Onkologie, Hämatologie - Daten und Informationen
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1.2 Grundlagen der Klassifikation lymphatischer Neoplasien

Autor/en: Harald Stein
Letzte Änderung: 30.04.2011

Die Klassifikation der lymphatischen Neoplasien war lange Zeit sehr umstritten. Es standen sich insbesondere im deutschsprachigen Europa die Kiel-Klassifkation und in den USA die Working Formulation gegenüber. Durchgesetzt hat sich 1994 mit der Etablierung der Revised-European-American-Lymphoma-(REAL-) Klassifikation das Konzept der Kiel-Klassifikation, d.h. die Einteilung der malignen Lymphome nach ihrer zellulären Herkunft. Vollends praktikabel wurde dieses Prinzip allerdings erst mit dem zunehmenden Erkenntnisgewinn über die zellulären Funktions- und Differenzierungsformen des B-Zell- (s. Abb. 1.1) und des T-/NK-Zell-Systems (NK-Zellen: natürliche Killerzellen; s. Abb. 1.2) und der Verfügbarkeit von Methoden, mit denen die verschiedenen Funktions- und Differenzierungsformen im Paraffinschnitt selektiv sichtbar gemacht werden können. Bei den Methoden handelt es sich in erster Linie um die monoklonale Antikörpertechnologie, die es ermöglicht, Antikörper von gleichbleibender Spezifität und Qualität in jeder beliebigen Menge herzustellen. Mit diesen Antikörpern können im Gewebeschnitt die meisten Funktions- und Differenzierungsformen des Immunsystems selektiv dargestellt werden. Für die Anwendung monoklonaler Antikörper an formalinfixierten, in Paraffin eingebetteten Gewebeproben war die Entwicklung folgender Methoden notwendig:

  • die Generierung von monoklonalen Antikörpern gegen formolresistente Epitope,
  • die Entdeckung des sog. Antigen retrieval, eine Methode, mit der Antigenepitope durch Kochen der Paraffinschnitte in bestimmten Pufferlösungen für die eingesetzten Antikörper zugänglich gemacht werden können und
  • die Erarbeitung von hochsensitiven immunhistologischen Detektionsverfahren zum Nachweis der spezifischen Bindung der eingesetzten Antikörper am Gewebeschnitt.

Es sei aber angemerkt, dass sich trotz des enormen Fortschritts in den letzten 30 Jahren immer noch nicht alle malignen Lymphome bestimmten Funktions- oder Differenzierungsformen des lymphatischen Systems zuordnen lassen.

Indolente_Lymphome_1_Klassifikation_Abb_1-1.gif

Abb. 1.1

Indolente_Lymphome_1_Klassifikation_Abb_1-2.gif

Abb. 1.2

Die Einteilung der malignen Lymphome nach dem histologischen Malignitätsgrad oder der klinischen Aggressivität erwies sich weder verlässlich reproduzierbar noch wissenschaftlich korrekt. Deshalb wurden Klassifikationen nach diesen Kriterien (z.B. die Working Formulation) verlassen. Heute ist allgemein akzeptiert, dass der histologische Malignitätsgrad und die klinische Aggressivität lediglich Prognosefaktoren darstellen, die aber nur innerhalb einer Lymphomentität zur Anwendung kommen dürfen. Zur optimalen Diagnostik und Behandlung von Lymphompatienten müssen sowohl der Hämatopathologe als auch der Hämatoonkologe die einzelnen Lymphomentitäten und deren Besonderheiten genau kennen. Allerdings lassen sich anhand des histologischen Malignitätsgrades und der klinischen Agressivität "indolente Gruppen" und "aggressive Gruppen" von Lymphomkrankheiten unterscheiden. Diese Gruppenbildung hat sich bei den Hämatoonkologen durchgesetzt. Das ist nachvollziehbar, denn der Kliniker möchte und muss ad hoc wissen, wie akut der therapeutische Handlungsbedarf bei einer Lymphomkrankheit ist.

Bei den malignen Lymphomen wird die Beteiligung des Blutes nicht mehr zur Einteilung herangezogen. Mit anderen Worten: Zwischen soliden und leukämischen Formen wird nicht mehr unterschieden. Der Grund hierfür ist die Beobachtung, dass sich viele Lymphome in unterschiedlichen Krankheitsphasen in einer der beiden Formen manifestieren können. Folgende zwei Lymphomkrankheiten seien beispielhaft genannt: die chronische lymphatische Leukämie und das lymphozytische Lymphom vom B-Zell-Typ. Diese beiden Lymphome stellen - nach bisheriger Erkenntnis - Manifestationen ein und derselben Neoplasie dar. Analoges gilt für das lymphoblastische Lymphom (LBL) und die akute lymphoblastische Leukämie (ALL).

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