Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
SitemapSitemap  


3 Radiologische Diagnostik des multiplen Myeloms: 3.4 Anforderungen an die Diagnostik

Autor/en: Stefan Delorme, Andrea Baur-Melnyk
Letzte Änderung: 30.06.2011

Von asekretorischen Formen abgesehen wird die Diagnose eines multiplen Myeloms anhand des Nachweises monoklonaler Immunglobuline in Serum und Urin und einer Knochenmarkentnahme gestellt. Die radiologische Diagnostik hat aus klinischer Sicht dabei folgende Aufgaben:

  • Verifizierung des Ausmaßes des Knochenbefalls
  • Nachweis von Herden außerhalb des Skeletts
  • Informationen für die Stadieneinteilung nach Durie/Salmon bzw. Durie/Salmon plus
  • Beurteilung der Stabilität der befallenen Knochen
  • Beurteilung des Therapieerfolges und Erkennung einer Tumorprogression

Standard für die Erfassung des Ausbreitungsgrades war bislang die Skelettradiografie. Aus heutiger Sicht muss man dies als weitgehend überholt bezeichnen: Die Sensitivität der CT ist eindeutig höher bei vergleichbarer Strahlendosis und weniger Aufwand für den Patienten. Die MRT ist in dieser Hinsicht noch leistungsfähiger und vermag auch den Markraumbefall zu erfassen. Allerdings sind nicht an allen Kliniken Geräte vorhanden, die für Ganzkörperuntersuchungen gerüstet sind.

Die radiologischen Kriterien für die Einteilung nach Durie und Salmon beruhen auf dem Röntgen-Knochenstatus, da seinerzeit weder CT noch MRT für die Untersuchung großer Körperabschnitte oder des ganzen Körpers geeignet waren. Dies ist auch ein Grund, warum vielfach noch an der konventionellen Skelettradiografie festgehalten wird. Würde bei unveränderten Kriterien die CT verwendet, würde dies zwangsläufig zu einer Hochstufung einer beträchtlichen Zahl von Patienten führen. Dass dies infolge der früher begonnenen, systemischen Therapie zu einem längeren Überleben oder einem Hinauszögern von Komplikationen führen würde, kann man vermuten - erwiesen ist es nicht. Es sind aber andere oder modifizierte Stadieneinteilungen vorgeschlagen worden, die die MRT-Befunde einschließen (s. Kap. 3.6), ohne dass genau belegt ist, welche Konsequenzen dies im Einzelfall für das Vorgehen hat.

Die Behinderung und die Schmerzen, die aus Knochenbrüchen resultieren, sind beträchtlich. So können Instabilitäten, rechtzeitig erkannt, prophylaktisch behandelt oder versorgt werden, z.B. durch eine Strahlentherapie, eine Intervention an Wirbelkörpern, Osteosynthesen oder orthopädische Hilfsmittel. Oft ist die Projektionsradiografie hierfür ausreichend, die CT aber dort eindeutig besser, wo die Anatomie der Knochen komplex ist - insbesondere bei Wirbelkörpern.

Bei der Verlaufskontrolle hat die MRT zulasten der Projektionsradiografie an Bedeutung gewonnen, mit gutem Grund. Veränderungen im Röntgenbefund sind Folge der destruierenden Wirkung des Tumors und damit nur "Spitze des Eisberges". Sicher werden sie bei einer Progression des Herdes zunehmen, der die Ursache ist, aber dessen Ausdehnung in den Markraum hinein entzieht sich dem Nachweis. Auch geht mit einer Remission des Herdes durch eine Chemo- oder Strahlentherapie nicht zugleich ein Rückgang der Osteolysengröße einher. In gewissem Maße gelten diese Einschränkungen auch für die Computertomografie, obwohl auch hiermit eine Abgrenzung umschriebener Herde im Knochenmark und damit eine Verlaufsbeobachtung möglich ist [Horger et al. 2007]. Generell ist heute die Verlaufsbeobachtung eine klare Domäne der MRT. Neben den klinischen und laborchemischen Parametern stellt die MRT nur einen Teil der Diagnostik der Tumoraktivität dar - mit Ausnahme des asekretorischen MM, bei welchem der Verlauf in der MRT tatsächlich der einzige verlässliche Parameter ist.

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag [Mehr]
Aktuelle Berichte vom 58th
ASH Annual Meeting 2016,
San Diego, Kalifornien, USA [Mehr]
2016 ASCO Annual Meeting - aktuelle Berichte. Dieser Service wird gefördert durch:
mehr 
[Mehr]