des Berichts

Die Radioimmuntherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan erzielt beim fortgeschrittenen follikulären Lymphom bei 90% der Patienten ein molekulares Ansprechen und verlängert das progressionsfreie Überleben signifikant um 2,5 Jahre.

Bericht über die Inhalte der Studie

Begründung, Rationale

Das follikuläre NHL ist in ca. 85% der Fälle durch die Translokation t(14;18) in den Lymphomzellen charakterisiert. Dadurch entsteht ein Rearrangement des Bcl-2-Onkogens und eine Überexpression der Bcl-2-/IgH mRNA, die mit PCR nachgewiesen werden können. Die t(14;18) kann als Marker für die minimale Resterkrankung verwendet werden. Wenn die Bcl-2-PCR negativ wird, korreliert dies beim follikulären Lymphom mit einem verbesserten Krankheitsverlauf. Die zielgerichtete Radioimmuntherapie mit dem Anti-CD20 monoklonalen Antikörper, verbunden mit dem reinen beta-Strahler Yttrium90 (90Y-Ibritumomab-Tiuxetan) ist wirksam beim rezidivierten und refraktären follikulären Lymphom.

Fragestellung der Studie

Randomiserte Postremissionstherapie bei fortgeschrittenem follikulären Lymphom: Ibritumomab-Tiuxetan versus Beobachtung (siehe Bericht zu Abstract 643, FIT-Studie).
Sekundärer Endpunkt: Veränderung des molekularen Ansprechens von Bcl-2-positiv zu negativ nach der Radioimmuntherapie.

Art der Studie

Prospektiv randomisierte Vergleichsstudie

Behandlung, Protokolle, Durchführung bzw. Methode

Studiendetails siehe Bericht zu Abstract 643, FIT-Studie.
Blutuntersuchungen auf Bcl-2-Status im Verlauf der Therapie. Methode: quantitative Realtime-PCR für die "Major Breakpoint Cluster Region" (MBR) mit einer Sensitivität von 1 unter 100.000 Zellen. Mindestens 5-10 Ziel-Kopien des Rearrangements waren für hoch reproduzierbare Ergebnisse nötig (Methode nach Summers et al. [Summers KE 2001]).
Nur Patienten mit vollständigen Daten und mindestens einer Blutuntersuchung nach Ibritumomab-Tiuxetan-Therapie bzw. Randomisierung.

Ergebnisse, Toxizität

59 von 96 (61,5%) der Kontroll-Patienten und 68 von 90 (75,6%) der mit Ibritumomab-Tiuxetan therapierten waren initial PCR-positiv.

Konversion zum PCR-negativen Status im Blut:

  • Kontrollgruppe: 21 von 59 (36%);
  • Ibritumomab-Tiuxetan-Gruppe: 61 von 68 (90%)

Mediane Dauer der PCR-Negativität:

  • Kontollgruppe: 24,0 Monate;
  • Ibritumomab-Tiuxetan-Gruppe: 40,8 Monate
  • Log-rank-Test: p<0,01; HR:0,399)

Medianes klinisches progressionsfreies Überleben nach Blut-PCR-Status zu Studienbeginn:

  • PCR-positiv, Ibritumomab-Tiuxetan-Gruppe: 38,4 Monate (n=68)*
  • PCR-positiv, Kontrollgruppe: 8,2 Monate (n=59)*
  • PCR-negativ, Ibritumomab Tiuxetan-Gruppe: 37,0 Monate (n=22)**
  • PCR-negativ, Kontrollgruppe: 28,8 Monate (n=37)**
  • Log-rank-Test: *p<0,01, HR:0,293; **p=0,21, HR:0,607

Schlussfolgerung der Autoren aus der Publikation

Die Konsolidation der ersten Voll- oder Teilremission mit Ibritumomab-Tiuxetan führt bei 90% der Patienten zu einem molekularen Ansprechen. Bcl-2-PCR-positive Patienten, die mit Ibritumomab-Tiuxetan behandelt wurden, haben im Median ein 2,5 Jahre längeres progressionsfreies Überleben als die Kontrollgruppe. Ein molekulares Ansprechen schein mit einem besseren Behandlungsergebnis zu korrelieren.

Kommentar / Beurteilung

Diese Studie ergänzt auf molekularer Basis die klinischen Daten der FIT-Studie mit Ibritumomab-Tiuxetan als Konsolidation bei höheren Stadien ds follikulären Lymphoms, in der ein signifikant verbessertes krankheitsfreies Überleben gezeigt wurde. Wenn ein molekulares Ansprechen erreicht wird, dann sind die Ergebnisse deutlich besser als in der PCR-positiven Kontrollgruppe. Damit wird gezeigt, dass die Menge der malignen Zellen für die Remissionsdauer bedeutsam ist. Allerdings gibt es auch weiterhin kontinuierlich Rezidive, so dass zur Kontrolle des follikulären Lymphoms weitere Therapien nötig sind. Hier ergeben sich Ansätze für Weiterentwicklungen der Primärtherapie, wie z.B. zusätzliche Konsolidierungstherapien, um den negativen PCR-Status und die klinischen Remissionen zu verlängern.


Autor des Berichts:

Prof. Dr. med. Hartmut Link

Institution:

Medizinische Klinik I, Westpfalz-Klinikum, 67653 Kaiserslautern

Letzte Änderung:

16.12.2007


Ergänzende Literaturreferenz/en:

  • Summers KE, Goff LK, Wilson AG, Gupta RK, Lister TA, Fitzgibbon J.
    Frequency of the Bcl-2/IgH rearrangement in normal individuals: implications for the monitoring of disease in patients with follicular lymphoma.
    J Clin Oncol. 2001 Jan 15;19(2):420-4. PM:11208834
    [Medline]


Symposium "Radioimmun-
therapie maligner Lymphome mit Ibritumomab-Tiuxetan", 1. Mai 2004, München (Bild-/Ton-Vorträge, Abstracts) [Mehr]
Interne LinksInterne Links
ASH-Bericht 2007: "First-line Indolent Trial" (FIT), 90Y- Ibritumomab-Tiuxetan in erster Remission - Lebensqualität unter Therapie [abstr 3319]
ASH-Bericht 2007: "First-line Indolent Trial" (FIT), 90Y- Ibritumomab-Tiuxetan in erster Remission - Remissionsrate nach 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan [abstr 643]