Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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6 Hochdosis-Chemotherapie: 6.4 Erhaltungstherapie mit Zytostatika und/oder Interferon

Autor/en: Stefan Knop, Hermann Einsele
Letzte Änderung: 30.06.2011

Trotz der Fortschritte in der Behandlung des multiplen Myeloms durch Einführung der Hochdosis-Chemotherapie mit nachfolgender autologer Stammzelltransplantation erleiden nahezu alle Patienten einen Rückfall der Erkrankung. Über alle Studien hinweg ist von einer Ansprechdauer der Hochdosistherapie von maximal 3 Jahren auszugehen. Um dieses Intervall zu verlängern, gab es verschiedenste Ansätze mit konsolidierender Chemotherapie über eine bestimmte Anzahl von Zyklen nach autologer Stammzelltransplantation oder einer Erhaltungstherapie, die häufig mit Interferon mit oder ohne Steroide oder Zytostatika bis zum Progress durchgeführt wurde.

Ansätze einer Erhaltungschemotherapie nach beobachtetem Ansprechen auf eine Induktionsbehandlung vor der Ära der Hochdosis-Chemotherapie vermochten keinen Vorteil für eine fortgesetzte Zytostatikagabe zu zeigen [Alexanian et al. 1975; Belch et al. 1988].

In einer kürzlich veröffentlichten einarmigen, nicht kontrollierten Studie wurde über die Anwendung einer einjährigen, sequenziellen Erhaltungstherapie mit Dexamethason, Melphalan, Interferon, Cyclophosphamid und Prednison berichtet [Chen et al. 2006]. Das mediane ereignisfreie Überleben bei den 28 behandelten Patienten lag trotz der intensiven und mit signifikanten Nebenwirkungen behafteten Therapie mit gut 3 Jahren in einem Bereich, der auch ohne jegliche Posttransplantationstherapie mit 2 Zyklen HD-Melphalan erreicht werden kann [Knop et al. 2007].

Wesentlich größere Patientenzahlen werden bezüglich einer Interferonerhaltung überblickt. Zwei Register- bzw. Metaanalysen belegen den Stellenwert einer Interferonerhaltung:
In eine retrospektiven Analyse, die auf dem Transplantationsregister der EBMT (European Group for Blood and Marrow Transplantation; www.ebmt.org) beruhte, wurden 473 Patienten, die nach Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation Interferon-α (IFN-α) erhielten, eingeschlossen und mit 419 Probanden ohne weitere Anschlusstherapie verglichen. [Björkstrand et al. 2001]. Sowohl das ereignisfreie Überleben (29 Monate vs.20 Monate ohne IFN-α) als auch das Gesamtüberleben (78 Monate vs.47 Monate ohne IFN-α) waren für die Erhaltungstherapiegruppe verbessert. Der Unterschied bestand jedoch nur für die Patienten, die nach autologer Transplantation in Teil-, nicht aber in Vollremission waren. Diese Parallele zur Überlegenheit der Doppel- gegenüber der Einfachhochdosistherapie deutet also auch für IFN-α einen direkten, remissionsinduzierenden Effekt an.

Die Daten von über 4000 Patienten wurden bei der Metaanalyse zum Stellenwert von IFN-α in Induktions- und Erhaltungstherapie ausgewertet [The Myeloma Trialists’ Collaborative Group 2001]. Insgesamt konnte auch hier ein kleiner Vorteil zugunsten der mit IFN-α als Erhaltungstherapie behandelten Patienten gesehen werden und auch in dieser Untersuchung gab es einen besonderen Unterschied für die Patienten in PR, wobei im Unterschied zur zuvor zitierten Untersuchung auch für Probanden in CR ein Vorteil gesehen werden konnte. In dieser großen Metaanalyse, die auf individuellen Patientendaten beruhte, war die positive Auswirkung auf die Zeit bis zur Progression im Verhältnis größer als diejenige aufs Gesamtüberleben. Eine klare Dosisabhängigkeit bzw. eine mindestens notwendige Zeitdauer der Erhaltungstherapie konnte in dieser Untersuchung nicht gefunden werden.

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