Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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3 Radiologische Diagnostik des multiplen Myeloms: 3.6 Stadieneinteilung

Autor/en: Stefan Delorme, Andrea Baur-Melnyk
Letzte Änderung: 30.06.2011

Im Moment sind weltweit mehr als 10 klinische Stadiensysteme in Gebrauch. Das am häufigsten verwendete Stadiensystem ist das von Durie und Salmon [Durie, Salmon 1975] (s. Tab. 3.2). Neben dem Hämoglobin-, dem Kalzium- und dem Paraproteingehalt im Serum fließt auch die Bildgebung ein. Da zum Zeitpunkt der Erstellung des Stadiensystems im Jahr 1975 nur das konventionelle Röntgen zur Verfügung stand, bezieht man sich bis zum heutigen Tag hierauf. Viele Studien haben jedoch gezeigt, dass dem konventionellen Röntgen häufig Befunde entgehen und daher eine Prognosevorhersage anhand dieses Systems eine große Unschärfe beinhaltet. Wesentlich ist eine Unterscheidung zwischen Stadium I und Stadium II, da zumeist im Stadium II eine systemische Therapie (Chemotherapie und/oder Stammzelltransplantation/Knochenmarktransplantation) erfolgt. In einer Survival-Analyse konnte gezeigt werden, dass das Ausmaß der Infiltration in der MRT ein entscheidender Faktor hinsichtlich des Überlebens der Patienten ist und dass durch dessen Berücksichtigung, zusätzlich zum etablierten, klinischen Stadiensystem von Durie und Salmon, die drei Patientengruppen (Stadium I-III) signifikant besser hinsichtlich des Überlebens diskriminiert werden können [Baur et al. 2002] (s. Tab. 3.3). Mit der Einführung der Ganzkörper-MRT ist es nun möglich, in einem Untersuchungsgang den gesamtem Knochenmarkraum abzubilden. Die Ganzkörper-MRT sowie die Ganzkörper-CT ersetzen zunehmend das konventionelle Röntgen. Diese Entwicklung ist auch im neuen Stadiensystem von Durie und Salmon (Durie und Salmon plus, vgl. Tab. 3.4) [Durie 2006] berücksichtigt. Dem aktuellen Kenntnisstand zufolge kann man empfehlen, bei der Neudiagnose eines multiplen Myeloms zunächst eine Ganzkörper-MRT durchzuführen. Sind hierbei keine Infiltrate nachweisbar, kann auf eine weitere Bildgebung verzichtet werden, da die MRT die sensitivste Methode ist. Sind umschriebene, suspekte Herde vorhanden, eignet sich die Low-dose-Ganzkörper-MSCT (MSCT: Multi-Slice-Computertomographie) besser als der bisher durchgeführte konventionelle Skelettstatus, um knöcherne Destruktionen nachzuweisen oder auszuschließen und um das Risiko von Frakturen einzuschätzen. Im Einzelfall (bei wenigen Läsionen) können auch gezielte CT-Aufnahmen oder Röntgenaufnahmen der betroffenen Region gemacht werden. Falls keine Ganzkörper-MRT zur Verfügung steht, ist nach wie vor der konventionelle Skelettstatus indiziert (alternativ: Ganzkörper-MSCT) sowie eine MRT der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ist die am häufigsten betroffene Region, Frakturen sind hier am häufigsten.

Neben der reinen bildgebenden Diagnostik empfiehlt sich in frühen Stadien des multiplen Myeloms eine qualitätsgesicherte Knochendichtemessung als Basisuntersuchung, damit ein Fortschreiten der Osteoporose oder der Erfolg einer begleitenden Therapie mit Bisphosphonaten erfasst werden kann.

Tab. 3.2: Stadieneinteilung nach Durie und Salmon [Durie, Salmon 1975]
StadiumKriterien
I

Alle Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Hb > 10 g/dl
  • Serumkalzium < 12 mg/dl
  • Im Röntgenbild normale Knochenstruktur, solitäre Knochenläsion
  • IgG < 5 g/dl
  • IgA < 3 g/dl
  • Bence-Jones-Proteinausscheidung im Urin < 4 g/24 h
IIWeder Stadium I noch III zuzuordnen
III

Mindestens ein Kriterium muss erfüllt sein:

  • Hb < 8,5 g/dl
  • Serumkalzium > 12 mg/dl
  • Im Röntgenbild fortgeschrittene osteolytische Läsionen
  • IgG > 7 g/dl
  • IgA > 5 g/dl
  • Bence-Jones-Proteinauscheidung im Urin > 12 g/24 h
Hb: Hämoglobin; IgG, IgA: Immunglobulin der Klasse G bzw. A
Tab. 3.3: Stadieneinteilung nach Durie und Salmon inklusive der MRT der Wirbelsäule [Baur et al. 2002]
StadiumKriterien
I

Alle Kriterien müssen erfüllt sein:

  • Hb > 10 g/dl
  • Serumkalzium < 12 mg/dl
  • IgG < 5 g/dl
  • IgA < 3 g/dl
  • Unauffälliges Röntgen bzw. solitäres Plasmozytom
  • MRT der Wirbelsäule: kein Befall
IIWeder Stadium I noch III zuzuordnen
III

Mindestens ein Kriterium muss erfüllt sein:

  • Hb < 8,5 g/dl
  • Serumkalzium > 12 mg/dl
  • IgG > 7 g/dl
  • IgA > 5 g/dl
  • Röntgen: fortgeschrittene osteolytische Läsionen
  • MRT der Wirbelsäule: > 10 fokale Läsionen oder deutliche, diffuse Infiltration*
Hb: Hämoglobin; IgG, IgA: Immunglobulin der Klasse G bzw. A; MRT: Magnetresonanztomografie
* Das Knochenmarksignal in der T1-Wichtung ist deutlich abgesenkt und ähnelt dem der Bandscheibe

Tab. 3.4: Durie/Salmon-plus-Staging-System [Durie et al. 2003]

Klassifikation

Ganzkörper-MRT oder FDG-PET(-CT)

MGUS

Alles negativ

Stadium I A

Normales Skelett oder solitäre Knochenläsion

(Smoldering myeloma)

(Limited disease)

Multiples Myelom

Stadium I B

< 5 fokale Läsionen oder leicht diffuse Infiltration

Stadium II A/B

5-20 fokale Läsionen oder mittelgradig diffuse Infiltration

Stadium III A/B

> 20 fokale Läsionen oder stark diffuse Infiltration

MGUS: monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz
Subklassifikation der Stadien II und III: A = normale Nierenfunktion, B = Niereninsuffizienz (Kreatinin > 2 mg/dl)

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