Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


3 Radiologische Diagnostik des multiplen Myeloms: 3.5 Differenzialdiagnosen

Autor/en: Stefan Delorme, Andrea Baur-Melnyk
Letzte Änderung: 30.06.2011

3.5.1 Solide, maligne Tumoren

Knochenmetastasen solider Tumoren sind weitaus häufiger als das multiple Myelom und können mit allen Methoden mit diesem verwechselt werden [Ooi et al. 2006]. Für ein multiples Myelom sprechen:

  • Herde in der Schädelkalotte und in den Diaphysen langer Röhrenknochen
  • Areaktive, scharf begrenzte Osteolysen
  • Scalopping, d.h. halbmondförmige Defekte an der Markseite kortikaler Knochen
  • Osteoporose

Gegen ein multiples Myelom spricht jede osteosklerotische Läsion und, nicht zu vergessen, ein bekanntes Krebsleiden, das als Ursache infrage kommt.

3.5.2 Benigne Befunde

In der Altersgruppe der meisten Patienten mit multiplem Myelom ist eine Osteoporose häufig, insbesondere bei Frauen, und es ist nicht immer klärbar, ob diese idiopathisch bzw. postmenopausal ist oder Folge einer Plasmazellerkrankung. Auch sind degenerative Wirbelsäulenveränderungen und Bandscheibenschäden häufig und verursachen nicht nur Schmerzen, sondern auch Veränderungen im Knochenmark, die mit einem diffusen Myelombefall verwechselt werden können. Dies ist umso ausgeprägter, je frischer die Veränderungen sind. Typisch sind T2-Hyperintensitäten und eine Kontrastmittelaufnahme, diesmal als Ausdruck eines Ödems bzw. einer reaktiven Entzündung. Typisch sind ihre Lokalisation und Begrenzung:

  • Halbmondförmig oder dreieckig
  • Der Grund- und Deckplatte anliegend
  • Symmetrisch ober- und unterhalb einer Bandscheibe
  • Begleitende Höhenminderung und ein Signalverlust der benachbarten Bandscheibe
  • Dichtezunahme in der CT als Ausdruck einer reaktiven Sklerose

Im chronischen Stadium, mit Rückgang der entzündlichen Veränderungen, bleibt oft eine Verfettung des Markraums zurück, die in T1-gewichteten Bildern hyperintens ist und nach Fettunterdrückung (bei den T2-gewichteten Aufnahmen oder nach Kontrastmittelinfusion) hypointens.

Schwieriger ist die Differenzialdiagnose kurz nach einer Wirbelkörperfraktur. Das Fehlen eines Defektes ist kein geeignetes Kriterium, weil die Sinterung auch dann eine Zunahme der Dichte verursachen kann, wenn ursprünglich eine Osteolyse vorlag. Die Veränderungen des Markraumsignals in der MRT können auch bei einer "benignen", osteoporotischen Fraktur denen bei einem Myelombefall (und einer Metastase eines soliden Tumors) in jeder Hinsicht gleichen. Dies ist problematisch, denn die Konsequenzen bei einer Fraktur infolge eines malignen Befalls sind hinsichtlich der Prognose und der Therapie - z.B. einer Strahlentherapie - erheblich. An gemischten Kollektiven konnte mit der diffusionsgewichteten MRT gezeigt werden, dass im Vergleich zu Frakturen anderer Ursache die Diffusion im betroffenen Wirbel eingeschränkt war, wenn ein maligner Tumor (einschließlich des Myeloms) die Ursache war [Raya et al. 2006]. Die Methode ist aber technisch schwierig, insbesondere am Knochen. Darüber hinaus steht eine prospektive Evaluation beim multiplen Myelom noch aus.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
mehr 
[Mehr]