Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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Multiples Myelom: 1.3 Epidemiologie und Ätiologie

Autor/en: Dietrich Peest
Letzte Änderung: 30.06.2011

Zur Prävalenz von Paraproteinämien gibt es nur wenige Daten. Im Jahr 1964 wurden in Schweden mit der Serumelektrophorese 6995 Seren von Personen im Alter von über 25 Jahren untersucht; in 64 Fällen (0,9%) wurde ein Paraprotein festgestellt [Axelsson, Bachmann, Hällén 1966]. Dabei gab es einen großen Unterschied in der Prävalenz zwischen MM und MGUS: Nur ein Serum war von einem Patienten mit MM, die 63 anderen positiven Seren ließen sich Personen mit MGUS zuordnen. Eine andere Studie, in der zusätzlich zur Serumelektrophorese in nicht eindeutigen Situationen eine Immunfixationselektrophorese durchgeführt wurde, ergab eine Prävalenz von 3,2% bei Personen über 50 Jahre und 5,3% bei Personen über 70 Jahre und belegt damit, dass die Prävalenz mit dem Alter stark zunimmt [Kyle et al. 2006]. Zur Inzidenz der MGUS gibt es keine Daten, eine Abschätzung ist zudem nicht einfach. Da Patienten mit MGUS sehr viel länger leben als Patienten mit MM, ist jedoch anzunehmen, dass der Unterschied in der Inzidenz zwischen MGUS und MM deutlich geringer ist als der Unterschied bezüglich der Prävalenz (s.o.).

Das MM hat eine Inzidenz von etwa 3-4 Neuerkrankungen/100.000 Einwohner/Jahr und ist damit für ca. 1% aller malignen Tumoren verantwortlich. Es besteht jedoch eine internationale und ethnische Variabilität, die sich zum Teil durch die unterschiedlich vollständige Erfassung in den einzelnen Ländern erklärt [Alexander et al. 2007]. Im Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen wird die Inzidenz für das Jahr 2003 mit 4,4 für Männer und 3,7 für Frauen angegeben. Es gibt keinen sicheren Anhalt dafür, dass sich die altersadjustierte Inzidenz des MM seit Mitte des letzten Jahrhunderts verändert hat [Kyle et al. 2004].

Mit dem Risiko, an einem MM zu erkranken, sind in der Vergangenheit eine Reihe unterschiedlicher Faktoren verknüpft und diskutiert worden. Diese Faktoren betreffen die Lebensgewohnheiten, die Umwelt, das berufliche Umfeld, Infektionen und genetische Voraussetzungen. Nur wenige haben sich behaupten können und gelten als akzeptierte Risikofaktoren [Alexander et al. 2007] (s. Tab. 1.1).

Tab. 1.1: Faktoren, die als Risikofaktoren für ein MM diskutiert werden [Alexander et al. 2007]
Akzeptierte Risikofaktoren
  • Höheres Alter
  • Männliches Geschlecht
  • Schwarze Rasse
  • Positive Familienanamnese (MM oder Lymphome bei Verwandten ersten Grades)
  • Bestehende monoklonale Gammopathie
Mögliche RisikofaktorenFettleibigkeit, niedriger Fischkonsum, niedriger Obst- und Gemüsekonsum, AIDS, Herpes zoster
Widersprüchliche DatenHaarfärbemittel, Landwirtschaft, Holzstaub, chronische Immunstimulation, Autoimmunerkrankungen
Wahrscheinlich keine RisikofaktorenRauchen, Alkohol, Pestizide, organische Lösungsmittel, radioaktive Strahlung, Asbest, Allergien
AIDS: Acquired immunodeficiency syndrome

Zu den akzeptierten Risikofaktoren gehört ein höheres Lebensalter. Der Altersmedian wird beim MM je nach Studie etwas unterschiedlich angegeben, beträgt jedoch etwa 68 Jahre. Die altersspezifische Inzidenz nimmt bis zur Altergruppe von 75-85 Jahren stetig zu und scheint danach wieder abzunehmen (s. Abb. 1.1). Für Männer besteht im Vergleich zu Frauen eine höhere Inzidenz, die sich in den meisten Statistiken unabhängig von Alter und Rasse wiederfindet (Verhältnis von Männern zu Frauen etwa 4:3). Es gibt starke Hinweise dafür, dass auch rassische Unterschiede das Risiko, an einem MM zu erkranken, beeinflussen. So liegt die Inzidenz der aus Japan und China abstammenden Bevölkerung von Hawaii bei etwa 1, die der Weißen sowohl auf Hawaii als auch in Connecticut/USA bei etwa 4 und die der schwarzen Bevölkerung von Connecticut bei knapp 10/100.000 [Alexander et al. 2007]. Es gibt verschiedene Untersuchungen, die Häufungen von Erkrankungsfällen in einzelnen Familien beschreiben. Deshalb wird eine positive Familienanamnese, d.h. ein MM oder ein Lymphom bei Verwandten ersten Grades auch als Risikofaktor angesehen. Ob dies nur für bestimmte Formen des MM oder generell gilt, ist bisher unklar. Unstrittig ist, dass eine bestehende monoklonale Gammopathie das Risiko der Entwicklung eines MM in sich birgt. In einer größeren Studie wird das Risiko für Patienten mit MGUS, ein MM oder eine andere maligne monoklonale B-Zell-Erkrankung zu bekommen, mit 1% pro Jahr angegeben [Kyle, Rajkumar 2007].

In der Vergangenheit gab es Studien, die ein statistisches Risiko für Personen aus der Landwirtschaft, den Gebrauch von Pestiziden, chronische Immunstimulation, die Anwendung von Haarfärbemitteln und für Menschen, die erhöhter radioaktiver Strahlung (Atombombenopfer) ausgesetzt waren, errechnet haben. Nachfolgende Studien und Metaanalysen kamen jedoch nicht zu diesen Ergebnissen. Gleiches gilt auch für andere diskutierte Risikofaktoren (s. Tab. 1.1).

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Abb. 1.1: Altersspezifische Inzidenz des MM [Epidemiologisches Krebsregister Niedersachsen 2003]

Bei ONKODIN publiziert in Kooperation mit "Deutscher Ärzte-Verlag"; Publikation als Buch: Deutscher Ärzte-Verlag  Deutscher Ärzte-Verlag [Mehr]
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